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Glockentöne kündigen die ersten Regentropfen an. Schon schwillt die Musik an, schon schwanken die aufgescheuchten Tiere von einer Seite der Arche zur anderen. Künstliche Wellen erscheinen hinter dem Schiffsbug, der im Chorraum der Darmstädter Stadtkirche den Platz des Altars eingenommen hat. ,,O Heiland, Dein allmächtig Wort bezähmte Wind und Well'n sofort" stimmt das Publikum in die Wehklage der Schiffsbesatzung mit Anklängen an die Sturmstillung Jesu mit ein. So werden Altes und Neues Testament im Opernstoff verbunden, genauso wie Vergangenheit und Gegenwart in der Inszenierung von Bettina Geyer. So sitzen auch in der Musik vereint Akteure und Zuschauer im selben Boot bei der Darmstädter Premiere von Benjamin Brittens Kinder- und Kirchenoper ,,Noah und die Flut". [...] Bravorufe zollten der Aufführung im Rahmen der Darmstädter Pfingstmusiktage am Ende Tribut. Ein mitreißendes Spektakel hatten die rund 130 Mitwirkenden zuvor gezeigt [...] Eindrucksvoll hatte die Stimme Gottes (Malte Godglück) von der Orgel-Empore herab verkündet: ,,Die ganze Welt soll geh'n entzwei, nur Du, Dein Weib, der Kinder drei" samt Ehefrauen sollen gerettet werden, weil sie ihm stets treu gedient hatten. 200 Ellen lang, 50 Ellen breit und noch mal 50 Ellen hoch soll sie sein, die Arche, die Gott bei Noah (Andreas Daum) in Auftrag gibt. Begleitet von Paukenschlägen bekundet dieser seinen Gehorsam und macht sich gleich mit seinen Söhnen und dessen Frauen, sechs stimmsichere Jungsolisten, an die Arbeit. [...] Mitten im Publikum, im Mittelgang, flankiert von ihren Freundinnen, gibt Niina Keitel temperamentvoll die widerspenstige Ehefrau, die von ihren Söhnen in einer dramatischen Hauruck-Aktion doch noch in letzter Sekunde an Bord gezogen wird. Zuvor waren Tierpaare mit einem glockenklaren ,,Kyrie eleison" auf den Lippen auf das durch einen Bug aus Holz auf der Kirchenbühne angedeutete Schiff gezogen. Knapp 70 Kinder aus der Mädchen- und Jungenkantorei der von Christian Roß geleiteten Darmstädter Singschule wirkten hier gemeinsam mit dem Kinderchor des Staatstheaters Darmstadt mit, auf ihren Köpfen die von Corina Krisztian-Klenk und Ricarda Marose kunst- und liebevoll angefertigten Tiermasken.
Unter Leitung von Bartholomew Berzonsky spielten auf der Empore Mitglieder des Staatsorchesters Darmstadt gemeinsam mit Mitgliedern des Musikschulorchesters und Blockflötenensembles der Akademie für Tonkunst. So wie die Stimme Gottes das Geschehen in Reimen von Anfang bis Ende leitete, so schien eine unsichtbare Kraft die Fäden bei der Aufführung in der Hand zu halten und Mitwirkende wie Zuschauer zu vereinen. [...] Ein Regenbogen, der am Ende wie ein Rad über dem Schiffsbug aufgezogen wurde, krönte das Geschehen als Zeichen des neuen Bundes Gottes mit den Menschen. Während zunächst der Rabe (Katharina Hallett) am Ende im Walzertakt ins Ungewisse entschwand, kam die Taube (Friederike Hallett) auf den Schultern Gottes mit einem Ölzweig zurück und kündete von der Rettung, worauf die Tiere mit einem fröhlichen ,,Halleluja" antworteten. Die Sonne, die pünktlich zum Schluss durch die Kirchenfenster schien, unterstrich den begeisterten Applaus des Publikums.