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Verehrtes Konzertpublikum!

Sehr herzlich begrüße ich Sie zu einer Spielzeit, in der wir 300 Jahre Theater in Darmstadt feiern und die wir auch im Konzertwesen sehr stark unter den Aspekt des Gedenkens und Erinnerns stellen wollen. So feiern wir Robert Schumanns 200. Geburtstag im 6. Sinfoniekonzert nach, und gleich doppelt ist Gustav Mahler zu ehren, dessen Geburtstag sich 2010 zum 150. Male jährt und dessen 100. Todestages wir 2011 gedenken. Seine „Auferstehungssinfonie" steht daher im Mittelpunkt unserer Sinfoniekonzertreihe im Januar 2011. Für dieses machtvolle Werk haben wir einen zusätzlichen Aufführungstermin ansetzen können, so dass es insgesamt dreimal im Großen Haus des Staatstheaters erklingen wird. Gustav Mahlers wichtigste Wirkungsstätte war Wien, die „Stadt der Musik". Was geschah vor, während und nach Mahler in dieser Stadt? Diese Frage wollen wir beleuchten, wenn wir die Komponisten Mozart, Haydn, Schubert, Brahms und Berg mit zentralen Werken ins Blickfeld rücken. Und noch ein weiterer bedeutender, wenn auch ungleich weniger bekannter Name taucht in diesem Zusammenhang auf. Die Rede ist von Hans Rott, einem Mitstudenten Mahlers, den dieser gar als „den Begründer der neuen Sinfonie, wie ich sie verstehe" bezeichnete. Rotts einzige Sinfonie steht auf dem Programm im ersten Sinfoniekonzert, in welchem auch der Cellist Steven Isserlis mit Elgars Cellokonzert zu erleben sein wird. Wie Isserlis vergangene Spielzeit in der Kammermusikreihe zu Gast war, so ist Isabelle van Keulen nach ihrem Rezital im Frühjahr 2010 nun zu Gast als Solistin in Bergs Violinkonzert. Ich hoffe, es erweist sich für Sie als bereichernd, diese großen Künstlerpersönlichkeiten im Vergleich zweier ganz unterschiedlicher Konzertsituationen zu erleben. Und natürlich können Sie auch in der neuen Kammerkonzertreihe wieder hochkarätige Solisten und Formationen kennen lernen.
Nicht nur personell, auch inhaltlich war mir an einer Durchdringung der verschiedenen Konzertformen gelegen. So können Sie Werke von Robert Schumann und Hans Rott auch in den Konzerten der Reihe Soli fan tutti hören, und einem Komponisten (und Jubilar) wie Detlev Glanert können Sie sowohl im Sinfoniekonzert als auch in der neu aufgelegten Reihe in der Centralstation begegnen.
Diese steht künftig unter dem Motto der Begegnung von „alt" und „neu" und wird nun auch die Musik des 21. Jahrhunderts mit einbeziehen. Dass wir dem aktuellen Komponieren aufmerksam Beachtung schenken, zeigt sich auch in den Sinfoniekonzerten, wo wir Werke von Wolfgang Rihm und von dem jungen amerikanisch-norwegischen Komponisten Evan Gardner spielen werden. Letzterer ist in diesem Jahr zu Gast bei den Darmstädter Ferienkursen, so dass wir endlich einmal eine Brücke zu diesem wichtigen Musikereignis schlagen können. Besonders froh bin ich darüber, dass sich die Musiker von Soli fan tutti dazu entschlossen haben, das mit dem Darmstädter Musikpreis erhaltene Preisgeld für einen Kompositionswettbewerb zu verwenden. Junge Komponisten aus ganz Europa sollen zur Teilnahme ermutigt werden und Sie, liebes Publikum, können das Ergebnis des Wettbewerbs sogar mitbestimmen. Nutzen Sie diese einmalige Chance! Und noch eine Neuheit: Anstelle des bisherigen Kinderkonzert-Abonnements bieten wir künftig „musikalische Wundertüten" an, in die jeweils ein altersspezifisches Konzertprogramm mit Orchester sowie ein Kammerkonzert bzw. eine Opernvorstellung gepackt sind.
Den Aspekt des Gedenkens und Erinnerns möchte ich an dieser Stelle auch auf meine vielen Mitarbeiter beziehen, die oft ganz im Verborgenen dafür sorgen, dass Ihnen unvergessliche Konzerterlebnisse beschert werden. Stellvertretend seien Dirk Voigt und Magnus Bastian vom Orchesterbüro genannt, die oft viele Stunden am Telefon verbringen, um sicherzustellen, dass im Krankheitsfalle immer alle Pulte im Orchestergraben oder auf dem Podium besetzt sind. Ein Dank auch an Hie-Jeong Byun, die ebenfalls mit großem Arbeitsaufwand dafür sorgt, dass immer bestens eingerichtetes Notenmaterial auf diesen Pulten liegt.

Nun wünsche ich Ihnen, liebes Konzertpublikum, viele anregende und beflügelnde musikalische Momente des Wiedererkennens und Neuentdeckens in unseren Veranstaltungen, danke Ihnen für ihre oft jahrzehntelange Treue und grüße Sie auch im Namen des Staatsorchesters Darmstadt sehr herzlich.

Ihr
Constantin Trinks
Generalmusikdirektor