
Inszenierung Michael Helle
Bühne und Kostüme Achim Römer
mit Uwe Zerwer (Der Banker), Diana Wolf (Die Geliebte des Bankers), Gerd K. Wöfle (Der Unternehmer), Matthias Kleinert (Der Professor), Pao Su Chiang (Ein Chinese), Hubert Schlemmer (Der Minister), Heinz Kloss (Der Bischof), Christina Kühnreich (Die NGO-Delegierte), Tom Wild (Der Hoteldirektor), Tobias Gondolf (Der Koch)
Geld regiert die Welt und die Welt des Geldes trifft sich in Davos – zum Wirtschaftsgipfel. Gerade sind die Verhandlungen abgeschlossen, ist plötzlich der Akku leer, die Netzwerkverbindung gekappt und das Mobilfunknetz zusammengebrochen. Die Teilnehmer sind eingeschneit und mit ihnen liegt ein Kapital von 812 Milliarden Euro auf Eis. Nun ist guter Rat wirklich teuer.
Man tauscht sich aus in diesen Stunden erst genervten, dann bangen Wartens. Über Hedgefonds, Headquarters, Handelsbeziehungen, über Steuersatz und Steuersünder-CD, über Boni, Leitzins und Investments. Wer ist der Agilste auf dem Markt, wer pokert am höchsten, wer am profitabelsten? Im absurden Wettstreit geraten die Eingeschneiten immer tiefer und tiefer in einen Strudel aus Ratschlägen, Rechtfertigungen und Selbstbezichtigungen. Es dauert nicht lange und der Wahnsinn bricht sich Bahn. Ekstatisch, aber zugleich betäubt, fiebert man der drohenden finanziellen Apokalypse entgegen. Und diesmal spannt sich kein Rettungsschirm – der Aufprall droht hart zu werden ...
Urs Widmer zeigt ein wahrhaftes Wirtschaftstheater. Mit Lust und Genuss demaskiert der Schweizer Autor seine marionettengleichen Protagonisten. Er lässt uns in das Panoptikum der Wirtschaftselite wie in ein Gruselkabinett schauen. Hintergründiger Humor und bissige Satire waren auch das Erfolgsrezept für Widmers bislang erfolgreichstes Theaterstück Top Dogs, das 1997 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde und seitdem einen festen Platz in den Spielplänen der deutschsprachigen Theaterszene hat. In Darmstadt kommt nun sein neuestes Werk zur Uraufführung, das zeigt: Das Ende vom Geld ist ein Tod an Gier. Denn Beträge und Betrüge trennt meist nur der Umlaut.