Inszenierung | Hermann Schein
Bühne und Kostüme | Stefan Heyne
Mit Diana Wolf (Nawal (Jugendliche)), Karin Klein (Nawal (Erwachsene)), Julia Glaswald (Jeanne), Mathias Lodd (Simon), Uwe Zerwer (Hermile), Nicole Lohfink (Sawda), Leander Lichti/Tilman Meyn (Nihad, Wahab), Andreas Manz (Antoine, Arzt, Abdessamad, Soldat, Hausmeister, Malak, Der Mann, Chamseddine)
Eines Tages beschloss Nawal Marwan nicht mehr zu sprechen. Zuletzt betreut von einem Pfleger starb sie mit nur einem Satz auf den Lippen: „Jetzt, da wir zusammen sind, geht es besser!“ Was war geschehen? Ihren Zwillingen Simon und Jeanne bleibt nur ein rätselhaftes Testament: Briefe, die sie ihrem Vater und ihrem Bruder übergeben sollen. Doch den Vater hielten beide für tot, und von einem Bruder haben sie niemals gehört. Die Suche nach den Verwandten führt die Geschwister in die Heimat ihrer Mutter – eine Odyssee in die verschlungenen Pfade eigener Herkunft – und schließlich zu den Ursprüngen des Leids, das Nawal die Sprache raubte. „Es gibt Wahrheiten“, hinterließ die Mutter ihren Kindern, „die man selber entdecken muss“. Wajdi Mouawad, geboren im Libanon, ist Schauspieler, Autor und Regisseur in Montréal. Sein Theaterstück, beeinflusst von den Bürgerkriegserlebnissen in seiner Heimat, zeigt, wie sich der Krieg blutig in die Lebensgeschichte der Menschen einschreibt, wie unabwendbar er zu Brudermord und Vertreibung, zu Rache und abermals zu Vergeltung führt. Mit einer bemerkenswert schönen, bildhaften Sprache erzählt Mouawad das ungeheuerliche Schicksal einer Frau als Bürgerkriegsopfer, die trotz quälender Erfahrungen an Liebe und Vergebung festhält. Eine Reise zwischen Kontinenten und Zeiten in die Tiefe der Seele, ein politisch-psychologischer Krimi zwischen Grausamkeit und Poesie.