Inszenierung | Axel Richter
Bühnenbild, Kostüme | Klaus Noack
Fern der menschlichen Zivilisation und Gesellschaft erzieht Herzeloyde ihren Sohn Parzival. Indem sie ihn tief im Wald versteckt, will sie ihm das Schicksal seines Vaters ersparen, der bei der Belagerung von Bagdad gefallen ist. Doch Parzival gerät in Kontakt mit der Außenwelt und beschließt, sich ihr auszusetzen. Und Herzeloydes Erziehungskonzept erweist sich als fatal: weniger tumber Tor als ungeschlachter Rüpel zieht Parzival durch die Welt und begeht aus Unkenntnis schon auf seinem Weg zum Hof König Artus immer neue Grausamkeiten.
Die bereits bei Chrétien de Troyes, Robert de Boron und Wolfram von Eschenbach mit dem Parzival-Stoff verbundene Kritik an den Erziehungsprinzipien einer Gesellschaft tritt bei Werle in den Mittelpunkt des Interesses. Nicht nur an der Figur Parzivals wird vorgeführt, wie eine Gesellschaft ihre Mitglieder deformiert, auch die Ritter der Tafelrunde werden als zweifelhafte Subjekte gezeigt, deren einziges Interesse dem Erwerb der Macht gilt. Sie angemessen auszuüben, sind sie aber nicht fähig. Der renommierte Romanist, Übersetzer und Autor Werle (geb. 1957) zeigt eine im Verfall begriffene, verkommene Welt, die bei aller Ferne des mittelalterlichen Sujets der unseren erschreckend näher ist, als wir es vielleicht wahrhaben wollen.