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Es muss also ohne Mithilfe eines „schwarzen Menschen" (auf diesen Terminus haben sich die fünf nach heftigem Hin und Her schließlich geeinigt) gehen. Ein bisschen Unterhaltung (afrikanische Gesänge, leider nach der Melodie von Karnevalsschlagern) und aufrüttelnde Tatsachen (Diavortrag über die Lebensbedingungen in Guinea-Bissau) sollen schließlich am Ende des Abends in persönlich gehaltenen Spendenaufrufen gipfeln. Dumm bloß, dass jeder der fünf aus anderen Gründen engagiert ist. Während Eva und Frau Eckhard (Margit Schulte-Tigges trifft die Mischung aus Verbitterung und hysterischer Weltrettungsattitüde erschreckend wiedererkennbar) von ihrer Mission durchdrungen sind, will die halbprofessionelle Schauspielerin Christine (Gabriele Drechsel zeigt sie als ehrpusslige Provinzcharge) eigentlich nur ein Podium für ihr Talent. Leo (Stefan Schuster hemdsärmelig unbedarft) und Rainer wollen die gute Tat schlichtweg mit Spaß verbinden.
Das kann nicht gutgehen. Zwangsläufig wird die Probe zum Fiasko, und es zeigt sich, dass man als mitfühlender Gutmensch noch lange kein guter Mensch sein muss. Die fünf engagierten Mitbürger zerfleischen sich bis aufs Blut, überall lauern die Fallen Rassismus, Sexismus und Kolonialismus. Und selbst die jedes Wort auf die Goldwaage legende Eva lässt sich in ihrem Furor am Ende gar zu einem Nazi-Vergleich hinreißen, um sich dann, erschrocken über so viel in ihr verborgene Niedertracht, schier zu entleiben.
Ingrid Lausunds Satire Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner macht fröhlich und nachdenklich zugleich. Jens Poth lässt es in seiner Inszenierung in den Kammerspielen des Darmstädter Staatstheaters ordentlich krachen. Witzig und pointiert knattern die hochintelligenten Dialoge, und dem kleinen Ensemble gelingt es, die Charaktere zwar zu karikieren, die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten und Ansichten aber nicht zu denunzieren.
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Stefan Schuster ist stark als Leo, der sich auf gutes Entertainment und Spaß an der Benefiz-Show freut, Diana Wolf spielt die junge Eva mit dem ziemlich undefinierbaren Gefühl, für das Gute eintreten zu müssen – eine Parodie, die ihre Figur doch nicht denunziert. Das Essen, das sie ständig in sich hineinmampft, ist bestimmt aus dem Bioladen. Die ältliche Frau Eckhard (Margit Schulte-Tigges) hat für jede Situation eine Moralkeule im Satzrepertoire, fällt aber leicht auf Betroffenheitskitsch herein, ganz anders als die irgendwie prominente Christine, die bloß sauer wird, wenn einer anderen die Augen feucht werden, wo doch der Ablaufplan gerade ihre spontanen Tränen vorgesehen hat; der divenhafte Charme kommt bei Gabriele Drechsel sehr schön zum Vorschein.
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Die Sache ist erkennbar ein Jux, der schon mit dunklem Buschgetrommel beginnt. Und wenn die Spendenarbeiter dann ein angebliches afrikanisches Stammeslied singen und dazu tanzen, fühlen sie sich den Empfängern ihrer Spende besonders nah. Dass das Lied sich als Variation des Fastnachtsschlagers ,,Klingelingeling, hier kommt der Eiermann" herausstellt, ist weiter kein großer Schaden, wenn man Afrika so entschieden im Herzen trägt.Poth kitzelt den Witz aus diesen Szenen heraus. Benefiz in den Kammerspielen ist eine sehr unterhaltsame Komödie, die nach der Premiere am Donnerstag mit kräftigem Beifall aufgenommen wurde. Ihren Reiz bezieht die Inszenierung aber auch aus dem genau beobachteten Geflecht der Binnenbeziehungen innerhalb der Gruppe, der kleinen Reibereien und Eifersüchteleien, die unter anderem daraus erwachsen, dass einer den anderen im politisch korrekten Verhalten überbieten will und in jedem Wort versteckter Rassismus gewittert wird. So weltläufig sie tun, so unfrei sind sie doch gefangen in ihren selbstauferlegten Verhaltensmaßregeln.
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Fünf Privatleute treffen sich zur Probe für eine von ihnen initiierte Spendenveranstaltung zugunsten einer Schule in Guinea-Bissau. In einer eher losen als abgefeimten Szenenfolge lassen sich dabei vielerlei Töne und Aspekte vernehmen. Das Werben und Verkaufen, die Eitelkeit und der Selbstdarstellungsdrang, aber auch die ehrliche Überzeugung. Dazu kommt etwa die Hysterie, in rassistisches Gewässer zu geraten. Und während die Zuschauer noch darüber lachen, macht eine der Figuren schon einen rassistischen Witz. Und die Zuschauer lachen immer noch. Dazu kommt auch das Bedürfnis, selbst einmal so locker und spontan zu sein, wie sich die Deutschen das bei den Afrikanern vorstellen.
[...] Jens Poths Inszenierung gibt sich ganz selbstverständlich und muss auch nichts mehr draufsetzen. Vor allem Heinz Kloss als milde müder Geschäftsmann, Margit Schulte-Tigges als Altlinke mit christlichem Hintergrund und Gabriele Drechsel als ehrgeizige Lokalprominente sind dermaßen aus dem Leben gegriffen, dass unklar bleibt, was daran ulkig ist. Es ist aber sogar zum Schießen.