Eine tiefe und komplexe Beziehung

Begegnung mit Wagner in Israel

Die Wagner-Frage war natürlich schon immer eine große Frage für mich. In Israel bin ich komplett ohne Wagners Musik aufgewachsen, sie war nicht Teil der musikalischen Kultur und Ausbildung. Aufgrund ihrer schwierigen Geschichte war sie aus der europäischen Musikgeschichte quasi herausgeschrieben worden. Erst mit 16 Jahren schob mir ein Schulfreund heimlich eine CD mit Kleibers "Tristan"-Aufnahme zu, versteckt, wie ein pornografisches Werk. Und mit ihrem Hören öffnete sich eine neue musikalische Welt für mich. Bis dahin hatte ich mich mit Schönberg und Strauß befasst, nun fand ich die fehlenden musikalischen Glieder, die mir für das Verständnis ihrer Musik fehlten.

Wagner-Tournee mit dem West-Eastern-Divan-Orchestra

Als Musiker, damals als Violinist im West-Eastern-Divan-Orchestra unter Daniel Barenboim, traf ich schließlich wieder auf Wagners Musik. Wir diskutierten damals gemeinsam im Orchester, ob wir seine Musik öffentlich spielen sollten oder nicht; eine harte Diskussion! Die Großeltern einiger Musiker*innen waren in den Konzentrationslagern der Nazis ermordet worden. Gleichzeitig wünschten sich einige sehr, von Wagners Musik zu lernen. Mit Daniel Barenboim sprachen wir viele Stunden über Wagners Texte, seine Musik, seine Biografie, seine Ansichten und seine Bedeutung für die Musikgeschichte. Und als wir nach unserer Abstimmung mit den Proben begannen - erst "Tristans Liebestod" und später Wagners "Walküre" (Erster Akt) -, mündete dies in eine internationale Tournee mit Waltraud Meier, Rene Pape und Simon O'Neill. Eine wunderbare Erfahrung! Und hiermit hat sich meine Beziehung zu Wagner und der "Walküre" vertieft und weiterentwickelt.

Probe, Waldbühne Berlin, 2008

Wagner in Darmstadt

Ich freue mich sehr darauf, das "Walküre"-Konzert mit einer Top-Riege an Sänger*innen spielen zu dürfen. Dorothea Herbert macht gerade eine große Karriere auf den renommierten Bühnen und begeisterte erst kürzlich als Sieglinde in Krefeld. Peter Sonn sang unter Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper in "Tannhäuser" und wird in Darmstadt bald als "Lohengrin" zu hören sein. Matthew Rose, der gerade an der English National Opera Wotan gesungen hat, kenne ich seit vielen Jahren. Nach unserer ersten Begegnung in Tanglewood haben wir gemeinsam in Masterclasses unterrichtet. Es war schon lange ein Wunsch, gemeinsam "Walküre" zu machen - und nun wird es wahr. (Daniel Cohen)

Matthew Rose (C) Tristram Kenton
Dorothea Herbert (C) Matthias Stutte
Peter Sonn (C) Isabel Machado Rios

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