Fragen aus dem Double Feature: Lolita / Young and Beautiful (UA)

Normalerweise finden Sie an dieser Stelle oft Fragen zu einer kommenden Premiere, die Gespräche anstoßen und neugierig machen sollen. Doch wie stoßen wir Gespräche über die Themen an, die in unserer Gesellschaft noch immer tabuisiert sind?

Als Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“ 1955 erschien, löste er einen Skandal aus. In mehreren Ländern wurde das Buch zeitweise verboten. In diesem Roman spricht „Humbert Humbert“, ein erwachsener Mann, von seinem Begehren nach der zwölfjährigen Dolores, von ihm „Lolita“ genannt. Er schildert seine Übergriffe und die sexuelle Gewalt, die er ihr antut in einer Sprache, die Verführung, Gewalt und mythologisierte Natur ineinander verschränkt. In der Bühnenfassung von Oliver Reese ist diese Sprache auf einen theatralen Monolog verdichtet und führt uns in der Regie von Isabella Roumiantsev mitten hinein in ein gesellschaftliches Tabu – und eine Stierkampfarena.

Wer Kindern sexuelle Gewalt antut, wird häufig als triebgesteuertes Monster markiert: als jemand, mit dem wir nichts gemein haben wollen. Doch wenn wir Täter*innen zu Ausnahmegestalten erklären, droht das Problem in Familie und Gesellschaft unsichtbar gemacht zu werden. Dabei ist sexualisierte Gewalt kein Thema, das nur im Monströsen stattfindet.

In „Young and Beautiful“, dem zweiten Teil des Double Features widmet sich Regisseurin Isabella Roumiantsev einer modernen Täterin: Ghislaine Maxwell, der Komplizin von Jeffrey Epstein, in ihrer ganzen Menschlichkeit und erforscht, wie normal Täter*innen bisweilen sind. Und stellt uns vor Fragen, denen wir uns stellen müssen.

Wie sprechen wir über sexualisierte Gewalt, ohne sie zu verharmlosen oder voyeuristisch auszustellen? Warum fällt es so schwer, hinzusehen, wenn Täter aus dem eigenen Umfeld kommen? Wem glauben wir? Und wen schützen wir?


Double Feature: Lolita / Young and Beautiful (UA)
von Vladimir Nabokov in einer Fassung von Oliver Reese / Young and Beautiful (UA) von
Isabella Roumiantsev / empfohlen ab 16 Jahren

REGIE Isabella Roumiantsev
BÜHNE & KOSTÜM Lea Burkhalter
MUSIK Michael Lohmann
VIDEO Emanuel Hänsenberger
DRAMATURGIE Carlotta Huys

Premiere am Freitag, 20. November, 20:00 Uhr | Kammerspiele
Weitere Termine: 22. und 29. November sowie 05.,12. und 18. Dezember

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