Pressestimmen Bar

Packender Coup

Es ist die große Stärke der Inszenierung, dass sie die Zuschauer von Anfang an in eine scheinbar beliebige Momentaufnahme hineinzieht, ja geradezu von hinten packt und für gut eine Stunde umschlungen hält. // Darmstädter Echo zu "Bar"

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… „Bar“ heißt das Stück des italienischen Autors Spiro Scimone über zwei Möchtegern-Kleinganoven, die sich in der trügerischen Scheinwelt des Nachtlebens gefangen sehen. Die Premiere am Freitag in der Bar der Kammerspiele war gut besucht. Und wo, wenn nicht rund um die Bar hätte Regisseurin Romy Schmidt das Geschehen auch sonst ansiedeln sollen? Petru kehrt dort immer wieder ein, lässt sich von Barmann Nino einen Drink zubereiten und faselt von Gianni, der ihm einen Job beschaffen wolle.

Fortan lassen die Schauspieler das Publikum an ihren naiv-sehnsüchtigen Träumereien teilhaben, an ihren intensiven, nicht abreißen wollenden Gesprächen, die so oder ähnlich zu fortgeschrittener Stunde auch in der Kneipe um die Ecke geführt werden könnten. Es ist die große Stärke der Inszenierung, dass sie die Zuschauer von Anfang an in eine scheinbar beliebige Momentaufnahme hineinzieht, ja geradezu von hinten packt und für gut eine Stunde umschlungen hält.

Nino und Petru planen einen Coup. Den Coup ihres Lebens. Schummeleien beim Kartenspiel sollen ihnen Geld in die Taschen spülen, doch es ist von Anfang an klar, dass sie scheitern werden. Zu eindeutig haben die Schauspieler an dieser Stelle bereits ihre Charaktere gezeichnet. Gustl-Meyer Fürst verrät durch seinen leicht zaghaft-verstohlenen Unterton, seine huschenden Bewegungen und sein durch ein Käppchen verdecktes Gesicht, dass Petru ein Zeitgenosse ist, dessen Ganovenversuche nicht über einen kläglichen Versuch hinausgehen dürften.

Nino träumt davon, einmal seiner Bar entfliehen zu können, die ihn seit zwanzig Jahren gefangen hält. Einmal Aperitifs zubereiten, das ist sein Ziel. Harald Schneider drückt die mit einer Portion Einfältigkeit angereicherte Ängstlichkeit des italienischen Muttersöhnchens besonders durch seine ausdrucksstarke Mimik aus. Es zeigt aber auch, dass Coups so gar nicht sein Ding sind.

Vielmehr wird die Bar für Nino und Petru ihr Hamsterrad, ihre Sackgasse bleiben. Sie sind Träumer, die sich darin gefallen, Wege aus ihrem Dilemma zu finden, die es sich aber wiederum nicht eingestehen möchten dass sie gar nicht mehr die Kraft besitzen, ihrer elenden Situation zu entkommen. Die Inszenierung kippt die Stimmung allerdings niemals ins Ausweglose oder gar Bedrückende. Sie kostet es aus, die Schönheit einer heiter melancholischen Momentaufnahme zu zelebrieren.

Träumereien in der Sackgasse, Simon Colin, Darmstädter Echo, 21. April 2008

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… In Sizilien träumen der naiv-schlitzohrige Barmann Nino und Kleinganove Petru von einer bescheidenen Besserung ihres Lebens: Warten auf Godot in Messina, inszeniert in der Bar im Kammerspiel …

Bei Spiro Scimone ist Harald Schneider als Nino ein Muttersöhnchen („mammone“) über dreißig, das gern die Bar wechseln, feine Aperitifs mixen und Jacketts auftragen würde. Gustl Meyer-Fürst (Petru) verschleudert den Familienschmuck an einen lokalen Mafioso, der sie beide beim Kartenspiel betrügt. Schneider mit dem Strizzi-Bärtchen und Meyer-Fürst mit der Schieberkappe spielen die kalte Verzweiflung gewieft aus und denunzieren ihre Figuren zu Canzoni-Musik als Fliegenfänger. Hübscher Blick durchs Mikroskop in eine geschlossene Kleinwelt …

All die Träume kleiner Leute, Marcus Hladek, Frankfurter Neue Presse, 21. April 2008

 

 

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