Pressestimmen Maria Stuarda
Wer solch klare Fronten schätzt, darf sich an der Opulenz der Darstellung und ihrer bezwingenden musikalischen Vergegenwärtigung erfreuen. Katrin Gerstenberger leiht der Elisabeth einen leidenschaftlichen, bei Bedarf mit stahlhartem Schimmer überzogenen Mezzo, während Adréana Kraschewski die Maria mit ihrem lichtvollen, selbst in dunklen Momenten noch klar gefassten Sopran adelt. Kraschewski meistert auch die darstellerischen Herausforderungen der zwischen extremen Gefühlen gespannten Titelfigur exzellent. Oleksandr Prytolyuk verkörpert mit angemessen bösem Bass den Cecil, John In Eichen dem beherzten Bariton Talbot. [...] Unter der Leitung von Martin Lukas Meister garantiert das Staatsorchester Darmstadt eine eingängige Grundierung des Geschehens. Es lässt die Stimmung einer im vollen Saft stehenden Opernkultur wiedererstehen, reagiert in der Rahmung heikler Ensembles und der Begleitung der Soli zugleich hellwach und nuanciert.
Die Kraft der drei Kronen - Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. April 2010 von Benedikt Stegemann

Kapellmeister Meister schafft es, sein gut aufgelegtes Orchester schafft es, und gemeinsam gelingt ihnen noch viel mehr bei der Premiere. Im raschen Wechsel der Rezitative, Kavatinen und Ensemble-Gesänge müssen sie mal zum Tanz aufspielen, mal die Dramatik zum Klingen bringen und dann wieder den Sängern einen roten Teppich für ihre Bravour-Arien legen, dabei je nachdem duftig oder deftig klingen. [...] aber an keiner einzigen Stelle wird die spannende und mit Sinn für Psychologie inszenierte und musizierte Oper in ihrem Kern gefährdet. Denn es sind gottlob sehr starke Teile, die Meister zu einem Ganzen fügen darf. Da ist zunächst Donizettis Musik, die jenseits von Geschmeidigkeit dramatisches Potenzial und eine Menge die Handlung vorantreibende Effekte hat. [...] Adréana Kraschewski lässt in der Titelrolle nur eine Frage offen: Wie singt sie denn ohne Pollenflug? Ihre Arien sind ein Fest des lyrischen Gesangs und der gepflegten Koloratur. Selbst Spitzentöne scheint sie ansatzlos und ohne Hauch herbeizuzaubern. Das Treffen mit Elisabetta ist nicht nur Brennpunkt der Handlung, sondern auch musikalisches Gipfeltreffen. Die ebenbürtige Katrin Gerstenberger mag die Wucht dieser Partie nicht mit Forcierung unterstreichen. Vielmehr legt sie Hass und Liebe in ständig neuer Abmischung in ihre Stimme.
Dass Erik Fenton am Ende mit Bravos überschüttet wird, ist selbstverständlich. Er hat alles außer Marias Kopf gerettet und dabei aus ungünstiger Randlage gehörig Tenorschmelz eingeworfen. John In Eichen schwingt sich [...] als Maria-Anhänger Talbot gegen Ende zur männlichen Hauptfigur auf. Oleksandr Prytolyuk überzeugt als Bösewicht Cecil mit stechendem Blick und hellwachem Agieren. In jeder Hinsicht präsent ist auch der von André Weiss einstudierte Chor auf den Holz-Emporen des nachgebauten Globe Theatre.
Es sind die von Dirk Hofacker liebevoll gestalteten und farbig ausgeleuchteten Kulissen, die das rechte Umfeld für eine Geschichte bilden, die sich vor über 400 Jahren zugetragen hat. Mit dieser Idee begründet Alfonso Romero Mora eine in gutem Sinne altmodische Aufführung, an der man sich sattsehen kann. Bewusst manierierte Gestik aus dem Schauspiel von einst und die direkte Ansprache des Publikums tragen dazu bei, ebenso die prachtvollen Kostüme von Gabriela Salaverri. Beide Elisabeths dürfen sogar Tudor-Tracht auftragen; und wenn nicht alles täuscht, hat der Jubelsturm der Premierenbesucher auch mit der Sinnlichkeit dieser Inszenierung zu tun, die nur wenige Requisiten für einen Szenenwechsel braucht.
In die Eindimensionalität führt dieser Ansatz nicht. Mit der doppelten Elisabeth etwa will der Regisseur zeigen, dass hier nicht einfach eine eifer- und herrschsüchtige Frau über eine Leiche geht. In Darmstadt bekommt die Königin ein Gewissen und viele Motive.
Für einen kurzen Moment sieht es sogar so aus, als könne es zum direkten Kontakt zwischen (der alten) Elisabeth und ihrem Opfer Maria kommen, bevor sich die stolze Schottin entzieht. Die versuchte Annäherung ist aber auch das einzige, das an diesem Abend gar nicht gelingen will.
Zwei Königinnen und ein Retter - Darmstädter Echo, 26. April 2010 von Christian Knatz