Pressestimmen Ganze Tage, ganze Nächte
Der Titel spielt an auf die Fülle des Lebens in seiner Ganzheit, das die jungen Menschen auskosten wollen. Und so scheinen bekenntnishaft Themen auf wie Liebe und Zärtlichkeit, Lebenshunger und Todessehnsucht, Eifersucht, Verzweiflung und Einsamkeit. Weil der Text zwischen Pickel-Bekenntnis und existenziellen Fragen so viele Gefühle rauschhaft aneinanderreiht, bleibt am Ende der Wörterflut kaum ein Satz hängen. Aber die Figuren bleiben im Gedächtnis, die der Jugendclub mit großem Mut zum starken Typ geformt hat.
So gelingt der Inszenierung, die der Theaterpädagoge Martin Meißner mit seinem jungen Ensemble erarbeitet hat, das eindringliche Porträt einer Generation, die keine Einheit bildet, sondern als Summe von Individuen erfahrbar wird. Zugleich aber erkennt man die Suche nach einem Weg, das Bedürfnis, sich im Leben sinnvoll einzurichten, Maßstäbe zu entwickeln, als gemeinsamen Antrieb der so unterschiedlichen Figuren. Auf dem Höhepunkt der Inszenierung bündelt sich diese Kraft zum kollektiven Wutausbruch, der gegen die Vereinnahmung durch alle noch so gutgemeinten Ziele aufbegehrt und sich gegen den Zwang zur Verantwortung wehrt. Nicht die Generation Gleichgültigkeit verschafft sich hier Luft, sondern die Abwehr gegen eine Moral, die ausgerechnet von jenen gefordert wird, die für den Zustand der Welt verantwortlich sind.
Nebenbei formt der kurzweilige Abend auch eine spannungsvolle Dramaturgie. [...]
Die jungen Darsteller bringen die schlaglichtartigen Situationen in ausdrucksstarker Differenzierung auf die Bühne. Man spürt, wie tief sie die Möglichkeiten des Theaters im Ausprobieren erfahren haben. Aber an diesem ansehnlichen Abend kann auch das Publikum Interesse finden, auch wenn nicht der Sohn oder die Nichte auf der Bühne stehen. Im Riesenbeifall nach der Premiere am Freitag machten sich sicher auch private Fanclubs bemerkbar. Die Eltern und Angehörigen haben ja auch allen Grund, stolz zu sein auf diese Truppe.
Mit Mut zur Wut. Backstage-Jugendclub zeigt Ganze Tage, ganze Nächte. Premiere: Der französische Autor Xavier Durringer erkundet in dem Stück die Befindlichkeit einer Generation - Darmstädter Echo, 12. April 2010 von Johannes Breckner

Sie verhalten sich angepasst oder aufmüpfig, ängstlich oder aggressiv – und das wirklich überzeugend: Die vierzehn Akteure des Jugendclubs backstage füllen ihre Rollen als Jugendliche mit den unterschiedlichsten Emotionen und bringen die ausgedrückten Gefühle dabei schauspielerisch auf den Punkt.
Keine runde Story, sondern nur Bruchstücke von Geschichten erzählt Xavier Durringers Stück »Ganze Tage, ganze Nächte«. In seiner Inszenierung in den Kammerspielen des Darmstädter Staatstheaters zeichnet Regisseur Martin Meißner Fragmente aus der alltäglichen Lebenswelt junger Leute mit feinfühligem Federstrich nach. [...]
Die Suche nach der eigenen Identität und dem Sinn des Lebens beschäftigt die Jugendlichen Tage und Nächte lang. Alltägliche Erfahrungen des Scheiterns und gegenseitige Verletzungen trüben ihre Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung. Am Ende stehen sie vor den Scherben ihrer auf dem Asphalt der harten Realität zerplatzten Illusionen.
So trostlos die skizzierten Szenen sind, so trist ist auch die Bühnenausstattung. Vier schmutzige Sofas und fünf Stühle bieten gleichermaßen Gelegenheiten zum Sitzen wie zum Ausleben der jugendlichen Zerstörungswut. Und während das Stück die Perspektivenlosigkeit thematisiert, gibt es unter den Nachwuchsschauspielern des Jugendensembles einige vielversprechende Talente, die hinsichtlich ihrer schauspielerischen Leistungen in jedem Fall gute Zukunftsaussichten haben. Sie ernteten bei der Premiere wohlverdienten Beifall.
Zwischen Wahn und Sinn. Theater: Jugendclub spielt Xavier Durringers Ganze Tage, ganze Nächte am Staatstheater Darmstadt – Main Echo, 12. April 2010 von Heike Otto