Es ist, als besichtige eine Generation sich im Rückblick selbst. Man besorgt sich eine Zottelperücke, man holt die Lieder von damals noch einmal heraus, man sucht ein paar Requisiten zusammen, und fertig ist der nostalgische Jux. Die Polizisten tragen Pappnasen, ein Kunstrasenhügel nebst Wasserwanne reicht für einen ganzen Schwimmbadsommer (Bühne: Ariane Salzbrunn), und einer spielt den Hund, der von Herrn Lehmann aus Notwehr mit Whisky abgefüllt wird Lars Wellings macht das so elegant, dass Hunde neidisch werden müssten, wenn sie denn ins Theater gingen.
Als Autor der Theaterbearbeitung hakt Tilman Gersch die Stationen des Romans zuverlässig ab, als Regisseur knüpft er die kurzen Szenen geschickt aneinander. Weil er weiß, dass einem solchen Stoff auf dem Theater mit Naturalismus nicht beizukommen ist, wird alles drastisch überzeichnet, und die Schauspieler gestikulieren bisweilen so wild, als seien sie beim Stummfilm: ein neunzigminütiger Reigen schriller Figuren, die manchmal in einer lustigen Choreografie über die Bühne zockeln, als seien sie Blechmänner zum Aufziehen. In der Titelrolle legt sich Hanns Jörg Krumpholz mächtig ins Zeug, wofür er nach der Premiere am Sonntag auch ein paar Bravorufe entgegennahm: ein lässiger Thekenphilosoph und guter Kumpel, ein milder Rebell, der sich gegen das Erwachsenwerden sträubt und doch spürt, dass diese Form seines Daseins sehr endlich ist.
Herr Lehmann ist der Mittelpunkt eines Netzes von Beziehungen und Freundschaften. Lars Wellings und Jan Käfer sind seine abgerissenen Kumpel aus der Kneipenszene, Eva Bahlo die schöne Köchin Katrin, mit der es sich über die Relativität von Zeit ebenso plaudern lässt wie über die Kruste des Schweinebratens, Helga L. Schoon und Gottfried Herbe sind die korrekte Karikatur des Elternpaares