Pressestimmen Bungee Jumping

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Im Staatstheater Darmstadt ist Regisseurin Romy Schmidt das Vergnügen an den kruden, in sich jedoch folgerichtigen Vorgängen deutlich anzumerken. Aber sie inszeniert in Mechthild Seidemanns kunterbuntem Märchenland keinen Klamauk und kein Grimassen- und Slapstickspektakel, sondern eine konzentrierte kleine Komödie über die Schlechtigkeit in uns. Matthias Kleinert als Osvald zeigt keinen Kauz, sondern glänzend humorlos einen pathologisch unausgeglichenen Durchschnittstyp. Verdutzt und dann zielorientiert wirken Anne Hoffmann und István Vincze als strebsames Verliererpärchen. Alles ist sehr sorgsam gemacht, ein feines Panoptikum menschlicher Konstellationen. Marsmännchen würden staunen über unsere Verhaltensweisen. Wir staunen nicht.

Fischleins Milliarden. Jaan Tättes wunderbare Mär von der Gier - Frankfurter Rundschau, 10. Mai 2010 von Judith von Sternburg

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Seine Hände hat Roland in zwei krumme Hasenohren verwandelt. Angestrengt drückt er sie an seinen Hinterkopf, geht in die Knie und hüpft über den weichen, grünen Boden, der unter seinen Sprüngen nachgibt. Neben ihm stolziert Laura.

Sichtlich bemüht streckt sie ihre schlanken Beine in die Höhe und formt ihre Arme zu einem langen Schnabel. Roland spielt ein Kaninchen und seine Freundin einen Storch. "Ihr seid wohl zu allem bereit?", fragt Osvald, mehr rhetorisch als neugierig. In dieser Szene verlieren Laura und Roland, das symphatische Pärchen, dessen Liebesglück bis vor wenigen Augenblicken noch die Kammerspiele des Staatstheaters Darmstadt erfüllt hatte, ihr Gesicht. Und das Publikum stellt sich die Frage: "Zu was wäre ich selbst bereit?" [...]
Die Premiere der Inszenierung von Romy Schmidt ist geglückt. Das Publikum lacht über die Witze des kauzigen Osvald, bei dem die Studenten Laura und Roland eines Nachts stranden, und fühlt sich gleichermaßen ertappt. Genau wie das junge Pärchen sieht sich das Theaterpublikum mit der Frage konfrontiert: Geld oder Liebe?
Die Darstellung dieses Konflikts gelingt den Schauspielern Anne Hoffmann und István Vincze gut. Das Bühnenbild von Mechthild Seidemann tut das Übrige. [...]
Die meiste Freude bereitet Matthias Kleinert in der Rolle des Osvald. Mit Leichtigkeit wechselt er zwischen dem eigensinnigen und aufbrausenden Einsiedler und dem sanften, romantischen Onkel, der Laura und Roland von dem Angebot, Geld gegen Liebe zu tauschen, überzeugen will – und dabei selbst noch an die wahre Liebe glaubt. Kleinert fügt sich perfekt in diese absurde Welt aus Gummiboden und Schilderwald. Wie an einem Bungee-Seil pendeln die Zuschauer zwischen Frohsinn und Entsetzen und fühlen sich vor allem gut unterhalten.

Unmoralisches Angebot im Wald - Offenbach Post, 08. Mai 2010 von Katharina Platt

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Bungee Jumping zeigt nun, wie sich ein Märchen als Thriller entpuppt, wie die Einsamkeit die Sehnsucht gebiert und die Unschuld sich in Gier verwandelt. [...] Im Theater beginnt das mit einem Pärchen wie Hänsel und Gretel und endet mit einem bewaffneten Pizzaboten (Maika Troscheit in einer Nebenrolle) im Trainingsanzug wie bei Quentin Tarantino. Und das auf einer Bühne, die so bunt-bizarr ist, dass sie auch einem Tim Burton als Spielwiese dienen könnte.
Romy Schmidt hat offenbar ein assoziatives Gespür für Tättes Tändelei mit der Groteske. Und sie hat vor allem Matthias Kleinert als Schauspieler, der sich kongenial auf diesen verschrobenen Witz versteht. Sein Osvald unterdrückt wohl einen enormen Triebstau, der ihm auf Gemüt und Gehirn zu schlagen scheint. Er ist auf schrullige Weise besessen von Laura und verliebt in seine Obsessionen, abstoßend und aberwitzig, bedrohlich und doch auch bemitleidenswert. So ist man als Zuschauer über neunzig Minuten mit ihm hin- und hergerissen im Schilderwald zwischen Zeichen und Wundern.

Bungee Jumping: Hänsel und Gretel im Schilderwald. Jaan Tättes Groteske in den Kammerspielen des Darmstädter Staatstheaters - Darmstädter Echo, 08. Mai 2010 von Stefan Benz 

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In den Kammerspielen setzt ein heiter-vergnügliches Spiel ein. Die komödiantisch angehauchte Parabel um Geld und Versuchung ist ein Kultstück. Die Inszenierung von Romy Schmidt trägt dazu bei, dass das noch gesteigert wird. So wird «Bungee Jumping» eine bunte Farce über die Macht des Mammons. [...]
Das Bühnenbild von Mechthild Seidemann entfaltet seine Wirkung. Pappkisten und coole Klamotten in märchenhafter Kulisse unterstützen das Pop-Theater Tättes wirkungsvoll. Fast wie auf einer Art Hüpfburg taumeln die Figuren durch den Wald und Osvalds Bude. Silbrig glänzende Verkehrsschilder sollen den Weg weisen, verwirren aber nur, mächtige, stilisierte Bäume flankieren die Szenerie. Voller Spielfreude verkörpert Anne Hoffmann ihre Laura als kokettes Girl, das weiß, was es will. István Vincze ist mal motzig-spröder, dann lustvoll-irritierter Roland, der zunächst ob des unmoralischen Angebots ins Wanken gerät. Eine fürs Theater dankbare Rolle ist die des aus der Zeit gefallenen Waldgenossen Osvald. Matthias Kleinert kostet sie grantelnd, Witze erzählend und Geschichten erfindend genüsslich aus. Maika Troscheit ist das von Osvald ersonnene goldene Fischlein, das letztlich hinter dem Geld steckt. Selten hat Gegenwartstheater so viel Spaß gemacht wie in diesen unterhaltsamen 80 Minuten.

Und plötzlich lockt der Reichtum. Das Staatstheater Darmstadt zeigt die Gesellschaftssatire «Bungee Jumping oder Die Geschichte vom Goldenen Fisch»: ein toller Spaß - Frankfurter Neue Presse, 19. Mai 2010 von Joachim Schreiner
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