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von Anne Lepper

Über das Stück

Ein Heim in den Bergen. Dort hat Dr. Bärfuss akribische Regeln für eine »Kur« aufgestellt, mit deren Hilfe dicke Kinder abspecken und vielleicht wieder zu richtigen Menschen werden sollen. Doch Bärfuss ist nicht da. Alle Hoffnungen richten sich auf seine Ankunft. Denn wenn der Doktor den Erfolg bescheinigt, soll das eine Heimkehr ermöglichen. Durchhaltewillen ist gefragt. Mit rührender Eisernheit wiederholen die Insassen Mantra artig Lehrsätze, ermahnen und überwachen einander. Als Leitbild dient der wunderbar schlanke Sebastian. Neuankömmling Leo fällt es schwer, sich in die Absurdität einzufinden. Ihm macht auch zu schaffen, dass daheim der dünne Cousin Seymour seinen Platz eingenommen hat. Leo fragt sich, ob Seymour gehen wird, wenn er selbst geläutert und verdünnt heimkehrt.
In dieser schrägen Parabel wachsen fette Kinder, mit denen wir vordergründig nichts gemein haben, zu prototypischen Leidensgestalten modernen Seins aus. Malträtiert von obskuren Handlungsanweisungen und Heilsversprechen, bleiben sie auf einem Weg, von dem sie ahnen, dass er nie im Leben zum Ziel oder zu Freude führen kann. Doch das Schicksal dieser „Aussortierten" führt auch vor, welches Glück im Einfachsten liegt, in Dingen, von denen diese Kinder scheinbar abgeschnitten sind.

Drei Fragen an Matthias Rippert

Unsere Spielzeit widmet sich dem Thema „Abschied von den Helden“. Das zielt auch darauf ab, die meist einsamen, tapferen, weißen Männer, die unsere Geschichten prägen, zu hinterfragen. Wie passt das Stück „Seymour“ von Anne Lepper für Dich damit zusammen?
Es gibt in dieser Geschichte keine Heldinnen oder Helden, alle wurden aus der eigentlichen Welt entfernt, weil sie dort nicht reinpassen, zu dick sind. Und noch bevor sie handeln können, nämlich als Kinder. Sie sind also aus der eigentlichen Geschichte enthoben in einen ort- und zeitlosen Raum, irgendwo in den Bergen abgestellt, einem Raum, dem sie nicht entkommen können, bis sie abnehmen. Aber das gerade tun sie nie. Es wird ihnen auch unmöglich gemacht. Sie warten alle auf ihren Erlöser, einen Doktor, der sie untersuchen soll, aber nie kommt. Das hat in der Form auch etwas sehr „Beckett"-haftes. Wir schauen eigentlich lauter ohnmächtigen Figuren zu.

Dich reizen sowohl Klassiker als auch zeitgenössische Dramatik auf die Bühne zu bringen. Ich schätze Anne Leppers Sprache und ihre schräge Phantasie. Was reizt Dich an dem Stück?
Ich liebe den Humor, der in dem Stück steckt, und die groteske Setzung. Und natürlich auch die Herausforderung, eine interessante Lösung dafür zu finden, wie erwachsene Schauspieler diese Kinder spielen. Ich bin ein Fan des Absurden.

Seymour spielt in den Alpen in einer sehr hermetischen Welt. Gleichzeitig bietet es viele Themen und Metaphern, die universaler erscheinen, an die man andocken kann. Was siehst Du darin? Was interessiert Dich daran?
Mich interessiert an dem Stück der Gedanke, dass dort jemand verspricht, mit einer simplen Lösung komplexeste Probleme lösen zu können. Du musst nur abnehmen, und alles andere gibt sich dann von selbst. Alle nehmen es unhinterfragt hin, es sind ja auch lauter Kinder. Spannend ist, wie im Laufe des Stückes diese Naivität bröckelt, die Figuren langsam zu zweifeln beginnen, und welche Konsequenzen sie daraus ziehen.

Termine & Tickets

März 2020

  • Kammerspiele
    Premiere

    Seymour

    von Anne Lepper
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Besetzung

Leitungsteam


Regie
Matthias Rippert
Dramaturgie