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von Soeren Voima nach Jack London

ca. 1 Stunde und 45 Minuten, keine Pause

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Über das Stück

Jack Londons Kurzroman "Ruf der Wildnis" wurde als "The Call of the Wild" 1903 veröffentlicht und begründet Londons Karriere als Abenteuerromancier. Die Geschichte vom Hund Buck, der aus besten Verhältnissen in Kalifornien nach Alaska entführt wird, um dort als Schlittenhund im Epizentrum des Goldrauschs zu arbeiten, elektrisiert bis heute die Leser. Eine Parabel auf den Überlebenskampf unter schlimmsten Bedingungen, die schließlich sogar eine Utopie zeichnet. Buck wird immer härter unter dem Druck der grausam-vernutzenden Verhältnisse und hört im tiefsten Tal der Tränen in sich eine Stimme, die zunehmend lauter wird. Dieser Ruf der Wildnis wird schließlich verkörpert von einem Timberwolf, der ihm, einsam in der Wildnis, ein anderes Leben vor Augen führt. Ein Leben jenseits der Zivilisation, die ihn geknechtet hat. Bucks letzter Herr stirbt und er "wird was er niemals war / Wird Wolf wird Raubtier wird ein Teil der Wildnis".

Jack London hat den Goldrausch 1897 am eigenen Leib erfahren. Über ein Jahr sucht London im hohen Norden nach dem schnellen Gold am Yukon. Er kehrt schließlich mit ein paar Gramm Goldstaub und Skorbut zurück aus dem Eis. Wohlstand findet er nicht am Grund einer Goldwaschschüssel. London macht stattdessen das, was einige in dieser Zeit tun. Er verdient sein Geld am Traum vom Gold. Indem er darüber schreibt, was der hohe Norden angeblich an Lehren zu bieten hat. Das hohe Lied vom autarken, stillen Mann, der in den rauen Verhältnissen der Wildnis Kraft und Einfachheit findet, durchzieht eine Vielzahl seiner Erzählungen und Romane. Das kommt bei Londons Leserschaft gut an. Die Sehnsucht einer zivilisierten Öffentlichkeit nach einer anderen, besseren Welt als der ihren war/ist scheinbar groß. Was Profitdenken und der aufkeimende Kapitalismus aus weiten Teilen der Bevölkerung macht, nämlich zu Tode erschöpfte, ausgebeutete Lohnsklaven, wird immer deutlicher im Amerika des anbrechenden20. Jahrhunderts. Und so träumen sich viele weg aus der Tristesse ihres Alltags. London hilft ihnen dabei.

"Ruf der Wildnis" ist hierfür ein extremes Beispiel. Denn was Jack London in diesem kurzen Roman macht, passiert nicht alle Tage. Er fühlt sich ein in das Denken und Empfinden eines Hundes und lässt die Leser teilhaben an etwas, was sie sonst niemals erleben könnten. Dafür erntet er schon kurz nach der Veröffentlichung neben der Anerkennung für seine literarischen Fähigkeiten auch harsche Kritik. Er wird als "nature faker" beschimpft, weil er einTier vermenschliche. Doch diese Kritik verfehlt wohl den Sehnsuchtspunkt dieses Verfahrens. Nicht 'true to life', aber wahrhaftig im Sinne seelischer Zustände, ist dieser Ruf der Wildnis wohl ein getreues Abbild dessen, was die Menschen in Londons Zeit bewegt. Der riesige kommerzielle Erfolg des Romans scheint das zu bestätigen.

Soeren Voima fasst nun diese Geschichte einer Entzivilisierung für das Staatstheater neu und gibtdem "Ruf der Wildnis" einen Untertitel: "Stimme des Kapitals". Seine Version der Geschichte macht in gebundener Sprache sichtbar, wieviel Gesellschaft in Bucks Schicksal steckt.

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Besetzung

Mitwirkende

Christoph Bornmüller, Gabriele Drechsel, Christian Klischat, Samuel Koch, Robert Lang, Oscar Olivo, Stefan Schuster, Katharina Susewind

Leitungsteam

Inszenierung
Christian Weise
Bühne und Kostüm
Jana Findeklee , Joki Tewes
Komposition und Live-Musik
Jens Dohle , Falk Effenberger
Dramaturgie
Maximilian Löwenstein
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