EXPERTINNEN DES REALEN LEBENS

05.05.2015

Dieses Kind | Probenbild

Die Theaterwerkstatt spielt DIESES KIND - Dramaturgin Christa Hohman im Gespräch mit Regisseurin Beata Anna Schmutz

Christa Hohmann: Liebe Anna, Ausgangspunkt deiner Arbeit mit der Theaterwerkstatt für Erwachsene ist diese Spielzeit Joël Pommerats Stück "Dieses Kind", das Eltern-Kind-Beziehungen in unterschiedlichen Lebens-altern und Milieus beleuchtet. Wie habt ihr mit diesem Text gearbeitet?

Beata Anna Schmutz: Das Stück beruht auf dem Prinzip der dokumentarischen Recherche. Pommerat sammelte das Material in einem sozialen Brennpunkt in Frankreich. Seine Vorgehensweise habe ich als Inspiration für mein Regiekonzept genutzt: Das Ensemble recherchierte hier nun in den eigenen Biographien und in Darmstadt. Wir schauen dabei wie durch ein Fernrohr in Wohnräume und Leben einzelner Familien und durchwandern Fragmente der Kindheitserinnerungen der 16 Spielerinnen und Spieler.

Die Theaterwerkstatt besteht aus zwölf Erwachsenen - zum größten Teil Mütter und Väter. Auch spielen vier ihrer Kinder mit. Alle sind sogenannte Laienspieler. Worin liegt für dich der besondere Reiz dieser Arbeit?

Die dokumentarische Weise des Stückes impliziert einen hohen Grad des Authentischen. Die Beteiligung der Darmstädter sowie ihrer Kinder verstärkt erheblich die Authentizität der Geschichten, die hier von Menschen wie dir und mir erzählt werden. Die Spielenden sind in gewissermaßen ExpertInnen des realen Lebens.

Eure Produktion wird in den Kammerspielen laufen - wir nutzen diese Spielstätte seit dieser Spielzeit als Raumbühne, d.h. mit wechselnden Raumlösungen. Wie werdet ihr den Raum bespielen?

Unser Bühnenbild bindet das Publikum mit ein und ist eher als eine Installation zu betrachten. Der Bühnenraum wird gezielt geöffnet und die Grenze zum Zuschauerraum aufgelöst. Viele Bühnen-elemente symbolisieren die Kindheit in verschiedenen Facetten. Durch die Verschiebung der Größen (es gibt einen riesigen, über 3 Meter hohen Teddybären) und Proportionen entsteht atmosphärisch ein skurriles Bild, in dem die schmerzhaften Momente der Kindheit sich mit dem Gefühl der Geborgenheit vermische

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