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Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

Über das Stück

Am Tisch mit Fidelio
Im zweiten Akt mit unter den Darsteller*innen sein.

Beethovens einzige Oper „Fidelio“ wurde als Befreiungs- und Rettungsoper konzipiert und gilt heute noch als Fanal für die Einmischung und Teilhabe an politischen Prozessen. Dieser Aufforderung zur Aktivität kommt die Inszenierung von Paul-Georg Dittrich nach und bittet im zweiten Akt Zuschauer*innen mit auf die Bühne. Am Tisch mit Fidelio erleben Sie eine ganz neue Opern-Perspektive und haben eventuell sogar Gelegenheit, sich einzumischen. Fragen Sie an der Theaterkasse nach diesen besonderen Sitzplätzen. Aber Achtung: überlegen Sie nicht zu lange, denn die Zahl der Karten ist begrenzt! 


Fidelio

Leonore ist eine Frau, die gegen alle Widerstände geht: Als männlicher Gehilfe verkleidet, rettet sie ihren Gatten Florestan aus dem Kerker und damit vor der sicheren Hinrichtung. Im Geiste der Französischen Revolution knüpfte Beethoven mit seinem „Fidelio“ an die Gattung der Rettungsoper an und bezeichnenderweise wurde kaum ein anderes Werk rezeptionsgeschichtlich so vereinnahmt und politisch in Beschlag genommen wie dieses. Paul-Georg Dittrich, der seine erfolgreiche Fidelio-Inszenierung vom Theater Bremen nun in Darmstadt weiterentwickelt, spürt diesem Ge- und Missbrauch der Oper in seiner Inszenierung nach, um schließlich zum heutigen Freiheitsbegriff zu gelangen. Die heutigen Gefängnisse sind unsichtbarer als zur Entstehungszeit der Oper: „Wenn alles möglich ist, kann die Freiheit selbst zum Zwang werden“, sagt der Regisseur. Vielleicht liegt es vielmehr an uns selbst, unsere und Florestans Fesseln zu lösen. Dieser Gedanke entfaltet seine Wirkung im Darmstädter "Fidelio" nicht nur szenisch, sondern auch musikalisch: Die Komponistin Annette Schlünz wird das jubelnd-oratorische Finale der Oper bearbeiten und dabei einen Klangraum öffnen, in dem Beethoven und zeitgenössische Musik sich begegnen.

„Anders als Dittrich es tut, lässt sich eine Oper wie Fidelio [...] unter den aktuellen politischen Bedingungen, die in Deutschland herrschen, nicht erzählen. Mein Urteil: Unbedingt anschauen.“ (Thomas Kurianowicz, Bremen Zwei, 2018)

Ein musikalisch mitreißender, szenisch verstörender Abend, den man sich gerade deshalb auf keinen Fall entgehen lassen sollte.“ (Die deutsche Bühne, 2019)


3 Fragen an Paul-Georg Dittrich

Die einzige Oper von Beethoven erzählt uns dem Publikum eine bedingungslose Liebesgeschichte im politischen Zusammenhang. Was interessiert Sie als Regisseur an dem Stoff?
Natürlich drängt sich bei Fidelio die Frage nach dem pathetisch gefeierten Etwas auf: der Freiheit. Aber was ist Freiheit? Was war sie zur Entstehungszeit, was ist sie heute? Welches waren historische Fesseln, welche sind es heute? Das sind große Themen, die man natürlich nicht in einem Theaterabend beantworten kann, aber denen man sich im Fidelio widmen muss. Es geht nicht darum Antworten zu geben, aber es müssen Fragen gestellt werden, die schließlich – so hoffe ich sehr –  einen kollektiven Denkraum eröffnen. - Heiner Müller sagt: „Nekrophilie ist Liebe zur Zukunft. Man muss die Anwesenheit der Toten als Dialogpartner oder Dialogstörer akzeptieren. Zukunft entsteht allein aus dem Dialog mit den Toten.“ - Infolgedessen wagen wir eine Zeitreise durch die Rezeptionsgeschichte bis in unsere Gegenwart anhand weniger ausgewählter Inszenierungen und schauen uns an, wann, wo und wie die Komposition für politische Zwecke instrumentalisiert und verwandt wurde. 

Wie aktuell ist der Fidelio-Stoff heute?
Das große Übel unserer Zeit ist eine unendlich gewordene Freiheit, unendliche Auswahl in jedem Bereich und unbegrenzte Möglichkeiten. Wie also stellt man dann den 2. Akt der Oper von Beethoven dar, welcher in einem Gefängnis spielt? - Natürlich gibt es das Gefängnis als Institution, als einen Ort. Aber mich interessiert, wie das Gefängnis heute aussieht, in das ich mich als gegenwärtiger „freier“ Mensch begebe? Zwar werden wir in Westeuropa von keinem politischen System unterdrückt, aber aus der heutigen subjektiven Freiheit ergeben sich neue, andere Zwänge: Wenn alles möglich ist, kann die Freiheit auch zum Zwang werden. 

Unser Spielzeitmotto ist „Abschied von den Helden“. Welchen Bezug gibt es für Sie bei "Fidelio"? 
Leonore wurde häufig als Befreiungsengel gedeutet, als eine Utopie für den Freiheitskampf. Stichwort „Engel der Geschichte“ von Walter Benjamin, der – wie bei uns Leonore – den Blick in die Vergangenheit richtet; sieht, wie die Trümmer der Geschichte sich auftürmen, aber stets weiter in die unbestimmte Zukunft getrieben wird. Unfähig und ohnmächtig, die Vergangenheit zu verändern, bleibt nur die Zukunft, die es zu gestalten gilt. Und diese Zukunft liegt in unseren Händen. Wir brauchen keine Leonore, keinen Don Fernando mehr, die unsere Fesseln lösen, das müssen wir selbst tun. So könnte auch folgender Satz von Perikles das Motto des Abends beschreiben: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“

Termine & Tickets

Oktober 2019

  • Großes Haus
    Premiere

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

November 2019

  • Großes Haus
    Kinderbetreuung während der Vorstellung möglich / Teilnehmer*innenzahl begrenzt / Anmeldung unter Vorverkauf@staatstheater-darmstadt.de oder 06151 2811 600

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    11,00 € bis 49,00 €

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

Dezember 2019

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

Januar 2020

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

Februar 2020

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    11,00 € bis 49,00 €

April 2020

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Musikalische Bearbeitung des Finales von Annette Schlünz / Weiterentwickelte Übernahme vom Theater Bremen / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    11,00 € bis 49,00 €

Besetzung

Mitwirkende


Leonore
Florestan
Rocco
Pizzaro
Marzelline
Karola Sophia Schmid
Jana Baumeister
Jaquino
Don Fernando
1. Gefangener
Daniel Ewald
2. Gefangener
Mit
Staatsorchester Darmstadt
Opernchor des Staatstheaters Darmstadt

Leitungsteam


Musikalische Leitung
Regie
Bühne
Kostüm
Anna Rudolph
Video
Kai Wido Meyer
Dramaturgie
Carolin Müller-Dohle
Komposition
Choreinstudierung