
basierend auf den Geschichten von Sholem Alejchem | mit ausdrücklicher Genehmigung von Arnold Perl
Buch von Joseph Stein | Musik von Jerry Bock | Gesangstexte von Sheldon Harnick | Deutsch von Rolf Merz und Gerhard Hagen
Musikalische Leitung | Bartholomew Berzonsky
Inszenierung | John Dew
Choreografie | Anthoula Papadakis
Bühne | Heinz Balthes
Kostüme | José-Manuel Vázquez
Choreinstudierung | André Weiss
Monte Jaffe (Tewje), Katrin Gerstenberger | Monika Mayer (Golde), Anja Vincken (Zeitel), Margaret Rose Koenn (Hodel, Oma Zeitel), Susanne Serfling (Chava), Aki Hashimoto (Sprintze), Stephanie Theiß (Jente), Lucian Krasznec (Mottel Kamzoil), David Pichlmaier (Perchik), Sven Ehrke (Fedja), Stefan Steinbauer (Mendel), Gabriela Fliegel (Schandel), Malte Godglück (Lazar Wolf), Lawrence Jordan (Rabbi), Bernd Kaiser (Fruma Sarah), Christopher Ryan | Tom Schmidt (Motschach), Werner Volker Meyer (Awram), Radoslav Damianov (Nachum), Alin Codreanu-Ariesanu (Jussel), Georg Heckel (Wachtmeister), Isabel Aguilera (Fiedler auf dem Dach), Wiktor Czerniawski (Erster Mann), Barbara Haber (Erste Frau), Gundula Schulte (Zweite Frau), Florence Bonnefont (Dritte Frau), Lucia Hofmann | Franka Eiche | Olga Lavrentieva (Bielke)
Lee Bamford, Simone Deriu, Daniel Gillard, Peter de Grasse, Wout Geers, László Kocsis, Celedonio Indalecio Moreno Fuentes, Leonardo Rodrigues Santos (Tänzer)
In dem kleinen, hauptsächlich von Juden bewohnten Dorf Anatveka in der Ukraine haben sich die Bewohner auf ein Leben im Althergebrachten eingerichtet. Doch der Geist der Veränderung hält irgendwann auch im entlegensten Winkel Einzug, das muss der Milchmann Tewje am eigenen Leibe erfahren. Seine drei ältesten Töchter widersetzen sich den Verheiratungsabsichten der Eltern und erheben die Liebe als Leitprinzip für die Eheschließung, aber da die Sorge um das Glück seiner Kinder größer ist als das Beharren auf der Tradition, lässt der gutmütige Tewje die jungen Leute gewähren, wiewohl es im Falle von Chava, die sich mit einem „goi“ (einem Nichtjuden) einlässt, zumindest „offiziell“ zum Bruch zwischen Eltern und Kind kommt.
Mittlerweile hat es im Lande zu rumoren begonnen, und die Juden bekommen die Erstickung der revolutionären Umtriebe besonders hart zu spüren. Tewje und seine Familie müssen Anatevka in Richtung einer unsicheren Zukunft verlassen, doch in seinem unerschütterlichen Gottvertrauen fügt er sich auch in dieses schwere Schicksal.
Auf der Grundlage der in jiddischer Sprache verfassten Kurzgeschichtensammlung Tewje der Milkhiger von Sholem Alejchem und unter Würdigung des im bildnerischen Schaffen von Marc Chagall exponierten Motiv des Fiedlers auf dem Dach (das dem Stück seinen englischen Originaltitel gab) gestalteten die Autoren Mitte der 1960er Jahre ein Musical, welches das Leben in einer untergegangenen Welt, dem des osteuropäischen „Schtetl“, beschreibt und vor dem heiklen Thema der Judenverfolgung (hier in Gestalt der brutalen Pogrome in Russland am Vorabend der Februarrevolution von 1905) nicht zurückschreckt. Der Umstand, dass in diesen Rahmen eine Familiengeschichte eingebaut ist, die an jedem Ort der Welt spielen könnte und deren Konflikte auch heute noch unmittelbar nachvollziehbar sind, hat Anatevka trotz des tieftraurigen Grundtons eine seit der Uraufführung ungebrochene Beliebtheit beim Publikum gesichert.