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Eine Digital Lecture Performance von und mit Marina Miller und Arne Vogelgesang

Über das Stück

Die Arbeit von Arne Vogelgesang und Marina Miller Dessau ist recherchebasiert. Unter dem Label internil entwickeln sie gemeinsam mit Kolleg*innen intermediale Theater- und Performancekollagen. Sie benutzen dafür seit Jahren fast ausschließlich Material aus dem Internet, das sie mit digitalen Mitteln aufbereiten und anreichern. Auf der Bühne verwenden sie oft Live-Reenactments: Sie spielen Video- und Tondokumente aus dem Internet nach und bringen sie in neue Zusammenhänge. In „Protect me from what I want“ fragen sie nach Ahnungen einer Zukunft im Zeitalter der Digitalisierung und untersuchen dabei extreme Formen einer Zeit, die gerade Gestalt annimmt. Was „wir“ in Zukunft sein könnte, wie dieses „wir“ Wahrheit verhandelt oder bestimmt und ob „wir“ noch körperlich anwesend sein müssen, wenn unsere digitalen Geister bereits die Arbeit übernommen haben werden – diesen und weiteren Fragen widmet sich das spielerische Vortragsformat und lüftet damit vielleicht momentweise den Vorhang vor einer heraufdämmernden Welt.

Drei Fragen an das Team

Liebe Marina, lieber Arne, unter dem Arbeitstitel „Protect me from what I want“ ist in unserem Spielzeitheft eine Digital Lecture-Performance von Euch angekündigt. Was kann sich das Publikum in Darmstadt unter so einer Bezeichnung vorstellen? Oder anders gefragt, wie arbeitet Ihr?
Marina: Jeden Tag wird das gesamte Internet – über 5 Milliarden Webseiten  - acht Mal um die Welt bewegt. Wir surfen mit. Das Meer ist natürlich zu bodenlos, um sich an allem, was da so schwimmt zu besudeln oder zu berauschen. Also recherchieren und arrangieren wir ausgesuchte Funde.
Arne: Was dann dabei herauskommt, ist kein klassisches Theaterstück mehr, sondern eher eine Art Reisebericht mit Bildern und Videos. Ein Versuch, unsere Eindrücke zu teilen, zu sortieren und uns in ihnen wiederzufinden. Aber auch wenn wir dabei digitale Medien benutzen: Wir tun das trotzdem ganz altmodisch gemeinsam mit dem Publikum vor Ort.

In Eurer Konzeptionsskizze sprecht Ihr von „Posthumanen Geisterbahnen“ in denen Themen wie „Infokrieg“, „Datenblase“, „Cyberkrieg“ und „Transhumanismus“ behandelt werden sollen. Das klingt kriegerisch und erschreckend. Was hat es damit auf sich? Bedeuten diese Themen vielleicht auch insbesondere etwas für die Digitalstadt Darmstadt?
Marina: So ein Surfen durchs digitale Archiv der Menschheit ist schon ein bisschen wie eine Geisterbahnfahrt, findet Ihr nicht? Die apokalyptischen Prediger im endlosen Wust privater Vlogs, Blogs, Sozialmedien und Kommentarspalten, die um Seriosität und Überleben kämpfenden Nachrichtengiganten, die neuen Geheimsprachen, das Überwinder alles Menschlichen oder die Maskentänze der dunklen Aufklärung… und wenn’s genug gegruselt hat, man auf das Licht am Ende des Tunnels hofft, aber nur den Escape-Knopf findet und feststellt, wie viele personenbezogene Daten einem auf der Tour heimlich abgesaugt wurden, wenn der Bildschirm wieder schwarz ist und nur mehr die Gespenster des gerade Erlebten nachflackern – das ist dann das echte posthumane Geisterbahngefühl: kein bunter Jahrmarkt mehr, sondern nur das ratlose Tuckern des Zugs der Zeit, den du aus dir herausfahren hörst.
Arne: Die Digitale Revolution ändert doch mehr oder weniger merklich alles: Von der Art, wie wir Kriege führen (lassen) bis dahin, wer „wir“ zu sein und was wir zu wünschen glauben. Wenn Darmstadt wirklich eine „Digitalstadt“ ist, dann sollte das verdammt viel für sie bedeuten. Und spätestens, wenn wir uns als Hologramme miteinander versammeln können – als unsere eigenen Geister –, bedeutet es auch etwas für das Theater.

Unser Spielzeitmotto lautet „Abschied von den Helden“. Was bedeutet für Euch Heldentum im 21. Jahrhundert und wie positioniert Ihr Euch zu so einem Begriff/Konzept „Held“?
Andrea: Unglücklich das Land, das keine Helden hat!
Galilei: Nein. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat. 


 

Termine & Tickets

Mai 2020

  • Kammerspiele
    Premiere

    Protect me from what I want

    Eine Digital Lecture Performance von und mit Marina Miller und Arne Vogelgesang
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Besetzung

Mitwirkende


Von und mit
Marina Miller-Dessau
Arne Vogelgesang

Leitungsteam


Dramaturgie