Was, wenn einer der bedeutendsten Antikriegs-Klassiker des Tanzes auf die Krisen der Gegenwart trifft?
Der spanische Choreograf Marcos Morau wagt in „Nachtträume“ genau diesen Blick. Ausgehend von Kurt Jooss’ legendärem, 1932 kreierten Tanzstück „Der Grüne Tisch“ entwirft er ein ebenso bildgewaltiges wie verstörendes Panorama von Macht, Manipulation und gesellschaftlichem Stillstand. Im Zentrum steht ein Thema, das sich durch Moraus gesamtes Werk zieht: der Tod. Für ihn ist dieser keine abstrakte Metapher, sondern eine allgegenwärtige Realität, die in Nachrichtenbildern, Kriegen und Fluchtbewegungen sichtbar wird. Morau fragt, warum moderne Gesellschaften Leid wahrnehmen und zugleich ausblenden. Seine Stücke kreisen um die Mechanismen dieser Verdrängung und um die Frage, welche Verantwortung Kunst dabei übernehmen kann.


Ein Kurzporträt

Marcos Morau zählt zu den prägendsten Choreografen Europas. Der 1982 in Valencia geborene Spanier verbindet Tanz, Theater, Film und bildende Kunst zu einem unverwechselbaren Stil, der gleichermaßen visuell überwältigt und gesellschaftliche Fragen aufwirft. Nach Studien in Fotografie, Dramaturgie und Choreografie gründete er 2005 in Barcelona die Kompanie La Veronal, die heute zu den international gefragtesten
Tanzensembles gehört.
Moraus Arbeiten zeichnen sich durch eine starke Bildsprache, filmische Erzählweisen und eine intensive Auseinandersetzung mit Macht, Erinnerung und Identität aus. Seine Stücke bewegen sich oft zwischen Realität und Traum, Schönheit und Verstörung.

Dabei greift er historische, politische und kulturelle Themen auf, ohne einfache Antworten zu liefern. Stattdessen ent stehen vielschichtige Bühnenwelten, die das Publikum zum Beobachten, Deuten und Hinterfragen einladen.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Morau mit Produktionen wie „Siena“, „Russia“, „Nippon-Koku“ oder „Sonoma“, welches in Darmstadt beim Tanzfestival Rhein-Main 2022 zu sehen war. Seine Werke wurden bei renommierten Festivals gezeigt und von bedeutenden Kompanien weltweit übernommen. Neben seiner Arbeit für La Veronal choreografiert er regelmäßig für große Opern- und Ballettensembles, darunter das Nederlands Dans Theater, das Staatsballett Berlin, Ballett Zürich und das Ballet de l’Opéra de Lyon.


Nachtträume
Choreografie von Marcos Morau / empfohlen ab 14 Jahren

CHOREOGRAPHIE Marcos Morau
BÜHNE Max Glaenzel
KOSTÜM Silvia Delagneau
MUSIK Clara Aguilar
VIDEO Tieni Burkhalter
DRAMATURGIE Israel Solà, Michael Küster

Premiere am 12. September | Großes Haus
Weitere Termine: 20. und 26. September sowie 9. und 18. Oktober


Groove mit uns!

In dieser Spielzeit geht der Darmstädter Tanzklub mit „Roots & Groove“ zurück zu den Wurzeln vieler heutiger Tanzstile. Unter der Leitung von Jennifer Owusu vermittelt der Kurs die Vielfalt afrikanischer Tänze – von traditionellen Tänzen aus Ghana bis zu modernen Afrobeats wie Azonto, Shaku oder Zanku. Im Mittelpunkt stehen Rhythmus, charakteristische Bewegungen, kulturelle Hintergründe sowie Tanz als Ausdruck von Gemeinschaft und Kreativität.
Ein unverbindliches Infotreffen für alle ab 18 Jahren findet am 16. September um 17 Uhr im Ballettsaal statt. Treffpunkt ist um 16.45 Uhr an der Bühnenpforte.
Anmeldung unter: VERMITTLUNG@HESSISCHES-STA ATSBALLETT.DE


Ausblick auf das Tanzfestival Rhein-Main 2026

Die elfte Ausgabe des Tanzfestival Rhein-Main, dem großen Gemeinschaftsprojekt vom Hessischen Staatsballett und Künstler*innenhaus Mousonturm, bietet herausragende Choreografien aus der Region und internationale Meisterwerke. Dieses Mal findet das Tanzfestival mit dem Motto „Moving Democracy“ in Kooperation mit World Design Capital Frankfurt
RheinMain 2026 statt. Mit Lia Rodrigues wird eine der bedeutendsten zeitgenössischen Choreografinnen Brasiliens als „Spotlight Artist“ eingeladen. Highlight zum Selbermitmachen ist der Tanztag Rhein-Main am 31. Oktober.

30. Oktober bis 15. November in Darmstadt, Frankfurt a.M., Offenbach und Wiesbaden
Vollständiges Programm ab 22. September unter:
WWW.TANZFESTIVALRHEINMAIN.DE