Mit großen Gesten erobert Volker Muthmann dieses Gärtchen, das schon lange keinen Gärtner mehr gesehen hat. Sein Taugenichts ist ein Brausekopf mit blitzendem Blick, der immer wieder die Zuschauer anspielt ... // Darmstädter Echo zu "Aus dem Leben eines Taugenichts"
… Die Aufführung im Darmstädter Intendanzgärtchen – versteckt im Bungalowtrakt des Staatstheaters – hätte wohl ein Picknick mit Eichendorff werden sollen. Zur Begrüßung gibt es Schaumwein, später klaubt der Taugenichts Erdbeeren aus dem Efeu, immer wieder singt er Lieder der Romantik. Dass am Freitag bei der Premiere nach einer halben Stunde fast aufs Stichwort „Italien" die himmlische Berieselungsanlage einsetzt, kann man nicht proben. „Was war zu machen", variiert Muthmann seinen Eichendorff: „Wieder umkehren, bloß weil's regnet?" Nein, da ist der schlaksige Rotschopf voll auf der Rolle, mitten im Spiel um den jungen Mann, der sich in eine vermeintliche Gräfin verliebt, die sich am Ende wundersam als Nichte des Schlossportiers entpuppt.
Nass, aber kein bisschen bedröppelt, bahnt sich der Schauspieler seinen pfiffig kurzen Weg durch die pralle Novelle. Und siehe da: Eichendorff ist wasserdicht, imprägniert mit Spielwitz. Mit großen Gesten erobert Volker Muthmann dieses Gärtchen, das schon lange keinen Gärtner mehr gesehen hat. Sein Taugenichts ist ein Brausekopf mit blitzendem Blick, der immer wieder die Zuschauer anspielt, die mit Decken im Trockenen unterm Vordach und im Konferenzraum sitzen – und immer wieder die Luft anhalten. Der Müllerssohn ist ein Bruder Leichtfuß, und Muthmann spielt ihn tollkühn, wie er immer wieder behände an den nassen Stämmen vier, fünf Meter hoch klettert und Eichendorff von obenherab deklamiert. Der Schauspieler agiert gegen die kühle Nässe an, was seiner Figur einen trotzigen Beharrungswillen verleiht.