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Wie soll man es nennen, wenn eine Schauspielerin sich als Souffleuse unter das Publikum an der Bar mischt und diesen ihr beruflich-persönliches Leid klagt? Wohl eine doppelte Volte der Selbstreferenz. Nicht nur spiegelt in Anna sagt was die Schauspielerin ihr eigenes Metier und die dazugehörigen Befindlichkeiten, sie verwandelt gleichermaßen das reale, als Kulturkonsumenten auftretende Publikum in zufällige Barbesucher, die den Tiraden einer Redseligen ausgesetzt sind. Dieser Regietrick konterkariert von vornherein eine distanziert-ironische Rezeption, auch wenn der typische Zuschauerreflex eben diese Distanz immer wieder zu restaurieren versucht. Die Melange ergibt dann eine enge Verbindung zwischen Mimen und Zuschauer, der die übliche Trennung der Guckkastenbühne aufhebt. [...]
Sonja Mustoff präsentiert diesen einstündigen Monolog mit einem bissigen Galgenhumor und der latenten Boshaftigkeit eines Menschen, dessen Karriere irgendwann einen Knacks erleidet und der sich in einer subalternen Position wiederfindet. Sie spielt diese Anna nicht, sie ist sie tatsächlich, und wenn man neben ihr an der Bar sitzt und ihre Tiraden über das Leben als Souffleuse und die inkompetenten, arroganten Kollegen hört, möchte man ihr spontan die Hand auf den Arm legen und sie zur Mäßigung ermahnen. Wer von außen in diese Veranstaltung käme und nichts von den Barfestspielen wüsste, der würde sich wundern, wie eine solche Nervensäge die ganze Bar beherrschen kann, ohne dass jemand sie zur Ordnung ruft. Und dass ist wohl das beste Kompliment, das man einer Schauspielerin machen kann: sie wirkt wie im "echten Leben".
Das Publikum zeigte sich von dieser temperamentvollen Charakterstudie beeindruckt und geizte nicht mit Beifall.
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Der Text von Peter Schanz kehrt mit Anna das Innenleben des Theaters ein wenig schwatzhaft, aber sehr vergnüglich nach außen und zeigt die existenziellen Ängste angesichts eines gescheiterten Selbstentwurfes. Der junge Regisseur Boris C. Motzki macht deutlich, dass dies kein spezifisches Problem des Alters ist. Er [...] zeigt, dass im Zentrum der Zufriedenheit ein fester Platz und das Gefühl steht, gebraucht zu werden. Und Meckern ist ja trotzdem mal erlaubt.