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Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

Über das Stück

Leonore ist eine Frau, die es mit Pizzaro, der Personifikation des bösen Unterdrückers, aufnimmt. Sie rettet ihren Gatten Florestan, als männlicher Gehilfe verkleidet, aus dem Kerker und damit vor der sicheren Hinrichtung. Beethoven knüpfte mit seinem „Fidelio“ an die Gattung der in Frankreich so beliebten „Rettungsoper“ an. Bei der Uraufführung in dem von Napoleons Truppen besetzten Wien fiel das Stück durch, obwohl doch zeitgemäße Helden darin vorkommen, ein Kämpfer für Freiheit (Florestan) und eine todesmutige Frau. Die Oper „Fidelio“ - mit „L’ amour conjugale“ (ehelicher Liebe)  untertitelt  - taugte merkwürdigerweise in allen politischen Systemen seit über 100 Jahren zum Ausweis der richtigen und guten (?) Gesinnung. Welche Helden wären heute die richtigen, um gegen strukturelle Unterdrückung zu opponieren?


Am Tisch mit Fidelio

Für 65 Zuschauer*innen: im zweiten Akt mit unter den Darsteller*innen sein.

Beethovens einzige Oper „Fidelio“ wurde als Befreiungs- und Rettungsoper konzipiert und gilt heute noch als Fanal für die Einmischung und Teilhabe an politischen Prozessen. Dieser Aufforderung zur Aktivität kommt die Inszenierung von Paul-Georg Dittrich nach und bittet im zweiten Akt 65 Zuschauer*innen mit auf die Bühne. Am Tisch mit Fidelio erleben Sie eine ganz neue Opern-Perspektive und haben eventuell sogar Gelegenheit, sich einzumischen. Fragen Sie an der Theaterkasse nach diesen besonderen Sitzplätzen. Aber Achtung: überlegen Sie nicht zu lange, denn die Zahl der Karten ist begrenzt! 


3 Fragen an Paul-Georg Dittrich

Die einzige Oper von Beethoven erzählt uns dem Publikum eine bedingungslose Liebesgeschichte im politischen Zusammenhang. Was interessiert Sie als Regisseur an dem Stoff?
Natürlich drängt sich bei Fidelio die Frage nach dem pathetisch gefeierten Etwas auf: der Freiheit. Aber was ist Freiheit? Was war sie zur Entstehungszeit, was ist sie heute? Welches waren historische Fesseln, welche sind es heute? Das sind große Themen, die man natürlich nicht in einem Theaterabend beantworten kann, aber denen man sich im Fidelio widmen muss. Es geht nicht darum Antworten zu geben, aber es müssen Fragen gestellt werden, die schließlich – so hoffe ich sehr –  einen kollektiven Denkraum eröffnen. - Heiner Müller sagt: „Nekrophilie ist Liebe zur Zukunft. Man muss die Anwesenheit der Toten als Dialogpartner oder Dialogstörer akzeptieren. Zukunft entsteht allein aus dem Dialog mit den Toten.“ - Infolgedessen wagen wir eine Zeitreise durch die Rezeptionsgeschichte bis in unsere Gegenwart anhand weniger ausgewählter Inszenierungen und schauen uns an, wann, wo und wie die Komposition für politische Zwecke instrumentalisiert und verwandt wurde. 

Wie aktuell ist der Fidelio-Stoff heute?
Das große Übel unserer Zeit ist eine unendlich gewordene Freiheit, unendliche Auswahl in jedem Bereich und unbegrenzte Möglichkeiten. Wie also stellt man dann den 2. Akt der Oper von Beethoven dar, welcher in einem Gefängnis spielt? - Natürlich gibt es das Gefängnis als Institution, als einen Ort. Aber mich interessiert, wie das Gefängnis heute aussieht, in das ich mich als gegenwärtiger „freier“ Mensch begebe? Zwar werden wir in Westeuropa von keinem politischen System unterdrückt, aber aus der heutigen subjektiven Freiheit ergeben sich neue, andere Zwänge: Wenn alles möglich ist, kann die Freiheit auch zum Zwang werden. 

Unser Spielzeitmotto ist „Abschied von den Helden“. Welchen Bezug gibt es für Sie bei "Fidelio"? 
Leonore wurde häufig als Befreiungsengel gedeutet, als eine Utopie für den Freiheitskampf. Stichwort „Engel der Geschichte“ von Walter Benjamin, der – wie bei uns Leonore – den Blick in die Vergangenheit richtet; sieht, wie die Trümmer der Geschichte sich auftürmen, aber stets weiter in die unbestimmte Zukunft getrieben wird. Unfähig und ohnmächtig, die Vergangenheit zu verändern, bleibt nur die Zukunft, die es zu gestalten gilt. Und diese Zukunft liegt in unseren Händen. Wir brauchen keine Leonore, keinen Don Fernando mehr, die unsere Fesseln lösen, das müssen wir selbst tun. So könnte auch folgender Satz von Perikles das Motto des Abends beschreiben: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“

Termine & Tickets

Oktober 2019

  • Großes Haus
    Premiere

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

November 2019

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    11,00 € bis 49,00 €

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

Dezember 2019

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

Januar 2020

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    12,50 € bis 57,50 €

Februar 2020

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    11,00 € bis 49,00 €

April 2020

  • Großes Haus

    Fidelio

    Oper von Ludwig van Beethoven / Libretto von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

    11,00 € bis 49,00 €

Besetzung

Mitwirkende


Leonore
Florestan
Heiko Börner
Rocco
Pizzaro
Wieland Satter
Marzelline
Jaquino
Don Fernando
1. Gefangener
Daniel Ewald
2. Gefangener
N.N.
Mit
Staatsorchester Darmstadt
Opernchor des Staatstheaters Darmstadt

Leitungsteam


Musikalische Leitung
Regie
Paul-Georg Dittrich
Bühne
Lena Schmid
Kostüm
Anna Rudolph
Video
Kai Wido Meyer
Choreinstudierung