Darmstädter Gespräche

Nach dem ereignisreichen und vielbeachteten "Großen Darmstädter Gespräch" geht das Staatstheater Anfang Dezember mit dem Darmstädter Gespräch in die nächste Runde. Die Kammerspiele des Staatstheaters werden zum Denkraum, denn das Darmstädter Gespräch zieht nun hier ein. Ab jetzt jeweils sonntags um 18.00 Uhr. In der Woche vor dem Darmstädter Gespräch werden rund um das Thema "Demokratie für alle - die deutsche Gesellschaft von unten" weitere Veranstaltungen in unterschiedlichen Formaten stattfinden.

Den Auftakt macht Anabel Möbius in DIES IST KEIN LIEBELIED am 28.11. um 20.00 Uhr in der BAR der Kammerspiele. Anne, die Protagonistin aus Karen Duves Roman schildert eindrücklich wie es sich anfühlt als Kind, Mädchen und Frau zu den Ausgestoßenen zu gehören. "Mit sieben Jahren schwor ich, niemals zu lieben. Mit achtzehn tat ich es trotzdem. Es war genauso schlimm, wie ich befürchtet hatte." Dies ist kein Liebeslied ist eine Coming-of-Age-Performance voller Gummibärchen und Kassettentapes, die überquillt von Frust und Missverständnissen.

Am 29.11. um 20.00 Uhr trifft der Chefredakteur des Darmstädter Echo Lars Hennemann auf die Vizepräsidentin der Evangelischen Hochschule Darmstadt Gisela Kubon-Gilke und den Geschäftsführer des Horizont e.V. Ulrich Freitag. Im ECHO-KAMMERGESPRÄCH werden sie über prekäre Verhältnisse in der Boomtown Darmstadt sprechen. Dabei steht die Frage im Raum, ob wir tatsächlich in einer gespaltenen, immer weiter auseinander fallenden Gesellschaft leben.

Kammergespräch © Stephan Junglas
kgi - Transformers
Darmstädter Gespräche © Michael Hudler

Dieses Thema nimmt auch die Performance TRANSFORMERS auf. Das Theaterkollektiv kgi hat verbündete Laien aus allen Bildungsschichten, Altersgruppen, Ländern und sozioökonomischen Hintergründen gefunden, die sich transformieren wollten und gefragt: Wem gehört die Zeit im Angesicht einer apokalyptischen Zukunft? Führt nicht die Behauptung, selbst in den prekärsten Lebenssituationen noch der eifrige, zuverlässige und ausdauernde "Schmied des eigenen Glücks" zu sein, zu einem Verschwinden der Gegenwart im Dienste einer nie eintreffenden besseren Zukunft? Dient Zeit nur zur Strukturierung "sinnvoller" Tätigkeiten, die einen Mehrwert abwerfen sollen, oder ist sie ein Raum der Möglichkeit, Wahl und Freiheit? Das Gastspiel von kgi ist am 01./02.12. um 20.00 Uhr in den Kammerspielen des Staatstheaters zu sehen.

In Kooperation mit der Galerie Nudel hat Sebastian Weissgerber in der Ausstellungsreihe PERSPEKTIVEN verschiedene KünstlerInnen eingeladen, sich mit den aktuellen Fragen der Zeit auseinanderzusetzen: Wer gehört zu uns? Und wer gehört zu den anderen? Wer sind die Guten und wer sind die Bösen? Begleitend zum Thema "Wer ist Wir" der aktuellen Spielzeit setzen sich vier KünstlerInnen in Performance, Installation, Video- und Audioarbeiten mit der Textur unserer Identität, mit Text und Textil und deren nicht nur etymologischen Gemeinsamkeiten auseinander.

Abschluss der diskursiven Woche bildet das DARMSTÄDTER GESPRÄCH, das jetzt jeweils sonntags um 18 Uhr in den Kammerspielen stattfindet. Insa Wilke diskutiert mit ihren Gästen die Frage "Demokratie für alle? Die deutsche Gesellschaft von unten". Denn Demokratie ist die Herrschaft des Volkes, heißt es so schön. Aber können auch alle an politischen Prozessen teilnehmen? Was ist mit denen, die unterhalb der Armutsgrenze leben? Und was heißt es eigentlich, heute in Deutschland arm zu sein? Das diskutiert Insa Wilke mit ihren Gästen: mit der Schriftstellerin Heike Geißler, die das viel beachtete Buch "Saisonarbeit" geschrieben hat, mit der Geschäftsführerin der Caritas in Frankfurt am Main, Gaby Hagmanns, sowie mit dem Armutsforscher und Kandidaten der vergangenen Bundespräsidentenwahlen Christoph Butterwegge. Gemeinsam gilt es zu klären: Was genau heißt es, auch lebenspraktisch, wenn man davon spricht, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich andauernd weiter öffnet. Und wie könnte man darauf als einzelne Bürgerin und einzelner Bürger reagieren?

DIES IST KEIN LIEBESLIED
28.11., 20 Uhr, BAR der Kammerspiele (Ihr Preis)

ECHO-KAMMERGESPRÄCH
mit Gisela Kubon-Gilke und Ulrich Freitag, moderiert von Lars Hennemann
29.11., 20 Uhr, Foyer Kammerspiele (5,50€)

kgi - TRANSFORMERS
01./02.12., 20 Uhr, Kammerspiele (10,50-19,00€)

PERSPEKTIVEN
Ausstellungseröffnung von "Galerie Nudel"
03.12., 16 Uhr, Foyer Kammerspiele (Eintritt frei)

DARMSTÄDTER GESPRÄCH
mit Heike Geißler, Gaby Hagmanns und Christoph Butterwegge, moderiert von Insa Wilke 03.12., 18 Uhr, Kammerspiele (14€)