Haydns Berichte aus London lesen sich, als wäre er kürzlich noch dort gewesen… „Ich habe ein niedliches,
bequemes aber auch theueres logement … alles ist erschröcklich theuer“, schreibt Haydn von seinem ersten
Aufenthalt im Januar 1791. Haydns Leben dort ist bunt und turbulent, und er scheint es in vollen Zügen zu
genießen. Man reißt sich um ihn in der guten Gesellschaft, und in Oxford erhält er die Würde eines Ehren-
doktors. Charles Burney, heute noch bekannt als Autor von Reiseberichten, in denen er das musikalische
Europa seiner Zeit illustriert, notierte an einen Freund: „I have had the great Haydn here & think him as a good as creature, as great Musician.“ London stellt um 1790 als Metropole der Musik alle anderen europäischen Großstädte und Residenzen mit seinem reichen Angebot an öffentlichen Konzerten und Akademien in den
Schatten.
![]()
Yulianna Avdeeva © Maxim Abrossimow
Das Publikum hungert nach Novitäten, und zugleich ehrt man die alten Meister wie Händel. Kon-
zertgesellschaften schießen aus dem Boden. Das Londoner Konzertleben ist großstädtischer, als das in Paris, es ist noch viel reicher, moderner, öffentlicher. Die 12 „Londoner Sinfonien“, gelten als Höhepunkt im sinfonischen Schaffen Haydns.
Seine drei letzten Sinfonien weisen instrumentatorisch ins 19. Jahrhundert, wobei die Sinfonie Nr. 104 als Krönung gilt. Unter Pianist*innen gilt Bartóks drittes Klavierkonzert als immens schwer. Er schrieb es kurz vor seinem Tod im amerikanischen Exil als Geburtstagsgeschenk für seine Frau Ditta, selbst eine Weltklasse-Pianistin, und es wurde posthum 1946 vom Philadelphia Orchestra aufgeführt. Der Sommer nicht als idyllische Strandlandschaft, sondern als erdrückende, unnachgiebige Hitze. In dieses Szenario wirft Hannah Eisendles „Heliosis“ das Publikum mithilfe von starken Kontrasten, engen Akkorden und schrägen Einwürfen. Kathrin Müllner dirigiert das 5. Sinfoniekonzert.
![]()
Katharina Müllner © Katharina Gebauer
Die Pianistin Yulianna Avdeeva war zuletzt 2020 in Darmstadt zu hören, im März ist sie unter Müllners Leitung erneut zu Gast beim Staatstheater, so auch im 7. Kammerkonzert. Hier wird sie neben Liszt die Meisterwerke der kleinen Form präsentieren, die 24 Préludes op. 28 von Frédéric Chopin. Es ist das Opus summum in Bruckners Schaffen. Das feierliche Adagio ist nicht von dieser Welt. „Meine Achte ist ein Mysterium!“ hatte Bruckner noch selbst bekräftigt.
Fände man ein Bild aus der Architektur, könnte man meinen, im Inneren einer Kathedrale zu stehen und sowohl die große Konstruktion, als auch die kleinen Nischen zugleich wahrzunehmen. Marc Albrecht war von 1995 – 2001 Generalmusikdirektor in Darmstadt und startete von hier aus eine internationale Karriere, die ihn vor allem für das große romantische Repertoire an die größten Opernhäuser der Welt führte. Für die Leitung des 6. Sinfoniekonzerts kehrt er nach langem wieder nach Darmstadt zurück.