
Inszenierung | Martin Ratzinger
Bühne und Kostüme | Anna-Sophia Blersch
Harald Schneider (Herzl), Klaus Ziemann (Lobkowitz), Tom Wild (Hitler), Gabriele Drechsel (Gretchen), Diana Wolf (Frau Tod), Uwe Zerwer (Himmlischst)
Wien am Vorabend des Ersten Weltkriegs: In Frau Merschmeyers Männerheim leben Schlomo Herzl, seines Zeichens Buchhändler, sowie der Koch Lobkowitz einträchtig nebeneinander. Seit Jahren beschäftigen sich die beiden mit einem skurrilen Rollenspiel: Lobkowitz ist Gott, der Herr, erlässt Gebote und optimiert die Schöpfung. Sein unfolgsamer Knecht Schlomo dagegen wird gestraft. Plötzlich stört ein mittelloser, leicht verwirrter junger Mann aus Braunau die traute Zweisamkeit: Adolf Hitler. Von der Kunstakademie abgewiesen, wird der orientierungslose Provinzler schnell zum Ziehsohn der ihn fürsorglich ummutternden Juden. Sein Welt- und Menschenbild, seine Rhetorik und auch sein Bart entstehen unter Schlomo Herzls aufopferungsvoller Obhut …
Mit groteskem, doppelbödigem Witz, ohne moralisierend und anklagend zu werden, seziert Tabori die banalen, schrecklich-normalen Mechanismen, Gründe und Pathologien, die zu Weltkrieg und Holocaust führten: Wie kann aus der Normalität die Zerstörung entstehen? George Tabori (1914-2007), Dramatiker, Prosaschriftsteller und Regisseur, gehörte zu den bahnbrechenden Künstlerpersönlichkeiten des vorigen Jahrhunderts.