vielfältig und aufregend: der Internationale Musiktheaterwettbewerb

30.06.2016

Abel Paúl

Carsten Henning

Marta Gentilucci

Patricia Martínez

Fünf KomponistInnen aus fünf Ländern schreiben für das Staatstheater Darmstadt fünf Musiktheater-Miniaturen! Sivan Cohen Elias (Israel), Abel Paúl (Spanien), Carsten Hennig (Deutschland), Patricia Martínez (Argentinien) und Marta Gentilucci (Italien) haben im Auftragdes Staatstheaters für und mit Ensemble und Staatsorchester gearbeitet. Entstanden sind fünf sinnliche, höchst unterschiedliche und aufregende Musiktheaterszenen, die zeigen: Das zeitgenössische Musiktheater ist vielseitiger und kreativer denn je!

Zum ersten Mal hat das Staatstheater Darmstadt einen Kompositionswettbewerb für Musiktheater ausgelobt. Eine international besetzte Jury hattedie KomponistInnen im September 2015 aus 150 Bewerbungen ausgewählt. Alle Kompositionen werden in einem Werkstattformat an einem Abend zur Uraufführung gebracht. Die Premiere findet statt im Rahmen der 48. Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt. Im Anschluss an die Premiere wird die Jury eine/nder KomponistInnen auswählen, ein abendfüllendes Musiktheaterstück zu schreiben. Im Rahmen der Premiere vergibt zudem das Darmstädter Publikum einen Publikumspreis.

Es ist eine spannende, aber auch herausfordernde Aufgabe, mit gleich fünf KomponistInnen zusammen zu arbeiten. Das Staatstheater hat den Gewinnern kein gemeinsames Thema, keinen Text und keine Besetzung vorgegeben, sondern ist das Wagnis eingegangen, Ideen und Vorschläge gemeinsam weiter zu entwickeln. Der Auftrag bestand allein darin, für das Staatstheater Darmstadt zu schreiben - und eben nicht für ein auf neue Musik spezialisiertes Ensemble, dessen Profil und Eigenschaften die KomponistInnen genau kennen. So stand vor dem eigentlichen Komponieren zunächst der Kennenlernprozess, und das nicht nur auf Seiten der KomponistInnen: Welche Bedürfnisse gibt es und welche Erfahrungen mit Musiktheater? Welche Besetzungen sind möglich und sinnvoll? Welche Tontechnik steht zur Verfügung? KönnenKompromisse, die gemacht werden müssen, auch zu neuen Impulsen werden und fruchtbar sein?

Die gewählten Themen spiegeln die unterschiedlichen Herangehensweisen der einzelnen Komponistinnen und Komponisten an das zeitgenössische Musiktheater wider: Sivan Cohen Elias erforscht das "Deep Net", ein anonymer, Google nicht zugänglicher Bereich des Internets. Sie setzt in ihrem Stück auf die Interaktion von Video und digitalem mit analogem Klang. Patricia Martínez arbeitet zusammen mit dem Librettisten Mariano Saba. Ihr Stück basiert auf der realen Geschichte eines Elternpaares, das ihr Kind nach dessen Tod einfrieren ließ, in derÜberzeugung, es in einer Zukunft wiederbeleben zu lassen, in der die Medizintechnik die Mittel dazu hat. Marta Gentilucci erforscht mit klanglichen Mitteln den weiblichen Körper, und Abel Paúl spürt auf minimalistische Weise und unter Verwendung von Stimmen, Instrumenten und allerlei Alltagsgegenständen der Grenze zwischen Realität und Fantasie nach. Carsten Hennig interessiert sich in seinem Stück "selbstversuch." ebenfalls für grenzgängerische Situationen - sowohl formal, indem er das Stück zwischen Konzert und Theater changieren lässt, als auch inhaltlich: Referenz sind u.a. Humboldts galvanische Experimente am eigenen Körper.

URAUFFÜHRUNG am 30. Juli 2016
Patricia Martínez
The frozen little girl
Kammeroper in XIX Bildern (Auszug), Libretto von Mariano Saba

Marta Gentilucci
(On) The Other Side of The Skin. Lullaby
für Soli, Chor, Orchester und Elektronik

Sivan Cohen Elias
.onion
Musiktheater für Sänger, Instrumentalensemble, Video und Elektronik

Abel Paúl
gyre and gimble
für Stimmen, Instrumentalensemble und Elektronik

Carsten Hennig
selbstversuch.
Musiktheater für einen Schauspieler, zwei Sänger und Orchester

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