Infos

Zweiteiliger Ballettabend von Bryan Arias und Edward Clug / mit Musik von Igor Strawinski und Dmitri Savchenko-Belski

Über das Stück

"Heraus kommt ein umjubelter Doppelabend des Hessischen Staatsballetts." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

"Das Ensemble des hessischen Staatsballetts meistert den Abend mit Bravour." (SWR)

"Das (...) gegründete Hessische Staatsballett zeigt mal wieder, auf welch beachtliches Niveau es die Tanzszene in Darmstadt und Wiesbaden gehoben hat." (Darmstädter Echo)

"Das (...) Ende eines Festes in zwei Akten für das begeisterte Publikum (...)." (Frankfurter Neue Presse)

"Unfassbar geschmeidig bewegen sich die (...) Tänzerinnen und Tänzer des Hessischen Staatsballetts (...)." (Frankfurter Neue Presse)

29 May 1913 / Le sacre du printemps

Igor Strawinskis "Le sacre du printemps" stellt eines der Skandalstücke in der europäischen Tanzgeschichte dar. Das Hessische Staatsballett nimmt sich in der Spielzeit 2019/20 des Stoffes rund um das heidnische Ritual des „Frühlingsopfers“ in einem Doppelabend unter der musikalischen Leitung des Darmstädter GMD Daniel Cohen an. Der moderne Blick auf das archaische Thema wird zum Motor beider Arbeiten. Im ersten Teil mit dem Titel 29 May 1913 setzt sich Bryan Arias in einem Auftragswerk mit dem skandalumwitterten Ereignis der Pariser Uraufführung in der choreografischen Version von Vaslav Nijinski auseinander. Dabei befragt Arias nicht nur die Perspektive des historischen Zuschauers, sondern entwickelt zugleich einen multidisziplinären Blick auf die Konditionen unserer Kulturreflexion. Edward Clug schuf demgegenüber mit seiner 2012 in Maribor uraufgeführten Choreografie eine feinsinnige Symbiose von archaischer Grundthematik und hypnotischer Hingabe des Tanzes an die Musik. In dieser von Publikum wie Kritik gleichermaßen gefeierten Werkinterpretation schwingt neben dem bewussten Umgang mit Tradition gleichzeitig eine Reflexion der vielschichtigen Rezeptionsgeschichte des Stoffes mit.

Fotos: Bettina Stöß

Drei Fragen an Edward Clug 

Was bedeutet "Le sacre du printemps" für dich?
"Le sacre du printemps" ist ohne Frage ein Meisterwerk, ein Kultstück des 20. Jahrhunderts. Dabei steht es nicht nur für eine Wendung in Strawinskys musikalischem Schaffen, sondern eben auch für eine radikale Wendung in der Tanzgeschichte. Dieser berühmte Skandal bei der Uraufführung mit Nijinksys Choreografie in Paris ist eine Art Katalysator geworden für die Weiterentwicklung des modernen Tanzes im 20. Jahrhundert. Sacre war für mich immer irgendwie eine Inspiration – und ich wusste immer, dass ich das irgendwann einmal selbst choreografieren muss. 

"Le sacre du printemps" thematisiert ein beinahe urwüchstiges Ritual, es scheint sehr nah an der Natur zu sein. Welche Beziehung hast du zur Natur? 
Natur ist – oder sollte – ein grundlegendes Element unseres alltäglichen Lebens sein, wir sollten unsere Verbindung zu ihr nicht verlieren und nicht zuletzt glaube ich auch, dass wir gewissermaßen von der Natur, die wir in uns tragen, angetrieben werden. Wenn wir genau das zulassen, können wir Teil der Natur um uns herum, Teil von allem, werden. 

Und was bedeutet dir Tradition? 
Traditionen sind die Wurzeln. Und genau wie Wurzeln muss Tradition gedüngt und gewässert werden, um tiefer wachsen zu können – damit die jungen Äste, die Kreativität erlauben, weiter hoch in den Himmel reichen können. 


Drei Fragen an Bryan Arias 

Dein Stück, das du für das Hessische Staatsballett kreieren wirst, trägt den Titel "29 May 1913". Was bedeutet der 23. Mai 1913 für dich? 
Am Abend des 29. Mai 1913 wurde Nijinksys Frühlingsopfer-Choreografie am Théâtre des Champs-Élysées in Paris uraufgeführt – und was an diesem Abend passierte, war eine unglaublich heftige Reaktion nicht nur auf die Choreografie, sondern auch auf Stawinskys Musik. „Die Unruhe im Publikum began schon während des Vorspiels und wurde dann immer größer als der Vorhang sich hob…“ In seiner Biografie schreibt Strawinsky, dass das spöttische Gelächter als Reaktion auf die ersten Takte des Vorspiels so angeekelt hat, dass er den Zuschauerraum verlassen hat und den Rest der Vorstellung von der Seitenbühne aus angesehen hat. Diese Reaktion im Jahr 1913 hat mich fasziniert – und ich möchte gerne unsere Rolle als Zuschauer weiter untersuchen. 

Und was bedeutet dir Tradition? 
Ich habe keine besondere Beziehung zu Traditionen: Meine Mutter ist aus Südamerika, mein Vater aus Puerto Rico und in den letzten 15 Jahren hat mich meine Arbeit einmal um die Welt geführt. Ich hatte die Möglichkeit in vielen verschiedenen Kulturen zu leben und damit sowohl gute wie auch schlechte Seiten von Tradition erleben. 

"Le sacre du printemps" scheint sehr europäisch zu sein in seiner Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte. Wie fühlt es sich an, einen nicht nur kulturellen Ozean für dieses Stück zu überqueren? 
Meine Reisen geben mir natürlich eine Vielzahl von Perspektiven. Ich freue mich nun darauf, eine neue Seite der Geschichte zu zeigen – weil ich nämlich die grundlegende Konzeptionsidee von Sacre untersuchen möchte und gleichzeitig die Zuschauer an diesem 29. März 1913 hinterfragen will.


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Keine bevorstehenden Termine.

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