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Monodrama von Mark-Anthony Turnage / Oper in einem Akt von Leonard Bernstein

Über das Stück

Auf den ersten Blick führen Dinah und Sam in „Trouble in Tahiti“ ein Leben in Zufriedenheit: Das idyllische Eigenheim in Vorstadtlage, Sam verdient sehr gut und auch das gemeinsame Kind erfreut sich bester Gesundheit. Doch die glänzende Fassade des angenehmen Vorstadtlebens ist brüchig geworden – trotz des äußerlichen Wohlstands fühlen sich beide unglücklich. Darunter leidet auch die Beziehung: Sticheleien und Streit prägen den Ehealltag. Sam sucht Ablenkung und Bestätigung in seiner Arbeit und im Sport, Dinah versucht die innere Leere beim Therapeuten zu ergründen und im Konsum zu ersticken; einen Ausweg verspricht nur die heile Welt der Traumfabrik. Die Realitätsflucht misslingt. Am Ende jedes Tages stellt sich die Frage: Wollen sie wirklich so weiter machen?

„Twice through the heart“ ist das Psychogramm einer Frau, die über Jahre hinweg von ihrem Mann brutal misshandelt wurde, ihn schließlich in Notwehr getötet hat und die noch lange Zeit mit ihren Erlebnissen ringt. Nacht für Nacht wird sie aufs Neue von den Erinnerungen an ihren toten Mann heimgesucht und durchlebt erneut, was ihr in ihrer Ehe an Schrecklichem – aber auch an glücklichen Momenten – widerfahren ist, ohne sich davon lösen zu können. Das Werk geht auf eine reale Begebenheit zurück: Die über 60-jährige Amelia Rossiter war zum Tode verurteilt worden, nachdem sie ihren Mann mit zwei Messerstichen in die Brust getötet hatte. Die vorausgegangenen Misshandlungen und Drohungen wurden der Öffentlichkeit erst Jahre später bekannt, vor Gericht hatte Rossiter darüber geschwiegen. Diese Ereignisse schockierten die schottische Autorin Jackie Kay so sehr, dass sie den Fall in einem Gedichtzyklus verarbeitete, der schließlich den Komponisten Mark-Anthony Turnage zu einem außergewöhnlichen Einakter inspirierte.

Drei Fragen an Stephan Krautwald

Wir zeigen die beiden Opern von Turnage und Bernstein als Doppelabend. Was ist die inhaltliche Verbundenheit?
So verschieden die Stücke und ihre Figuren sind, so teilen sie doch die Sehnsucht nach einem Zuhause als geschütztem Ort, an dem man Geborgenheit, Liebe und Nähe erfährt. In beiden Fällen löst sich das in der Realität nicht ein, das Leben und insbesondere die Beziehungen der Figuren sind nicht so, wie sie sich das einmal vorgestellt haben. Aber sie können sich auch nicht von ihren falschen Vorstellungen lösen und einfach neu anfangen. Stattdessen mauern sie sich in ihren scheiternden Hoffnungen ein. Die Fassade muss um jeden Preis aufrechterhalten werden. Die Frau in „Twice“ möchte auf keinen Fall, dass jemand erfährt, was in ihrer Ehe passiert ist. Und auch für Dinah und Sam geht es immer um die Bewunderung von außen, ein bisschen wie bei einem Instagram-Paar. Ein Schlüsselgedanke ist für mich, dass sich beide Paare in der Art, wie sie nach außen wirken, vielleicht gar nicht so sehr unterscheiden.

Was interessiert Sie als Regisseur an dem Stoff und den Figuren?Mich interessiert, was diese Figuren antreibt: Was hält sie zusammen, was treibt sie auseinander, warum können sie sich nicht voneinander lösen? Warum können Dinah und Sam sich nicht eingestehen, dass ihr Zustand eigentlich untragbar ist? Warum schafft es die Protagonistin in „Twice“ nicht, sich von dem Mann, der sie über Jahre brutal misshandelt hat, zu lösen? Ein großes Thema speziell in „Trouble“ sind für mich die Fluchtwelten, in die man ausweicht, wenn die Realität die Bedürfnisse nicht mehr erfüllt: Ein „Jazz-Trio“ preist uns im Stil der Werbejingles der späten 1950er den „American Dream“ von materiellem Konsum und äußerlichem Wohlstand an. Mein Eindruck ist, dass sich diese Faktoren heute eher noch verschärft haben: In den sozialen Medien arbeiten wir laufend selbst an solchen Traumbildern und Scheinrealitäten mit, gleichzeitig sind Konsum und Befriedigung nur einen Klick entfernt.

Unser Spielzeitmotto ist „Abschied von den Helden“. Welchen Bezug sehen Sie bei ihren beiden Opern?
„Abschied von den Helden“ bedeutet ja, dass es keine Vorbilder und keine vorgefertigten Ideale und Muster mehr gibt, an denen man sich orientieren kann. Stattdessen muss man seinen eigenen Weg finden. Genau das scheint mir in beiden Stücken das Problem zu sein. „Twice“ handelt vom misslingenden Abschied der Frau vom dämonenhaften Erinnerungsschemen ihres toten Ehemannes, der ihre Identität brutal aus ihr herausgeprügelt und faktisch ausgelöscht hat; davon muss sie sich täglich lösen und neu orientieren. Dinah und Sam in hängen Glücksversprechungen und Rollenmustern an, von denen sich abzeichnet, dass sie nicht mehr funktionieren. Aber es sind eben die einzigen, die sie haben. Was danach kommt, ist völlig ungewiss…

Termine & Tickets

September 2019

  • Kammerspiele
    19:00 Uhr Einführung
    Premiere

    Twice through the heart / Trouble in Tahiti

    Monodrama von Mark-Anthony Turnage / Oper in einem Akt von Leonard Bernstein

    19,50 € bis 26,00 €

Oktober 2019

  • Kammerspiele

    Twice through the heart / Trouble in Tahiti

    Monodrama von Mark-Anthony Turnage / Oper in einem Akt von Leonard Bernstein

    19,50 € bis 26,00 €

  • Kammerspiele

    Twice through the heart / Trouble in Tahiti

    Monodrama von Mark-Anthony Turnage / Oper in einem Akt von Leonard Bernstein

    19,50 € bis 26,00 €

  • Kammerspiele

    Twice through the heart / Trouble in Tahiti

    Monodrama von Mark-Anthony Turnage / Oper in einem Akt von Leonard Bernstein

    19,50 € bis 26,00 €

  • Kammerspiele

    Twice through the heart / Trouble in Tahiti

    Monodrama von Mark-Anthony Turnage / Oper in einem Akt von Leonard Bernstein

    19,50 € bis 26,00 €

November 2019

  • Kammerspiele

    Twice through the heart / Trouble in Tahiti

    Monodrama von Mark-Anthony Turnage / Oper in einem Akt von Leonard Bernstein

    19,50 € bis 26,00 €

Dezember 2019

  • Kammerspiele

    Twice through the heart / Trouble in Tahiti

    Monodrama von Mark-Anthony Turnage / Oper in einem Akt von Leonard Bernstein

    19,50 € bis 26,00 €

Besetzung

Mitwirkende


Dinah
Sam
Jazztrio 1
Jazztrio 2
Jazztrio 3
Mezzosopran
Schauspieler
Martin Bringmann
Mit
Staatsorchester Darmstadt

Leitungsteam


Musikalische Leitung
Regie
Stephan Krautwald
Bühne und Video
Martina Mahlknecht
Kostüm
Annika Lohmann
Dramaturgie
Carolin Müller-Dohle