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Eine Produktion der CocoonDance Company und des Schauspiels des Staatstheaters Darmstadt

Über das Stück

Im Projekt „Körpertreffer“ begegnen sich Schauspieler des Staatstheaters Darmstadt, Tänzer*innen der CocoonDance Company, Internetkünstler*innen und ein Autor in einer interdisziplinären Zusammenarbeit. Was, wenn man Körper als reine Medien begreift und ihre Codes in andere künstlerische Sprachen und Medien überführt? Was, wenn die Effekte der digitalen Bildaufzeichnung mit ihrem Ewigkeitsversprechen, die unsere Bilder- und Körperwahrnehmung in Frage stellen, alte Unterscheidungen sinnlos werden lassen? CocoonDance suchen in dieser experimentellen Arbeit, die von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, nach tänzerisch-spielerischen Ausdrucksformen in einer Zeit, die den Körper scheinbar im Digitalraum auflöst. Bleibt nur noch das Lächeln der Grinsekatze während die Menschen im 000101001 verschwinden?

Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes

www.koerpertreffer.de/live

Vier Fragen an das Team 

Körpertreffer das klingt ja fast schon tödlich. Was hat es mit diesem Titel auf sich?  
Na ja, aufgetaucht ist der Titel das erste Mal durch den Hausdramaturgen Maximilian Löwenstein, als eine Lektüreempfehlung für unseren Projektantrag bei der Kulturstiftung des Bundes. Diedrich Diedrichsen hat in seinen, unter diesem Titel veröffentlichten Frankfurter Adorno-Vorlesungen aus dem Jahre 2015, die fehlende Auseinandersetzung in der jüngeren Kunstgeschichte mit der Veränderung unserer Wahrnehmung durch Bildaufzeichnungs-Medien und damit auf die Kunstwerke selbst reklamiert. Bei uns rennt er damit offene Türen ein, denn auf der Prämisse, dass der Körper zuallererst als medialer existiert und der Körper (der Performer) ein Medium unter anderen ist, basieren unsere Projekte schon seit längerem. Dass damit aber die spannungsvolle Dialektik von Leib und Körper, Differenz von Körper haben und Körper sein, so schnell noch lange nicht aufgelöst werden wird, hat uns ja bereits der geniale Darmstädter Georg Büchner aufgezeigt. 
 
Ihr habt in Darmstadt schon mehrere Kreationen gezeigt. Worin unterscheidet sich Körpertreffer von euren bisherigen Arbeiten?  
Noch ist dies, außer mit einem grundsätzlichen Interesse an einer anderen Ausdrucksform und der Neugierde an anders trainierten Körpern, wie dem der Schauspieler, nicht zu beantworten. Sicher ist aber, dass wir nicht von Projekt zu Projekt und nicht eben mal so über Genregrenzen hinweg springen, sondern in großer Kontinuität bestimmten Fragen und Visionen nachgehen. Es geht dabei in erster Linie um bestimmte Tools und Strategien, die wir in einer mehrjährigen Recherche mit unseren Tänzern zusammen recherchiert und reflektiert haben, und nun gemeinsam mit den Schauspielern überprüfen und erweitern können. Der Ausgang dieses spannenden Prozesses ist erst mal offen, unser Ziel jedoch ist es auf jeden Fall, das Publikum davon möglichst viel nach- und miterleben zu lassen. In der bisherigen Recherchearbeit gibt es also bislang kaum Unterschiede. Überrascht und mehr als beeindruckt hat uns dann allerdings doch diese grandiose Offenheit und ungehemmte Lust des gesamten Schauspiel-Ensembles an diesem gemeinsamen Projekt. Wir haben nicht nur viel Spaß, sondern uns egal in welcher Besetzung, immer wieder aufs Neue sehr schnell, mühelos und fokussiert zusammengefunden. Ab jetzt gilt es mit dem Originalbesetzung einen originären Produktionsprozess zu initiieren.
 
In den Recherchephasen, die über ein ganzes Jahr lang immer wieder stattgefunden haben, habt Ihr Euch immer wieder mit digitalen Medien, tänzerischen wie schauspielerischen Möglichkeiten auseinandergesetzt. Was ist daraus für Euch entstanden?  
In der Beschäftigung mit der Schauspielkunst und auch durch die Themen Medien und Digitalität hat sich für uns ein aufregender wie gleichermaßen herausfordernder Schnittpunkt ergeben: das Gesicht! War es in den letzten Stücken von CocoonDance für eine neue Wahrnehmung des Körpers noch verhüllt, rückt es jetzt als Organ desto mehr in den Mittelpunkt. Gerade zusammen mit den Schauspielern wollen wir dieses machtvolle Organ und seine Verhältnis untersuchen. So wie unsere westliche Welt vor allem als visuelle Kultur charakterisiert wird, spricht man ebenso von unserer „facialen Gesellschaft“.  Wir wollen nichts weniger versuchen, als das Gesicht ‚aufzulösen‘ und zugleich in seiner Beziehung zum übrigen Körper neu inszenieren und choreografieren.
 
Was habt Ihr vielleicht auch gelernt über unsere Zeit, die ja angeblich unter dem Stern des Digitalen steht? 
Anhand der medientechnischen Entwicklung des letzten Jahrzehnts lässt sich eine zunehmende Virtualisierung des Gesichts beobachten, mit der die Frage aufgeworfen wird, ob und inwieweit traditionell am Gesicht verhandelte Unterscheidungen wie außen und innen, natürlich und künstlich, Norm und Abweichung, Mensch und Unmensch fortgeführt oder überschritten werden. Die Digitalisierung stellt wohl nur verschärft die fast schon immerwährenden Fragen nach Authentizität und Identität. So gesehen ein ideales, ja ureigenstes Thema des Theaters. Das Gesicht der hervorragende Schauplatz für die Frage nach dem Menschen. 

Termine & Tickets

September 2019

  • Kammerspiele

    Körpertreffer

    Eine Produktion der CocoonDance Company und des Schauspiels des Staatstheaters Darmstadt

    11,00 € bis 19,50 €

  • Kammerspiele

    Körpertreffer

    Eine Produktion der CocoonDance Company und des Schauspiels des Staatstheaters Darmstadt

    11,00 € bis 19,50 €

Oktober 2019

  • Kammerspiele

    Körpertreffer

    Eine Produktion der CocoonDance Company und des Schauspiels des Staatstheaters Darmstadt

    11,00 € bis 19,50 €

Dezember 2019

  • Kammerspiele

    Körpertreffer

    Eine Produktion der CocoonDance Company und des Schauspiels des Staatstheaters Darmstadt

    11,00 € bis 19,50 €

  • Kammerspiele

    Körpertreffer

    Eine Produktion der CocoonDance Company und des Schauspiels des Staatstheaters Darmstadt

    11,00 € bis 19,50 €

Besetzung

Mitwirkende


Von und mit
Álvaro Esteban
Werner Nigg
Susanne Schneider

Leitungsteam


Choreografie
Rafaële Giovanola
Text
Lothar Kittstein
Bühne
Boris Kahnert
Kostüm
Florence Klotz
Video
Benjamin Weber
Musik
Jörg Ritzenhoff
Dramaturgie
Rainald Endraß