Spielzeit 2014/2015

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Staatstheaters Darmstadt,

„Wanderer, es gibt keine Wege, also geh“– diese Worte entdeckte der große italienische Komponist Luigi Nono 1985 an einer Klostermauer in Toledo. Sie berührten ihn zutiefst. Seine Komposition gleichen Titels stellen wir als Prolog Claudio Monteverdis dreieinhalb Jahrhunderte älterer „Heimkehr des Odysseus“ voran. Mit diesem Theaterabend über das Gehen ins aufregend Ungewisse beginnt die gemeinsame Reise, die ich nun mit Ihnen, unseren Zuschauerinnen und Zuschauern, und mit den wunderbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Staatstheaters antreten darf.

„Darmstadt ist eine Notwendigkeit“, sagte Luigi Nono und meinte das Darmstadt, das er bei den Internationalen Ferienkursen in den 1950er Jahren kennen gelernt hatte: einen traditionsreichen Ort, an dem in wesentlichen Epochen durch Neugier, Offenheit und Streitbarkeit das Neue entstehen konnte. Auch heute wird in der Wissenschaftsstadt Darmstadt auf vielfältige Weise erforscht, wie wir morgen leben werden. Der Wissenschaft verwandt, kann auch das Theater die brennenden Fragen unserer Zukunft, das Eigene und das Fremde erkunden und verhandeln. Immer neu stellen die großen Kunstwerke die Urfragen des Politischen: Wer sind wir? Wie sieht die Welt durch die Augen der Anderen aus? Wie wollen wir leben?

Für Sie den Spielplan wie eine spannende, abwechslungsreiche Landschaft zu gestalten, war unser Ziel. Wie Dante und Vergil in der „Göttlichen Komödie“ können Sie in Reisen der Phantasie die Welt-Räume durchwandern: Von der Hölle der Gewalt in „Macbeth“, durch den Läuterungsberg in Mahlers Zehnter Sinfonie im Einstandskonzert des neuen Generalmusikdirektors Will Humburg, weiter durch jene Räume, die das neue „Hessische Staatsballett“ tanzend öffnen wird, bis zu den Sehnsuchtsorten des Glücks im „Paradies“ Liederabend. Am Ende vieler möglicher Wanderungen durch die Spielzeit können Sie auf Prometheus treffen, der den Göttern das Feuer raubte und es den Menschen in ihre Dunkelheit und Unwissenheit brachte.

Unseren Spielplan stellen wir Ihnen in diesem Buch mit Erzählanfängen zu den Werken, sowie mit historischen oder erdachten Gedanken ihrer Schöpfer vor. Wir hoffen, Sie kommen oft in Ihr Staatstheater, um zu erfahren, wie diese Geschichten weitergehen. Die spannendsten Dramen – wie das Aufstiegsspiel der „Lilien“ – entscheiden sich erst im allerletzten Augenblick. In den Bildern des Fotografen Roland Schmid zeigt sich Darmstadt unverwechselbar. Ihr Theater, DAS THEATER, will es auch sein.

Theater ist Begegnung und Dialog. Ich hoffe, wir begegnen Ihnen oft. Wir freuen uns sehr auf Sie!

Herzliche Grüße

Ihr Karsten Wiegand
Intendant