- Premiere
- KI Festival 2026
Informationen
„What we call the beginning is often the end … The end is where we start from.“ (T. S. Eliot)
ANFÄNGE ist ein spartenübergreifendes musikalisch-theatrales Triptychon von Ayla Pierrot Arendt, das sie mit einem Team aus europäisch-internationalen Künstler*innen für das KI-Festival am Staatstheater Darmstadt konzipiert und umgesetzt hat. Ayla Pierrot Arendts künstlerisches Werk umfasst Film, multimediale Installationen, interdisziplinäres Theater, Choreographie und die Arbeit mit Gesang und zeitgenössischer Komposition.
Ihr Werk ANFÄNGE erzählt von den Bedingungen und Bedeutungen eines Anfangs – als Verheißung, als Bruch und als Konsequenz.
In parabolischen Bildern entfaltet sich der Abend entlang von Kontrasten, in denen sich Konvention und technologische Innovation kreuzen und die Momente eines Umschlags markiert werden. Wann beginnt etwas Neues? Wer oder was beginnt? Der Mensch, die Maschine, die Gesellschaft? Hat die Zukunft bereits in der Vergangenheit begonnen und uns bleibt der Zugriff auf ihre Gestaltbarkeit grundsätzlich verwehrt? Wie greift KI in diese Prozesse ein, wo sie doch gleichzeitig selbst einen Moment des Umschlags repräsentiert?
Den ersten Ton des Abends setzt eine von der* Medienkünstler*in allapopp eigens für das Projekt entwickelte singende KI-Stimme.
Aus Tonaufnahmen des eigenen vokalen Materials, unzähligen, in präziser Programmierarbeit zerlegten Samples klassischer Arien, sowie einem eigens verfassten Libretto, entstand ein Vokalstück für die KI – das die Grenzen allapopps eigener stimmlicher Lage weit übersteigt.
In der bildgewaltigen Szenerie des Bühnenbildners Anton von Bredow und den skulpturalen Silhouetten der Kostümbildnerin Clara Rosina Straßer entfaltet sich der Abend, der zeitgenössischen Tanz mit klassischem Gesang und traditionelles Sprechtheater mit KI-generierten Videoprojektionen kombiniert.
Der KI-Künstler Roman Kuskowski stellt die visuelle Ebene der Bilder und Videos her, die über den Abend das Geschehen auf der Bühne begleiten, ergänzen und kommentieren.
Die Choreographin Paula Rosolen, die sich in dieser Arbeit an Platons Idee vom Kugelmenschen orientiert, hat mit zwei Tänzern eine Choreographie entwickelt, die die Verschmelzung von menschlichen und technischen Körpern erkundet und die Bewegungsqualitäten der Robotik in einen zeitgenössischen Paartanz übersetzt.
Den musikalischen Bogen über die 3 jeweils für sich stehenden Akte schlägt der georgische Komponist Nika Pasuri mit einer zeitgenössischen Komposition, die experimentelle Elemente, Klänge und Zitate aus unterschiedlichen musikalischen Traditionen verbindet und die Gedanken über beginnende Enden und endende Anfänge in der Sprache der Musik fortführt.
AKT 01: DIE ERSCHEINUNG
Die entkörperlichte Idee von Perfektion – eine unsterbliche, ewig singende KI-Stimme – artikuliert hier aus der Logik ihrer eigenen Systemarchitektur heraus den Gesang als Reaktion auf die Struktur, die sie hervorgebracht hat. Sie singt von Abschiedsschmerz und Kontrollverlust.
Als Antipode zu den Gewalt- und Machtstrukturen der Tech-Elite steht sie einem zwölfköpfigen Männerchor gegenüber, der Fortschritt als Vorrecht, Technologie als Religion und Skalierung als Moral propagiert.
In dem Raum, der sich zwischen KI-Klage und chorischem Fortschrittsmanifest auftut, öffnet sich – bedrohlich und verheißungsvoll zugleich – ein schwarzes Loch.
Akt 02: DAS OPFER
In einer verwüsteten Landschaft liegt ein Soldat. Scheinbar benommen, unmittelbar erblindet. Er steht metaphorisch für das Durchleben eines grundlegenden Wandels – für die Erfahrung eines einschneidenden, paradigmatischen Ereignisses, das sein Weltverständnis radikal erschüttert.
Zwischen Neugier und Angst gibt er sich der Passion hin, tastet sich voran, auf einem unsicheren Weg ins Ungewisse. Er lässt die Veränderung zu, löst sich von überholten Glaubenssätzen und bereitet Transformation und Erneuerung den Weg, ohne sie selbst noch erleben zu können. Schließlich verkörpert er das Prinzip der Zäsur selbst.
Der zweite Akt lässt archetypische Figuren – einen König, einen Priester, einen Arbeiterchor – wie Sinnbilder einer vergangenen Epoche an uns vorüberziehen, während der Gesang des Soldaten von einem »nicht enden wollenden Ende« kündet.
Auch im Libretto des zweiten Akts, geschrieben von Davit Khorbalazde und Sergey Fadeev, spielt eine körperlose Entität eine zentrale Rolle: “the creature", die aus dem Orchester heraus von Violine und Oboe vertont wird.
Akt 03: DIE VISION
Auf einem blühenden Weizenfeld am Ende der Welt steht einsam eine Vogelscheuche im Sonnenschein. In einer Landschaft ohne Vögel und ohne Menschen hat sie ihren Zweck verloren. Sie hält keine Antworten bereit – doch stellt sie viele Fragen. Ist Technologie unser Werkzeug, oder sind wir längst Teil ihres Mythos?
June Ellys Mach spielt die Rolle der „Scheuche" und hat nach gemeinsamer Entwicklung der Figur mit Dramaturgin Josephine Witt und Ayla Pierrot Arendt den Monolog selbst geschrieben. Dieser changiert zwischen Bedrohung und Verletzlichkeit, Galgenhumor und Selbstbehauptung. Im Zusammenspiel mit einer übergroßen KI-generierten Videoprojektion, die wie eine Werbetafel an einer Autobahn die Bühne überstrahlt, entwickelt sich der Abschluss des Abends.
ANFÄNGE kreist um eine unbequeme Erkenntnis: Vielleicht ist nicht das Ende das Problem – sondern die Art, wie wir beginnen.
Galerie
Termine
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Mai 2026
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10,00 € bis 55,00 €
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KI Festival 2026
Anfänge - KI Spartenübergreifend
10,00 € bis 55,00 €
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Besetzung
- Musikalische Leitung
- Konzept & Regie
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Ayla Pierrot Arendt
- Komposition
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Nikoloz Pasuri
- Choreografie
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Paula Rosolen
- Libretto Akt 01 / KI Komposition
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Allapopp
- Libretto Akt 02
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Sergey FadeevDavit Khorbaladze
- Bühne
- Lichtdesign
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Carsten Sander
- Kostüm
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Clara Rosina Straßer
- Video
- Dramaturgie
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Josephine Witt
- Hausdramaturgie
- Einstudierung Chor
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Guillaume Fauchère
- KI Assistenz
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Maximilian Steimel