Geschichte

    Die 179. Spielzeit

    Das Staatstheater feiert in der Saison 2010 | 2011 seine 179. Spielzeit und darüber hinaus das Jubiläum der 300-jährigen Theatertradition in Darmstadt. Die langjährige Theatertradition der Stadt begann im 17. Jahrhundert, als Ritterspiele und Singballette zum Bestandteil des höfischen Zeremoniells der Landgrafen gehörten. Für die Bevölkerung bot sich Theater durch reisende Schauspielertruppen dar, die hin und wieder ihre Bühnen in der Residenzstadt aufbauten. Auf Wunsch der Landgräfin Elisabeth Dorothea entstand das erste Theatergebäude in Darmstadt. Die Reithalle am Herrengarten wurde in ein "Komödienhaus" umgebaut und 1711 – nach nochmaligem Umbau durch den Architekten Louis Remy de La Fosse – eröffnete man mit Christoph Graupners Oper Telemach das repräsentative Theatergebäude. Dieses Barocktheater blühte jedoch nur kurze Zeit, da finanzielle Krisen den Theaterbetrieb weitgehend zum Erliegen brachten. Erst ein knappes Jahrhundert später begründete Großherzog Ludwig I. ein Hoftheater, das allen Bevölkerungsgruppen offen stehen sollte. Das durch den Architekten Georg Moller erbaute Theatergebäude mit 2000 Sitzplätzen und einer aufwändigen Bühnentechnik wurde 1819 eröffnet. Trotz weiterer finanzieller Engpässe in den Jahren 1830 bis 1848 wurde das Theater bis 1871 fast durchgehend bespielt und feierte mit prachtvoll ausgestatteten Opernaufführungen viel beachtete Erfolge. Aufgrund der Unaufmerksamkeit eines Beleuchters brannte das Theater 1871 vollständig aus und konnte erst sieben Jahre später wiedereröffnet werden. Den Wiederaufbau leiteten die Wiener Theaterarchitekten Hermann Helmer und Ferdinand Fellner.

    Vom Hof- zum Landestheater

    1919 wandelte sich das Hoftheater zum Landestheater. Das ehemalige landgräfliche Opernhaus wurde zum Kleinen Haus. Der damalige Intendant Gustav Hartung (1920 bis 1924 und 1931 bis 1933) lehnte das bürgerliche Illusionstheater ab und machte das Darmstädter Theater mit Uraufführungen moderner Autoren und aufsehenerregenden Klassiker-Inszenierungen landesweit bekannt. Zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde  Intendant Hartung über Nacht zur Flucht gezwungen, und auch die 20-jährige Schauspielerin  Lilli Palmer, die später zu Weltruhm gelangte, musste das Haus wegen ihres jüdischen Glaubens verlassen und emigrierte nach Paris. Im September 1944 wurden beide Häuser des Theaters durch einen nächtlichen Bombenangriff zerstört. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde in der Orangerie zunächst eine provisorische Spielstätte geschaffen, in der das Theater fast drei Jahrzehnte bleiben sollte. Unter der Intendanz Gustav Rudolf Sellners (1951 bis 1961) konnte, insbesondere im Schauspiel, an die Glanzpunkte der Vorkriegszeit angeknüpft werden. 

    Neubeginn

    Die Umbenennung von Landes- in Staatstheater erfolgte 1972 als das Theater in das von Rolf Prange neu erbaute Haus am Georg-Büchner-Platz umzog, das heute drei Bühnen sowie alle Werkstätten und einen großen Teil der Kulissenmagazine unter einem Dach beherbergt. Im Zuge der umfangreichen Arbeiten zur technischen und baulichen Erneuerung des Gebäudes wurde bis zum Sommer 2006 die gesamte Bühnentechnik des Großen Hauses ersetzt und auf den neuesten Stand gebracht. Federführend bei der Sanierung und Erweiterung war der Architekt Prof. Arno Lederer. Maßnahmen zum Brandschutz und zur Verbesserung der Arbeitssicherheit machten einen weiteren großen Teil der Restaurierung der in die Jahre gekommenen Bausubstanz aus. Ein geringerer Anteil an den Kosten des Umbaus floss in die architektonische Umgestaltung, die ein neues Eingangsbauwerk, die Sanierung der Foyers und den Einbau der Kammerspiele in einen Teil der Tiefgarage umfasste. Die Kammerspiele mit Foyer, einer neuen Bar sowie die technischen Bereiche wurden als Bestandteil der Sanierung durch das Architekturbüro Lederer Ragnarsdottír Oei aus Stuttgart schon mehrfach mit Architekturpreisen ausgezeichnet und wurden 2006 für den Mies-van-der-Rohe-Preis vorgeschlagen.

     Eröffnungsvorstellungen am 6. und 7. Oktober 1972

    Großes Haus Ludwig van Beethoven, Fidelio  6. Oktober 1972
    Kleines Haus Gaston Salvatore, Büchners Tod  7. Oktober 1972

     Wiedereröffnung am 22. und 23. September 2006

    Großes Haus Leos Janáceks, Schicksal
    Hector Berlioz, Lélio oder die Rückkehr ins Leben
    22. September 2006 
    Kleines Haus Friedrich Schiller, Don Karlos 23. September 2006