Uraufführung der Produktion Körpertreffer der CocoonDance Company und dem Schauspiel

   

„Das schreckliche Gesicht, was ist das?“ In Goethes „Faust“ sagt Doktor Faust eben diesen Satz zum Erdgeist. Der Mann, der alles wissen und können will, scheitert an einem Gesicht. Der urgewaltige Erdgeist zeigt Faust damit seine Grenze auf. Das Gesicht eines anscheinend unbegrenzt mächtigen Wesens ist zu viel für diesen Forscher. Jedes andere Gesicht scheint er ertragen zu können. Wir alle können Gesichter aushalten. Oder?

   

Gilles Deleuze und Félix Guattari sprechen vom Gesicht als einer „Horrorgeschichte“ und nennen das Gesicht „[d]as Unmenschliche im Menschen […] von Anfang an [ist], es ist von Natur aus eine Großaufnahme“. Und führen weiter aus, dass wenn es den Menschen gibt, müsse er dem Gesicht entkommen, und umgekehrt liege die Zukunft des Gesichts nur in seiner Auflösung. Klingt kompliziert, aber wer schon mal ein gemorphtes Gesicht in einem Film z.B. in „Terminator“ gesehen hat, weiß, dass wir aufgelöste Gesichter schon kennen. Sie sind vielleicht die Gesichter des digitalen Zeitalters. Eines Zeitalters, das wir oft nicht verstehen und auf das wir größtenteils schauen wie Faust auf den Erdgeist. Mit Faszination, Schaudern und Unverständnis. Quasi jede Information über uns wird verfügbar, leicht nachzuverfolgen und veränderlich. Selbst das Gesicht, das wir (vor-)schnell als den Ausdruck von unserer Persönlichkeit sehen, verliert seine Eindeutigkeit dank Bildbearbeitungen. CocoonDance haben im Verlauf der vergangenen Spielzeit zusammen mit dem gesamten Ensemble des Schauspiels und Tänzer*innen ihrer Compagnie zu diesen Fragen recherchiert.

   

Im Rahmen der Doppelpass Förderung der Kulturstiftung des Bundes konnte so in einem langfristigen Austausch das fokussiert werden, was Gesicht und Körper an der Schwelle einer medialen Revolution bedeuten könnte. Wie Aufzeichnung und Repräsentation im digitalen Raum analoge Körper treffen hat dieser Recherche ihren Namen gegeben; und wird im Spiel mit der Wahrnehmung des Publikums zu einer Suche nach Körper, Gesicht und Kopf im Jahr 2019. (Max Löwenstein)


Körpertreffer