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Ballett von Tim Plegge auf die Musik von Josef Suk

Über das Stück

Asrael ist der Engel des Todes, der die Seele der Menschen vom Körper trennt und sie ins Jenseits begleitet, aber er ist auch Lichtbringer und Tröster. Nach diesem Engel benannte der tschechische Komponist Josef Suk seine 1905 / 06 entstandene Sinfonie op. 27, die dem „Andenken Antonín Dvořáks und seiner Tochter, meiner Gattin Ottilie“ gewidmet ist. Die Sinfonie, von Suk ursprünglich als Erinnerungsmusik konzipiert, entwickelte sich zur kraftvollen Überwindungs- und Aufbruchsmusik.

Tim Plegge knüpft mit seiner neuen Kreation memento auf die Musik Suks an dessen Idee des Loslassens und Kraftschöpfens aus Ängsten, Trauer und Tod an. Ohne konkrete Situationen zu bebildern, entwirft Plegge einen Reigen, der den Menschen und seine Fähigkeit zur Transformation aus Krisenmomenten heraus zeigt. Ein Aufruf, sich seiner Sterblichkeit ebenso bewusst zu werden wie der Kostbarkeit des Lebens. Und ein Feiern des Augenblicks, zwischen „memento mori“ und „memento vivere“.

Drei Fragen an den Choreografen Tim Plegge

Was hat Asrael, Engel des Todes aber auch Lichtbringer in verschiedenen Religionen, mit deinem Projekt „memento“ zu tun?
Ausgangspunkt für „memento“ war es, sich tiefer mit dem Gefühl des Verlustes auseinander zu setzen. Meine Recherche hat mich dann über Umwege zu Josef Suks Monumentalwerk „Asrael“ geführt. In diesem Zusammenhang erst fand die Figur des Asrael Einzug in unsere Überlegungen. Asrael ist für uns weder kalt noch grausam. Er symbolisiert vielmehr denjenigen, der die Seelen der Verstorbenen in eine andere Welt führt, aber auch den Helfer in der Trauer. Für uns ist diese Gestalt ein Zugang von vielen in das Thema des Abends hinein.

Kraft, Transformation und Aufbruch aus Trauer und Krisenmomenten heraus. Eine ziemlich aktuelle Sache, oder? 
Ich glaube niemand hat damit gerechnet, dass unsere Weltgemeinschaft so unerwartet in eine solche Tiefenkrise gerät, in der wir uns gerade befinden. „memento“ zu machen und sich mit dem Thema von Abschied, Verlust und Wendepunkten zu befassen, stand für uns aber schon viel früher fest.
Noch kann keiner sagen, wie wir diese Krise gemeinsam meistern werden. Aber sicher scheint zu sein, dass diese Erfahrung uns verändern wird, dass sich alte Phänomene auflösen werden. Ich habe die große Hoffnung, dass wir gestärkt aus all dem hervor gehen. Und genau darum kreist auch „memento“. Aus einer Unsicherheit, einem Tiefpunkt zu einer neuen Form finden, daraus Kraft schöpfen. Der Abend versucht, sich der inneren Haltung gegenüber solchen großen Veränderungen, solchen gravierenden Einschnitten im Leben zu nähern. Diese inneren Zustände sollen in „memento“ eine tänzerische Form finden. 

„memento“? Wessen sollten wir uns „bewusst sein“ oder „bewusst werden“?
Der Titel soll nicht den pädagogischen Zeigefinger erheben und zu einem neuen Bewusstsein ermahnen. Im Gegenteil. Wir möchten uns diesem „Bedenken“ der Gegenwart sinnlich widmen. Es geht um die Einmaligkeit des Augenblicks in Anbetracht seiner Vergänglichkeit. Was eine durchaus schmerzhafte Erfahrung sein kann. Dafür suchen wir entsprechende Bilder. Wenn uns diese Einmaligkeit bewusst wird, wenn die „Schönheit“ des Abschiedsschmerzes als transformierende Kraft in unser aller Bewusstsein käme, hätten wir vermutlich weniger Angst vor Veränderungen und könnten den Moment der Jetztzeit intensiver wahrnehmen. 

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