DER NACKTE WAHNSINN

05.11.2015

Schöner und schlimmer kann Theater nicht sein! Die Truppe um den Regisseur Lloyd Dallas steht kurz vor der Premiere, aber die Inszenierung ist noch längst nicht da, wo sie sein sollte. Um die Boulevardkomödie, mit der das Ensemble in Kürze durch das Land touren soll, so leicht und beschwingt zeigen zu können, dass sie dem breiten Publikum gefällt, muss jeder Handgriff und jedes Timing perfekt sitzen. Aber die Darsteller verpassen ihre Auftritte und vergessen ihre Texte, Türen klemmen und Requisiten fehlen und zwischen allen bricht ein von Eifersucht, Geltungsdrang und schierer Unfähigkeit getriebener Kleinkrieg von epischer Größe aus, der sich für keine Gemeinheit zu niedrig ist. Was unter Zeitdruck geprobt wurde, droht kurz vor der Premiere im Chaos zu versinken. Nur mit Mühe erreicht das Ensemble das Finale des ersten Aktes. Und dabei bleibt es auch. Denn mehr als den ersten Akt von "Nothing on" bekommt der Zuschauer von "Der nackte Wahnsinn" nicht zu sehen. Dafür aber gleich dreimal. Dabei wird die Truppe immer desolater - galt es zunächst noch, den schönen Schein der Theaterwelt aufrecht zu halten, wird im letzten Teil - Monate nach der Premiere - mit allen Mitteln gegeneinander gekämpft. Schauspieler versuchen sich gegenseitig auszubooten, Inspizienten kämpfen gegen Assistenten, der Regisseur rauft sich die noch verbleibenden Haare und den Überblick haben allesamt schon längst verloren. "Der nackte Wahnsinn" ist eine der erfolgreichsten Farcen der 80er Jahre. Die raffinierte und turbulente Komödie ist eine augenzwinkernde Liebeserklärung an die Schlangengrube Theater, in der es hinreißend menschelt und die auf höchst vergnügliche Weise zeigt, dass der schöne Schein hinter den Kulissen längst nicht so glanzvoll ist, wie man denken könnte.Caroline Stolz, 1977 geboren in Bonn, war nach ihrem Studium zunächst als Gastassistentin und -regisseurin an Theatern in Bochum, Essen, Bielefeld, Magdeburg, Ulm und weiteren Städten tätig. Im Jahre 2007 erhielt sie beim Berliner Theatertreffen das Stipendium für das "Internationale Forum junger Talente" und bei den Hessischen Theatertagen Darmstadt den Sonderpreis für die beste Regie. Seit 2008 arbeitete sie als Hausregisseurin am Staatstheater Wiesbaden, wo sie auch die Spielstätte "Wartburg" leitete. Zudem unterrichtet sie seit 2012 als Dozentin für Rolle und Szene an der Schauspielschule Mainz. Seit der Spielzeit 2015/16 ist Caroline Stolz als leitende Regisseurin Mitglied der Künstlerischen Leitung am Theater Pforzheim.

Premiere am 21. November 2015 19.30 Uhr | Kleines Haus Karten kaufen
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