30.10. - 15.11.2020
Darmstadt, Frankfurt, Wiesbaden

Das Tanzfestival Rhein-Main wird fünf Jahre alt. Allerdings feiern wir dieses großartige Jubiläum unter erschwerten Bedingungen. Die COVID-19-Pandemie stellt besonders Tanz und seine Akteur*innen vor immense Herausforderungen und hat die Arbeitsrealität in diesem Bereich radikal verändert. Abstandsgebote, Hygieneregeln und Sicherheitskonzepte sind, um das Infektionsgeschehen einzudämmen, oberstes Gebot und tragen dazu bei, körperliche Bewegungen zu kontrollieren, in manchen Fällen sogar zu unterbinden. Körper in all ihren Facetten werden so zunehmend tabuisiert und an den Rand der gesellschaftlichen Wahrnehmung gerückt. Gerade deshalb möchten wir mit dem Tanzfestival Rhein-Main, unter Wahrung aller gebotenen Regeln, den Körper und seine Dynamiken wieder in den Blick nehmen. In Zeiten, in denen jeder Körper als möglicher Virenträger andere potentiell bedroht und zugleich in seiner Verletzlichkeit erfahrbar wird, erscheint es uns umso wichtiger, den Perspektiven von Choreograf*innen und Tänzer*innen, die sich schon immer intensiv mit unserem leiblichen Sein beschäftigen, Sichtbarkeit zu geben. Sie verstehen es, besser als alle anderen, Bilder und Erfahrungsräume für die fragilen Balancen zu finden, die wir aktuell als Individuum, als Kulturinstitution aber auch als Gesellschaft erleben. „Fragile Balancen – Fragile Balances“ werden sich deshalb auch als roter Faden durch das Veranstaltungsprogramm ziehen und das Motto für unsere Jubiläumsausgabe sein.

 


Spotlight
Doris Uhlich

„Wie funktioniert meine furchtlose Kunst in dieser furchtbaren Zeit?“ (Doris Uhlich)

Doris Uhlichs Weg zum Tanz war von Umwegen geprägt. Bei der Eignungsprüfung am Konservatorium wurde sie abgelehnt, da ihr Körper nicht dem in der Tanzwelt herrschenden Schlankheitsideal entsprach. Dennoch ließ sich die 1977 geborene Österreicherin nicht beirren. Sie studierte Tanzpädagogik und entwickelte ab 2006 eigene Choreografien, in denen sie gerade mit den Besonderheiten ihres Körpers arbeitete. Heute zählt Doris Uhlich zu den wichtigsten Choreograf*innen Österreichs und wird als Spotlight-Künstlerin im Zentrum des diesjährigen Tanzfestivals Rhein-Main stehen. Gleich drei Stücke, die in unterschiedlichen Phasen entstanden sind, bieten die Chance, das Schaffen dieser außergewöhnlichen Künstlerin kennenzulernen. Ihre preisgekrönten Arbeiten sind lustvolle Huldigungen des Fleisches. Sie geben vor allem Körpern einen Raum, die außerhalb der gängigen Normen und Schönheitsideale stehen. Diese verfügen über vielfältige Bewegungsenergien. Mal zärtlich-liebevoll, dann wieder strotzend vor Energie – Doris Uhlich und ihre Tänzer*innen feiern Verletzlichkeit und Kraft und laden ein, die Vorstellungen von Tanz, Körper und Nacktheit neu zu sortieren.

Link zur Festivalseite


Specials

Gespräche & Mehr

Egal ob vor oder nach der Vorstellung – die SPECIALS im Programm des Tanzfestivals Rhein-Main bieten den Rahmen, um Kenntnisse und Erfahrungen rund um die gezeigten Stücke und zum Thema „Tanz“ auf vielfältige Weise zu vertiefen und mit Künstler*innen und Festivalbesucher*innen in den Dialog zu treten.

Small Talks

Spontan, zufällig und locker – der Small Talk ist eine besondere Form der Konversation und seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie sehr selten geworden. Unter Berücksichtigung der aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln möchten wir dem Small Talk während des Tanzfestivals Rhein-Main wieder einen Rahmen geben. Wir laden Euch ein, mit einer oder mehreren Euch noch unbekannten Personen im Anschluss an ausgesuchte Vorstellungen an einem vorbereiteten Ort Platz zu nehmen und Euch über das Erlebte auszutauschen. Findet gemeinsam Worte für Tanz.

Künstler*innengespräche

Nach ausgewählten Vorstellungen geben Choreograf*innen und Tänzer*innen im Gespräch mit Kurator*innen und anderen Expert*innen einen vertiefenden Einblick in die Stücke und ihren Entstehungsprozess.

Dancing Ears Podcast

Auch in diesem Jahr gehört Tanz, trotz bestehender Einschränkungen überallhin: unter der Dusche, beim Frühstück, in der S-Bahn, im Auto auf dem Weg zur Arbeit. Unser Festivalpodcast bietet die ideale Gelegenheit, sich vorab auf das Tanzfestival Rhein-Main einzustimmen. Vier Choreograf*innen stellen sich und ihre jeweilige Produktion in den 20-minütigen Folgen vor. Außerdem sprechen die beiden Kurator*innen Bruno Heynderickx und Anna Wagner über ihre Visionen der diesjährigen Ausgabe.