
Inszenierung, Bühne und Kostüme | Ricarda Beilharz
Monika Kroll (Véronique Houillé), Doreen Nixdorf (Annette Reille), Michael Günther (Michel Houillé), Lars Wellings (Alain Reille)
Der Gott des Gemetzels ist die wohl brillanteste Wort-Schlacht zwischen zwei Paaren seit Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf. Nur witziger. Insofern hält der Titel nicht, was er verspricht: weder geht es um blutige Auseinandersetzungen noch um Religion. Der halbwüchsige Sohn von Annette und Alain (sie Vermögensberaterin, er Anwalt) hat dem Sohn von Veronique und Michel (sie Schriftstellerin, er Haushaltwaren-Großhändler) zwei Zähne ausgeschlagen. Beide Elternpaare sind fest entschlossen, die Sache liberal und großzügig aus der Welt zu schaffen. Wie unter zivilisierten Menschen eben. Bei Kaffee und Kuchen beraten sie, wie man die aus dem Ruder gelaufenen Kinder zu einer politisch korrekten Versöhnung bewegt. Mit kleinen Giftigkeiten beginnt es. Wer war eigentlich schuld an der Schlägerei? Und hat nicht die Tatsache, dass Michel den Goldhamster kaltblütig ausgesetzt hat, viel verheerendere Folgen auf die Kinderseele als eine Prügelei unter Kumpels? Kleine Scharmützel zwischen den Ehepaaren wechseln mit innerehelichen Generalabrechnungen. Der Rum tut sein Übriges, um die Grenzen des zivilisierten menschlichen Miteinanders nach und nach aufzuheben.
Yasmina Reza ist eine der weltweit erfolgreichsten Dramatikerinnen der Gegenwart und eine Meisterin darin, die bürgerliche Fassade ihrer Figuren mit rasantem Wortwitz einzureißen.
Kooperation mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden