Einstudierung | Christina Comtesse
Wencke Kriemer de Matos (Ulrike Meinhof 1990), Eszter Kozár, Andressa Miyazato (Ulrike Meinhof), Celedonio Indalecio Moreno Fuentes (Klaus Rainer Röhl), Lee Bamford (Baader), Francesca Poglie (Ensslin), Lee Bamford, Peter de Grasse, Wout Geers, Alfonso Hierro Delgado, Anthony Kirk, Wencke Kriemer de Matos, Lászlo Kocsis, Celedonio Indalecio Moreno Fuentes, Trung Pham Bao, Francesca Poglie, Pavel Povrrazník, Sabine Prokop, Maasa Sakano, Georgina Sanchez, Vicci Viles (In wechselnden Rollen), Isabel Aguilera (Geigerin)
Das allgemeine Interesse an der Persönlichkeit Ulrike Meinhof ist auch Jahrzehnte nach ihrem Tod groß. Die zahlreichen Widersprüche ihres Lebensweges begrü̈ndeten ihren Mythos: christlich erzogene Bürgertochter, Intellektuelle, erfolgreiche Journalistin, Mutter und Herausgebergattin, schließlich kaltblütige Terroristin und Staatsfeindin Nummer Eins. Ihr Schicksal hinterfragte den Zustand einer deutschen Nachkriegsgesellschaft, in der die Wohlstandsmentalität des "Wir-sind-wieder-wer", der politische Stillstand, die Weigerung der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und die amerikanische Konsumorientierung schließlich eine ganze Studentengeneration auf die Straße trieb.
In drei Stationen porträtiert Johann Kresnik die Geschichte der deutschen Terroristin und zeichnet ihren Lebensweg, der sie vom gut-bürgerlichen Eheleben hin zum Terrorismus führte, nach. In einem Ausblick auf die Gegenwart sieht sich Ulrike Meinhof in die Fast-Food-Gesellschaft der wiedervereinigten Bundesrepublik in den 90er Jahren versetzt. "Der neue Faschismus ist der Konsumterror", so Kresnik über sein Stück.
Kein anderer Theatermacher hat sich so sehr dem politisch relevanten Theater zugewandt wie Johann Kresnik. Als er 1990 in Bremen endlich gegen alle Widerstände ein Stück über Ulrike Meinhof durchsetzen konnte – vorherige Versuche seinerseits waren mehrfach gescheitert – wurde es zu einem seiner größten Erfolge.
Aufführungsdauer etwa 1 Stunde und 45 Minuten | keine Pause