Inszenierung | Hermann Schein
Bühne und Kostüme | Stefan Heyne
mit Andreas Manz (Advokat Helmer), Karin Klein (Nora), Harald Schneider (Doktor Rank), Gabriele Drechsel (Frau Linde), Uwe Zerwer (Rechtsanwalt Krogstadt)
Alles könnte ganz wunderbar sein. Oberflächlich betrachtet. Noras Mann Helmer ist befördert worden – damit gehören finanzielle Sorgen der Vergangenheit an. „Singlerche” nennt Helmer seine Nora liebevoll – wenigstens, solang sie seine Weisen pfeift, brav ist. Kleine Unartigkeiten, wie unerlaubtes Naschen, kann sie vertuschen. Doch ausgerechnet an Weihnachten, dem Fest der Liebe, droht eine größere Unartigkeit aufzufliegen. Nora wird erpresst, denn sie hatte einst, um ihren kranken Mann zu retten, Geld geliehen und dabei gutgläubig die Bürgschaftsunterschrift ihres sterbenden Vaters gefälscht. Doch Helmer misst Verhalten und Moral mit einer anderen Elle. Als er von Noras Tat hört, macht er ihr Vorwürfe, dabei folgte sie doch nur dem Diktat der Liebe. Die Erkenntnis, dass sie in einem goldenen Käfig saß, ist für Nora schmerzlich. Und auch die, dass das Singvögelchen gar nicht so laut pfeifen kann, wie es müsste, um all die Missklänge im trauten Heim zu übertönen … Die flügge Gewordene verlässt nicht nur ein Leben im Wohlstand, auch drei Kinder. Szenen einer Ehe? Auch. Aber noch viel mehr. Mit seiner schon zur Kultfigur avancierten Nora ging es Ibsen um „die Sache des Menschen”. Was tun, wenn das gewohnte Leben nicht mehr den eigenen Wertmaßstäben entspricht? Wie wichtig sind Geld und finanzielle Sicherheit? Wie buchstabiert sich Freiheit? Wie schreibt man Ideale? Ibsen zeigt in Nora einen kompromisslosen Befreiungsschlag. Und dass dieser nicht ohne Schmerzen möglich ist. Aber so muss er sich wohl anfühlen, der Weg zu sich selbst – auch wenn Ibsen nicht verrät, ob man jemals ankommt.