Das Gegenteil von gar nichts

Kurt Drawert | Schauspiel
Uraufführung

Beitrag unserer Reihe Deutsche Träume - Deutsche Albträume


Inszenierung, Bühne und Kostüme | Hermann Schein

Heinz Kloss (Harry), Aart Veder (Pit), Sonja Mustoff (Lehmann I),
Klaus Ziemann (Lehmann II)

Von Kurt Drawert, der gerade mit seinem Roman über das Ende der DDR Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte die Kritik begeistern konnte, liegt nun, im Jubiläumsjahr von Mauerfall und Wiedervereinigung, auch ein neues Theaterstück vor: Das Gegenteil von gar nichts. Wer den Autor kennt, wird in dem Titel eine Ironie entdecken, die der Komödie eher entspricht als dem Pathos einer moralischen Entrüstung. Dennoch stehen die gesellschaftlichen Verhältnisse eines Landes und einer Zeit auf dem Prüfstand, die sich im ebenso naiven wie schonungslosen Blick ihrer Protagonisten desavouieren. Harry und Pit, den kauzigen Helden aus Alles ist einfach, die kurz nach der Wende in einem verlassenen Raum gleichsam geschichtsverloren vor sich hin monologisierten, unfähig, die Freiheit, die sich ihnen in der Gegenwart bot, zu ergreifen, begegnen wir nun, fast zwanzig Jahre später, noch einmal. Wieder ist ihnen die Gewissheit genommen, in einem historischen Raum eine Rolle zu spielen, und wieder sind sie auf ihre nackte, bindungslose Existenz zurückgeworfen. Dann aber spielen sie die Möglichkeiten durch, die sie hätten haben können, wären da nicht die Umstände immer gegen sie gewesen. Dass ihr Spiel mit der Wirklichkeit zu einem ganz und gar „deutschen Spiel“ wird, dafür stehen die Szenen und Geschichten, die sie sich, auf der Suche „nach dem Gegenteil von gar nichts“, erfinden. Sie sind die Obdachlosen einer Moderne, denen kein Dach über dem Kopf fehlt, aber eine sinnvolle Beschreibung ihrer Anwesenheit. Harry: „Je ärmer die Schweine, um so größer ihre Schuld.“ – Pit: „Jetzt haben wir auch das verstanden.“

Szenenbilder „Das Gegenteil von gar nichts”

Premi ere 7. November 2009 | Kammerspiele