Indonesien nicht nur in Frankfurt

06.10.2015

Ghost Track | © Daan van Meer

Indonesien ist bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse Ehrengast. In diesem Zusammenhang wird ein bunt-exotisches Programm geboten. Doch auch ein Blick in die Nachbarstadt Darmstadt lohnt sich. Das Hessische Staatsballett weitet den thematischen Schwerpunkt der Buchmesse auf den Tanz aus und lädt hochkarätige Tanzschaffende aus dem indonesischen Raum ein.

Seit 29.09.15 probt der Indonesier RIANTO im Rahmen des Residenzprogramms des Hessischen Staatsballetts im Staatstheaters Darmstadt. Der 1981 in Banyumas geborene RIANTO wurde in traditionellem und klassischem javanischen Tanz ausgebildet und spezialisierte sich auf die Tanzform Lengger. In der Tanzwelt nimmt RIANTO heute eine einzigartige Position ein. Er kombiniert die Tradition des javanischen Tanzes mit anspruchsvollen zeitgenössischen Tanztechniken. Body without brain heißt das Projekt, an dem er nun arbeitet. Er erkundet hierin den menschlichen Körper, die Arbeitsweise neurologischer Bahnen und sucht nach den Grenzen der physiologischen und bewussten Kontrolle. Einen Zwischenstand dieser körperlichen Forschungsarbeit können Zuschauer beim WORK IN PROGRESS am 10.10.15 um 19.30 Uhr im Ballettsaal des Staatstheaters Darmstadt erleben. Der Indonesier RIANTO ist auch ein Protagonist im Gastspiel SOFTMACHINE: RIANTO & SURIJT NONGMEIKAPAM des Künstlers Choy Ka Fai (Singapur) (13. und 14. Oktober, 19.30 Uhr, Staatstheater Darmstadt, Kleines Haus). SOFTMACHINE ist eine Performance-Serie zur Untersuchung der Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes im asiatischen Raum. Am Staatstheater Darmstadt wird er zum einen im Gastspiel zwei Serien aus dem Performance-Zyklus zeigen (Rianto & Surijt Nongmeikapam), zum anderen wird er seine multimediale Installation SoftMachine im Foyer des Kleinen Hauses präsentieren (6. - 15. Oktober). Darmstadt wird damit nach Einladungen beim ImPulsTanz Festival (Wien), Tanz im August (Berlin), dem Züricher Theater Spektakel oder das Esplanade Theater in Singapur eine weitere Etappe auf der Erfolgstour von Choy Ka Fai.

Den Abschluss des Schwerpunkts Indonesien bildet am 5. November (19.30 Uhr, Staatstheater Darmstadt, Großes Haus) das Gastspiel GHOST TRACK der niederländischen Kompanie LeineRoebana. GHOST TRACK ist ein Abend der Begegnung zwischen Orient und Okzident. Andrea Leine und Harijono Roebana schaffen mit ihrer überwältigend ideenreichen Choreografie ein beispiellos neues west-östliches Gesamtkunstwerk ohne übliche Klischees zu bedienen. Die Tänzer- drei aus Indonesien, fünf aus Westeuropa - fordern sich heraus. Ihre Herkunft und Tradition verbindet sich nach und nach mit spielerischer Leichtigkeit zu neuen Formen. Es entsteht eine globale Begegnung, die dem Osten ebenso viel Ausgelassenheit zugesteht wie dem Westen Verinnerlichung. Verstärkt wird diese Aufhebung der Grenzen durch die Musik. Der indonesische Komponisten Iwan Gunawan, expressiv und live interpretiert von einem Gamelan-Ensemble, bewegt sich leichtfüßig zwischen Volkstümlichkeit und Minimal Music. Ein Abend, der besonders in Hinblick auf die Vergangenheit Indonesiens mit den Niederlanden als Kolonialmacht, eine interessante Begegnung darstellt.

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