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Ballettabend mit Choreografien der Tänzer*innen des Hessischen Staatsballetts

Über das Stück

„(…) einfühlsam, artistisch und in perfekter Abstimmung (…).“ Darmstädter Echo

„(...) pfiffig im Umgang mit den Abstandsregeln.“ Frankfurter Rundschau

In der vergangenen Spielzeit feierte das Hessische Staatsballett mit Startbahn 2020 eine furiose Rückkehr auf die Bühne nach dem von COVID-19 bedingten Lockdown. In dieser Spielzeit wird das Projekt in neuem Gewand wiederaufgenommen, mit nun insgesamt 16 Kurz-Choreografien von Tänzer*innen unseres Ensembles, verteilt auf die beiden Abende Startbahn I und II. Im Startbahn-Konzept zeigt sich der kreative Reichtum unseres aus vielen künstlerischen Einzelstimmen bestehenden Ensembles. In thematischer wie ästhetischer Bandbreite werden eigene Konzepte ausprobiert, persönliche Tanzstile entwickelt und neue Formen tänzerischen Ausdrucks kultiviert. Für manche der Choreograf*innen sind es die ersten Schritte auf diesem Parkett …


Startbahn I

Im Dialog mit sich und dem sie umgebenden Raum steht Isidora Markovic im Selbstsolo „As small as a world, as large as alone“. Zur eigens komponierten Musik von Sara Stevanović geht es um den Versuch auszubrechen auf der Suche nach Begegnung. Ein Bardate auf Distanz wirft einen neuen Blick auf die Gesten der zwischenmenschlichen Kommunikation in Alessio Pirrones Duett „Let`s (finally) meet“. Dem wechselseitigen Verhältnis von Präsenz und Abwesenheit folgt Masayoshi Katori in „Prelude to Act 1“. Bezogen auf die gegenwärtige Situation fragt er nach dem, was schon immer gewesen ist und gleichzeitig noch nicht einmal begonnen hat. Javier Ara Sauco beschreibt in seinem Solo „There is a big sorrow inside me that I can't find but It is pushing me to define this form“ zu eigens von ihm komponierter Musik einen nach innen gerichteten Blick mit Bezug zum spanischen Maler El Greco. Auf Kollisionskurs mit der Fantasie geht die Realität in „The Circle“ von Daniel Myers, wenn Sicherheit sich ins Risiko mischt und der Tod das Leben umarmt. Vanessa Shield wendet sich in „People`s Faces“ der Gemeinschaft zu und erforscht Aspekte wie Veränderung und Einheit vor dem Hintergrund des täglichen Zusammenlebens. Auf eine Reise ohne Handlung begibt sich Matthias Vaucher mit vier Tänzer*innen in „Maybe some thing“ und vertraut ganz auf die Bewegung im Raum. In „Deep art, yours …“ von Ramon John steht die Menschheit schließlich kurz vor dem Aufbruch zu einem neuen Planeten. Am Vorabend der Abreise findet leicht melancholisch eine letzte Feier auf Erden statt, denn welche Gesellschaftsform folgt steht in den Sternen.  


 

Startbahn II

In „Mask 1522“ fragt Alessio Damiani danach, wie Gewalt in der Liebe existieren kann? Dieses Oxymoron untersucht er vor dem Hintergrund einer häuslichen Gewaltzunahme gegenüber Frauen während des sogenannten „Lockdowns“. Das Thema Verlust in einem allumfassenden Sinn bewegt Rita Winder in ihremStück „Threshold“. Sie beschreibt darin den Umgang des Menschen mit Veränderung als einen von Zerrissenheit geprägten lebenslangen Schwellenzustand und Prozess des Werdens. Um das gegenseitige Miteinander, die kleinen Gesten der alltäglichen Kommunikation, um das Du und das Ich geht es in „Two, This“ von Meilyn Kennedy. Dem Sommer in sich auf der Spur ist Manon Andral in „Inner Summer“ und folgt dabei einer vielschichtigen Selbstreflexion, an deren Ende ein fester Boden für neue Wurzeln steht. Die Bestrafung des Narziss mit unstillbarer Selbstliebe durch Nemesis nimmt Ludmila Komkova zur Grundlagein ihrer choreografischen Interpretation „Narcissus“ von Nicolai Tscherepnins „Narcisse et Echo“, das sie in einem Solo für einen Tänzer inszeniert. Taulant Shehu zeigt mit „88“ eine Videotanzinstallation, in der die Tänzer*innen die Freiheit haben, die Musik auf der Bühne zu erleben. Marcos Novais wird in „Bento de Almeida“ von der Geschichte seiner Großeltern inspiriert. In seinem Stück geht es um den sehnsuchtsvollen Verlust einer lebenslangen Liebe und deren Wiedervereinigung im Tod.  In „Nuance“ behandelt Greta Dato in einem für sie selbst choreografierten Solo die Farbenvielfalt in einer variationsreichen und komplexen Welt. Im Zuge ihrer tänzerischen Innenschau setzt sie sich dabei mit „ihrem Rotton“ auseinander.       


 

Copyright: De-Da Productions

Drei Fragen an Ludmila Komkova und Ramon John, Tänzer*innen beim Hessischen Staatsballett 

Was hat euch zuletzt inspiriert? 
Ludmila Komkova: Meine Inspiration kann immer unerwartet kommen, etwa von einem Traum oder von Musik, die ich höre. Bevor ich mit einer neue Choreografie beginne, muss ich schon unbedingt eine Idee haben, der Rest der Inspiration und Fantasie kommt dann währenddessen.
Ramon John: Zuletzt inspiriert hat mich eine Skulptur mit dem Titel „GOD“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, der Roman „Der Wolkenatlas“ von David Mitchell und eine Komposition von Paul Jebanasam.

Was bedeutet Tradition für euch und für eure Arbeit? 
Ramon John: Tradition im Sinne von Bräuchen oder Gepflogenheiten, die in einem kulturellen Zusammenhang stehen, lasse ich meist nicht in meine Arbeit mit einfließen. Ich versuche immer so originell wie möglich zu arbeiten, abstrakt und ohne Narration. Ich möchte lediglich Bilder schaffen und Gefühle vermitteln, sodass alle Zuschauenden ihre individuellen Assoziationen bilden können. 

Ihr beide habt schon mehrfach für eure Kolleg*innen choreografiert. Wie fühlt sich das an? 
Ludmila Komkova: Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, für meine Kolleg*innen zu kreieren, nicht nur weil sie fantastische Tänzer*innen sind, sondern auch weil wir uns sehr gut kennen und sie wissen was ich sagen will. Das gibt einem natürlich eine gewisse Sicherheit und viel Unterstützung. 
Ramon John: Ich choreografiere sehr gerne und besonders mit und für meine Kolleg*innen. Man kennt sich sehr gut und weiß somit, welche Stärken man zum Vorschein bringen kann und wo man herausfordern kann. Die größte Herausforderung für mich ist in solchen Prozessen dann immer, den Ansprüchen meiner Tänzer*innen gerecht zu werden und etwas noch nicht Entdecktes aus ihnen heraus zu holen.  

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