Das Leonid Yacobson Ballet und die Compañía Manuel Liñán zu Gast in Darmstadt

Im September lädt das Hessische Staatsballett zwei unterschiedliche Perspektiven auf Tradition, Heldentum und auch auf Männlichkeit ins Staatstheater Darmstadt. Bevor mit der Premiere von Tim Plegges Version des Ballettklassikers Der Nussknacker sich das Hessische Staatsballett selbst mit den Fragen nach Tradition und dem Umgang damit stellt, sind zunächst also zwei Produktionen zu erleben, die ihrerseits diesen Fragen nachgehen.


Der Nussknacker


Das Leonid Yacobson Ballet aus St. Petersburg war bereits 2016 mit einer Version des „Nussknackers“ in Darmstadt zu Gast, die sich an die klassische Fassung von Marius Petipa anlehnte. Nun ist mit Don Quixote erneut ein Ballett im Geiste Petipas zu erleben. Anlässlich seines 200. Geburtstags gab das russische Ensemble eine neue Version dieses Klassikers in Auftrag und so nahm sich John Kobborg, der international gefeierte Ballettstar, dieser vielschichtigen Vorlage an. Mit einem genauen Auge für historische Details stellte der Däne Kobborg 2017 die Geschichte des spanischen Landadeligen Don Quixote auf die Bühne, die nicht nur Liebhaber*innen des klassischen Balletts ebenso in die brütende Hitze Spaniens und zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle entführt.


Don Quixote


Der Spanier Manuel Liñán hinterfragt derweil aktiv die tänzerischen Traditionen seines Heimatlandes. Gemeinsam mit der von ihm geleiteten Kompanie, der Compañía Manuel Liñán, feiert er in VIVA! die Freiheit der Bewegung. Ausgehend vom traditionsreichen Flamenco, der stark auf der optischen Unterscheidung der Geschlechter basiert, unterwandern die sieben Tänzer*innen die Grenzen ihres (biologischen) Geschlechts, um Vorurteile, Rollenzuschreibungen und damit auch scheinbar ewig festgeschriebene Gesetze von innen heraus zu sprengen. Die sechs Tänzer-Tänzerinnen, wie Liñán sie bezeichnet, eignen sich das Weibliche im Flamenco an, ohne ihre Männlichkeit vollkommen zu verstecken, und schlagen so die Brücke zwischen den Geschlechtern ebenso wie zwischen Tradition und Subversion.


Viva!