Mei Hong Lin

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Die in Taiwan geborene Mei Hong Lin erhielt eine Ausbildung in klassischem chinesischem Tanz in ihrer Heimat und studierte anschließend an der Accademia Nazionale di Danza in Rom sowie an der Folkwanghochschule in Essen bei Pina Bausch. In ihrer choreografischen Arbeit bemüht sie sich um eine Synthese dieser stilistischen Wurzeln. Lin arbeitete als Tänzerin und Choreografin zunächst in Taiwan. Ihre Choreografien wurden unter anderem in Taipeh, Hongkong und in den USA gezeigt. 1991/1992 leitete sie das Ballett am Theater in Plauen, von 1997 bis 2002 war sie Ballettleiterin am Theater Dortmund. Daneben entstanden Tanzabende sowie zahlreiche Choreografien für Oper, Operette, Musical und Schauspiel für die Theater in Augsburg, Bielefeld, Innsbruck, Kaiserslautern, Linz, die Oper Leipzig, das Schauspiel Leipzig, die Staatsoperette Dresden, die Oper Toulon und die Oper Göteborg. Lins Choreografie für Isaac Albéniz´ Oper Merlin am Teatro Real Madrid (Regie John Dew) wurde von der BBC aufgezeichnet. Zu ihren Tanzabenden zählen die Choreografien Romeo und Julia, Cinderella (beide mit der Musik von Sergej Prokofjew) und Der Weg ist das Ziel mit dem Dortmunder Ballett. Im Musiktheater schuf sie unter anderem die Choreografien zur Uraufführung von Philip Glass´ La Belle et la Bête und Glucks Orfeo ed Euridice. Im Januar 2003 debütierte sie mit großem Erfolg auch als Regisseurin mit der Deutschen Erstaufführung von Andrew Lloyd Webbers Musical The Beautiful Game an der Staatsoperette Dresden. Es folgten Inszenierungen von Opern, Operetten und Musicals für das Volkstheater Rostock, die Oper Leipzig, das Staatstheater Schwerin und eine spektakuläre Aufführung von Jesus Christ Superstar beim Erfurter Domstufen-Festival.


Seit der Spielzeit 2004/2005 ist sie Direktorin des Tanztheaters am Staatstheater Darmstadt. Mit ihren Stücken Das Haus der Bernarda Alba, The Juliet Letters – Briefe an Julia, Last Minute sowie ihre tänzerische Interpretation von Shakespeares Macbeth erhielt sie überregionale Aufmerksamkeit. 2006 wurde sie vom Deutschen Bühnenverein als Choreografin des Jahres nominiert. Die Erfolgsoper Ainadamar von Osvaldo Golijov, die mit einem Grammy Award ausgezeichnet wurde, gelangte 2007 in Darmstadt in Mei Hong Lins spartenübergreifender Inszenierung zur europäischen Erstaufführung. Im Musiktheater folgten die Inszenierungen von Jesus Christ Superstar und Carmen. Unter ihrer Leitung wurde das Tanztheater des Staatstheaters Darmstadt als erste Tanzcompagnie außerdem eingeladen, die Tanztheatersaison am Forum Leverkusen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu eröffnen: 2007 mit VergissMeinNicht und 2008 mit Hôtel du Nord.


In der Spielzeit 2009/2010 hat sich die Tourneetätigkeit des Tanztheaters intensiviert. Im September 2009 wurde das Tanztheater mit Mei Hong Lins Tanztheaterversion von Carl Orffs Carmina Burana, einem weiteren spartenübergreifenden Projekt, in die französische Partnerregion Aquitaine zu einem mehrtägigen Gastspiel eingeladen. Des Weiteren erlebte Mei Hong Lins viel gepriesene Tanztheaterproduktion Schwanengesang am National Theater in Taipeh seine Asienpremiere, wo das Tanztheater im Rahmen des 2010 Taiwan International Festival für eine Aufführungsserie zu Gast war.


Ein Höhepunkt der Spielzeit 2010/2011 war Mei Hong Lins Tanzstück Die Brautschminkerin, in dem sie sich auf sehr persönliche Weise mit der Geschichte ihres Heimatlandes Taiwan auseinandersetzte. Mit dieser Produktion ist sie 2011 für den deutschen Theaterpreis FAUST in der Kategorie Choreografie nominiert worden.


In der Spielzeit 2011/2012 widmet sich Mei Hong Lin erneut dem wohl berühmtesten und tragischsten Liebespaar der Weltliteratur – Shakespeares Romeo und Julia (Premiere: 4. November 2011). Unterstützt in ihrer Suche nach dem Ausloten von inneren Gefühlswelten und äußerlichen Grenzen wird sie von dem Musiker Serge Weber, der eigens für die Darmstädter Uraufführung eine Auftragskomposition kreieren wird. Auch im Musiktheater wird Mei Hong Lin tätig sein: ab Januar 2012 wird ihre Inszenierung von Glucks Orpheus und Eurydike am Staatstheater Darmstadt zu sehen sein. Aufgrund des überwältigenden Erfolges von Blind Date, das in der letzten Spielzeit in den Kammerspielen zur Uraufführung kam, werden Variationen dieses ebenso rasanten wie bewegenden Tanztheaterabends über die Suche nach dem großen (Liebes)Glück ab November als Blind Date Variationen im Kleinen Haus neu zu erleben sein. Für die Spielzeit 2012/2013 ist das Tanztheaterensemble des Staatstheaters Darmstadt in das Teatro Comunale nach Bozen eingeladen worden.