Choreografie, Inszenierung | Mei Hong Lin
Bühnenbild | Thomas Gruber
Kostüme | Bettina Merz
Abgeschlossen von der Außenwelt müssen die Töchter der herrischen Bernarda Alba um den Tod des Vaters trauern. Jahre der Isolation stehen ihnen bevor, lediglich an der Aussteuer dürfen sie arbeiten für eine Hochzeit, die nie statt?nden wird, denn nur die älteste Schwester ist durch eine gute Erbschaft in der Lage, standesgemäß zu heiraten. All ihre Lebenskraft, all ihre Träume projizieren die Töchter auf diesen einzigen Bräutigam, der allabendlich vor dem Fenstergitter der Schwester erscheint.
Wie einen Gang über ein Minenfeld emp?ndet Mei Hong Lin die in Federico Garcia Lorcas Frauentragödie in spanischen Dörfern beschriebene Situation der im mütterlichen Haus eingesperrten, vor allem aber in gesellschaftlichen Zwängen gefangenen Frauen. Das permanente Schwelen einer unbehandelten Wunde, die gleichsam überwältigende Faszination des Unterdrückungsgefühls sowie die explosive Kraft durchweg unausgelebter Phantasien (denn über "die Männer" wird nur geredet) werden eingefangen in einer Spannung, die das drohende Gewitter als unausweichlich emp?nden lässt.
In Das Haus der Bernarda Alba wird getanzt zu live von einem Flamenco-Ensemble gespielter spanischer Originalmusik, wodurch die elementare Kraft des tänzerischen Ausdrucks sich aufs trefflichste verbindet mit einer Sprache, die den seelischen Urgrund des Geschehens unnachahmlich reflektiert und kommentiert.