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Theaterstück nach dem Drehbuch von Fatih Akin

Über das Stück

Eine glückliche Familie. Haus am Stadtrand. Laden in der Innenstadt. Eine Nagelbombe explodiert vor dem Steuerbüro von Nuri Sekerci, Katjas deutsch-kurdischem Ehemann. Er und ihr gemeinsamer Sohn Rocco sterben in den Flammen. Schnell vermutet Katja einen rechtsradikalen Hintergrund der Tat. Nach einiger Zeit geht bei der Polizei ein entscheidender Hinweis ein. Ein Neonazipaar steht im Verdacht. Doch der Eindeutigkeit der Indizien steht eine perfide Verteidigungsstrategie gegenüber. Und eine Justiz, welche die Richtung, aus der der Terror kommt, nicht orten mag. Als das Paar freigesprochen wird, kennt Katja scheinbar nur noch ein Gefühl: Rache.

Fatih Akin hat mit seinem Film den zehn Opfern der NSU-Mordserie ein Denkmal gesetzt. Unser Theaterabend möchte die Geschichte mit Blick auf all die politischen Geschehnisse seither im aktuellen Kontext betrachten.


3 Fragen an Friederike Heller

Der Kinofilm „Aus dem Nichts“, der als Vorlage für Deine/unsere Inszenierung dient, erzählt die Geschichte einer Mutter, die Rache nimmt. Es gibt darin eindeutige Parallelen zu den Anschlägen der rechtsextremen Terrorgruppe „National-sozialistischer Untergrund“ kurz NSU. Warum muss dieser Stoff auf die Bühne? 
Weil diese Fragen noch nicht nachhaltig geklärt und zu Ende gedacht sind. Wie man schrecklicherweise und sehr leicht an dem „NSU 2.0“, der sich in Hessen aktuell niederschlägt, erkennt. Ich halte diese Geschichte für absolut notwendig, um zur Aufklärung gesellschaftlicher Spannungen beitragen zu können. 

Im Zuge der Aufklärung der NSU-Verbrechen ging die Polizei lang und hartnäckig davon aus, die Täter kämen aus den Familien der Opfer und deren Umfeld; die Begründung dafür lag einfach nur in ihrer Herkunft. Fatih Akin sagte: „Dass die Opferangehörigen fast eine Dekade lang als Täter beschuldigt wurden und Verdächtige waren, ist Rassismus. Für mich ist das fast genauso schlimm wie die Ermordung.“ Hast du den Eindruck, die dramatischen Geschichten der Opfer und ihrer Familien sind inzwischen bekannt? Was war Dir selbst darüber bekannt?
Ich persönlich wusste wenig über die Geschichten der Opfer. Das mag mein persönliches Versäumnis sein, es könnte aber auch an der Berichterstattung liegen. Denn die hat – wohl aus sensationalistischen Gründen, wenn man positiv denkt eventuell auch aus Pietäts-Gründen, (obgleich das weniger wahrscheinlich ist) – eher von den Tätern berichtet. 

Wir kamen in Vorbereitungsgesprächen einmal darauf: Eigentlich müsste unsere Version des Stückes "Nicht aus dem Nichts" heißen, nach Chemnitz, in Zeiten des NSU 2.0 in Hessen etc. Was meint das? Kannst Du etwas zum Titel sagen? Gibt es Verschiedenheiten im filmischen Herangehen an diesen Kontext und die Geschichte gegenüber dem Theater?  
Ich verstehe den Titel „Aus dem Nichts“ aus der Subjektive der Hauptfigur im Film, für die das Verbrechen unangekündigt in ihren Alltag, in ihr Leben einbricht. Fürs Theater muss man allerdings viel mehr einblenden beziehungsweise neu herstellen. Denn es hat sich inzwischen schon einiges geändert: Rechte Netzwerke und Machenschaften wurden bekannt. Auch die Fehler, die von staatlicher Seite im Rahmen der Ermittlungen gemacht wurden. Die Rolle, die der Verfassungsschutz gespielt hat… ̶  all das führte mich zu dem Affekt, dem Impuls, dass man es heute eigentlich, wenn man aus einer breiteren Perspektive denkt und auf dem Theater darauf blickt: „Nicht aus dem Nichts“ nennen müsste. Denn die grausamen Taten scheinen einer systematischen Vernetzung geschuldet zu sein. Das sollte man auf der Bühne heute in einem noch breiteren Kontext betrachten als Fatih Akin in seinem Film.
Eine Fragestellung war für mich, wie die Geschichte einer Selbstjustiz auf der Bühne erzählt werden kann und wie man sich dem Gegenüber positioniert. Weil das Theater nicht über die Mittel der Subjektive und der entsprechenden Sogkraft verfügt. Zwar ist das Handeln von Katja, die ihr einziges Kind und ihren Ehemann verloren hat, menschlich verständlich und nachvollziehbar, aber rechtsstaatlich betrachtet, ist aber ein unmöglicher Move der Hauptfigur.
Zudem haben wir heute eine andere Situation, als sie im Film geschildert ist, im Kopf: Es gab eben keinen Freispruch für die Haupttäterin [Beate Zschäpe]. Gleichzeitig gab es eine große Milde für die Mitschuldigen, Beteiligten. Die Geschichte einer Selbstjustiz erzählt sich im Film anders. 

Zudem wissen wir heute viel mehr, weil der Prozess, anders als beim Filmdreh, abgeschlossen und gut dokumentiert ist. 
Die Protokolle des NSU-Prozess, die vor allem die Journalistin Annette Ramelsberger für die Öffentlichkeit protokolliert und zugänglich gemacht hat, bilden für uns eine wichtige Grundlage der Auseinandersetzung mit dem Thema. 

Termine & Tickets

Mai 2020

  • Kleines Haus
    Premiere

    Aus dem Nichts

    Theaterstück nach dem Drehbuch von Fatih Akin

    9,50 € bis 41,00 €

Juni 2020

  • Kleines Haus

    Aus dem Nichts

    Theaterstück nach dem Drehbuch von Fatih Akin

    8,50 € bis 37,50 €

  • Kleines Haus

    Aus dem Nichts

    Theaterstück nach dem Drehbuch von Fatih Akin

    9,50 € bis 41,00 €

  • Kleines Haus

    Aus dem Nichts

    Theaterstück nach dem Drehbuch von Fatih Akin

    9,50 € bis 41,00 €

  • Kleines Haus

    Aus dem Nichts

    Theaterstück nach dem Drehbuch von Fatih Akin

    9,50 € bis 41,00 €

Juli 2020

  • Kleines Haus

    Aus dem Nichts

    Theaterstück nach dem Drehbuch von Fatih Akin

    8,50 € bis 37,50 €

Besetzung

Leitungsteam


Regie
Bühne und Kostüm
Dramaturgie