Die Brautschminkerin

Mei Hong Lin | Tanzstück frei nach Motiven der taiwanesischen Autorin Li Ang
Uraufführung

Inszenierung und Choreografie Mei Hong Lin | Bühne und Kostüme Dirk Hofacker | Musik Michael Erhard | Mitarbeit Komposition Li-Yu You, Yuan-Keng Yu | mit Wencke Kriemer de Matos (Mutter der Gegenwart), Andressa Miyazato (Mutter der Vergangenheit), Pavel Povrazník (Ehemann), Trung Pham Bao (Sohn), Peter de Grasse (Das Regime), Lee Bamford, Wout Geers, Anthony Kirk, Eszter Kozár, Celedonio Indalecio Moreno Fuentes, Francesca Poglie, Pavel Povrazník, Sabine Prokop, Maasa Sakano, Georgina Sanchez, Vicci Viles (in wechselnden Rollen)

Mei Hong Lin beschäftigt sich mit der Zeit in ihrer Heimat, die von Unterdrückung und Leid geprägt war – der Periode des sogenannten Weißen Terrors. Diese Epoche war gekennzeichnet durch politische Wirren und Repressionen und hat tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Eine kulturell spezifische Demut vor dem Leid, Scham und die Tabuisierung der Ereignisse sind Folgen, die ganze Generationen auf Jahrzehnte geformt haben.

Vor diesem historischen Hintergrund erzählt Mei Hong Lin von dem Schicksal einer Frau, die nach der Ermordung ihres Mannes ganz auf sich alleine gestellt ist. Nachdem ihr Mann noch in der gemeinsamen Hochzeitsnacht verschleppt wurde, entdeckt sie, dass sie schwanger ist. Als Angehörige bekommt sie die Wirkung der systematischen Verfolgung direkt zu spüren. Strenge Überwachung, Demütigung und ein überwältigendes Gefühl der Ohnmacht bestimmen ihren Alltag. Um für sich und ihren Sohn sorgen zu können, schminkt sie junge Bräute für deren Hochzeit. Sie sieht ihren Sohn heranwachsen und schöpft trotz des großen Leids und der Trauer um ihren Gatten daraus die Hoffnung, dass ihr Mann im einzigen Sohn weiterleben kann.

Sie führt ein Dasein in Erinnerung. Die maskengleiche Schminke, mit denen sie die Frauen für ihre Hochzeit zurechtmacht, ist dabei Sinn bild ihres eigenen Seins, in dem sie die eigentliche Wahrheit über ihren Sohn aus enttäuschter Mutterliebe stetig, wie hinter einer Maske, zu überdecken sucht. Als der Sohn plötzlich und für sie völlig unerwartet stirbt, wird sie damit konfrontiert, dass sie dem Andenken ihres Mannes zuliebe ihren Sohn und seine Wünsche zu Lebzeiten nicht respektiert hat. Sein Tod lässt die Masken fallen und die ungeschminkte Wahrheit zu Tage treten.

Mit Die Brautschminkerin wurde Mei Hong Lin 2011 für den deutschen Theaterpreis FAUST in der Kategorie Beste Choreografie nominiert.

Szenenbilder „Die Brautschminkerin”

Premiere 19. März 2011 | Kleines Haus

Dauer etwa 1 Stunde 45 Minuten (keine Pause)

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