Szenische Lesung anlässlich des 175. Todesjahres von Georg Büchner
Szenische Einrichtung Reinar Ortmann
mit Gabriele Drechsel, Karin Klein, Heinz Kloss, Harald Schneider, Tom Wild, Gerd K. Wölfle, Klaus Ziemann
Ein Revolutionär flieht nicht. Das hat Büchner einst gesagt. Geflohen ist er doch. Jetzt ist er krank und leidet in einem Züricher Krankenhaus unter dem tödlichen Faulfieber. Geplagt von Ängsten und Wahnvorstellungen durchlebt er in seinen Fieberphantasien, wie seine Mitstreiter in hessischen Gefängnissen festgehalten und gefoltert werden.
Ohne historische Wahrheit zu beanspruchen, entwickelt Büchners Tod ein eindringliches Szenario, in dem Büchner mit Ärzten und Freunden über Freiheit und Gleichheit, über das Elend der Vielen und den Reichtum der Wenigen diskutiert. Den Methoden der zeitgenössischen Medizin hilflos ausgeliefert, verzweifelt der Mediziner Büchner, der in Zürich über das Nervensystem der Barben promoviert, zwischen Aderlass und kalten Duschen am Misslingen des von ihm mit erprobten Aufstandes. Warum war dieses Aufbegehren einiger weniger zum Scheitern verurteilt? Es geht um Intrige und Verrat, um Hoffnungen und Enttäuschungen, um die Lust am Umsturz, um die Abrechnung aber auch um die Versöhnung mit dem Establishment.
Büchners Tod ist kein historisches Stück. Gaston Salvatore, selbst einer der Protagonisten der Achtundsechzigerbewegung, nutzt die historische Vorlage zur Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen und Einsichten, konfrontiert gesellschaftliche Widersprüche mit menschlichen Schwächen. Büchners Tod wird so zur Parabel über die Revolution an sich und über das Problem der Intellektuellen, den Sprung zwischen politischer Theorie und revolutionärer Praxis zu wagen und die Konsequenzen zu tragen.