Blog mit Einblicken in die Produktion

Zur Produktionsseite 




08.04.21

C wie Cybermobbing, Catcalling und Carework

Doch diese Woche geht’s im Blog auch um Hass und Eigenliebe im Netz.



 

Cat-Calling sind unangebrachte, unangemessene sexuelle und anzügliche Kommentare von Männern gegenüber Frauen in der Öffentlichkeit. Meist werden diese eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu erzwingen, mit dem Ziel, Sex als Gegenleistung zu erhalten. Dabei sind alle Cat-Calling Situationen immer Machtspiele, die Frauen als Objekt darstellen. Meist werden diese Erfahrungen auf Straßen und Plätzen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht, auch in Clubs, Bars ist diese Form der Demütigung nicht unüblich.

“catcallsofdarmstadt” kreidet Respektlosigkeiten und Bedrohungen aus der Region an. 

Vorfall

“Ankreidung Nr. 198: Wurde von einem betrunkenen Typen mit den Worten: „ey f*cken?“ gegrüßt. Als ich hochschaute, bemerkte er: „aso bistn typ haha sorry“. 
(CATCALLSOFDARMSTADT.COM)


Das Beispiel zeigt, dass es bei sexueller Belästigung nicht nur um die betroffene Person selbst geht; hier wird Sexismus deutlich, der sich in der Respektlosigkeit gegenüber Frauen äußert.


"Sie reißen einander Federn mit dem Schnabel aus." 

“So hat die Natur das eingerichtet. Wenn ihr mir nicht glaubt, könnt ihr irgendso nen Tierfilmer fragen. ... Wie mein Bruder sagt: Ein Schlüssel, der eine Menge Schlösser aufkriegt, ist ein richtig guter Schlüssel. So ne Art Generalschlüssel. Aber ein Schloss, das eine Menge Schlüssel öffnen können, ist ein echt beschissenes Schloss. Versteht ihr? – Das hat Scarlett nicht kapiert. Vielleicht hat ihre Mutter es ihr nicht beigebracht.”
(Aus dem Stück)



(aus der ersten Leseprobe)




“Erst als Scarlett verschwindet, wird den anderen ins Gedächtnis gerufen, was Mobbing für Auswirkungen hat. Das Problem beim schnellen kommentieren, teilen, disliken, der einzeln, das allerdings massenhaft geschieht, ist eben das jeder Kollektiv-Schuld: Die Schuld wird so oft geteilt, dass bei der einzelnen scheinbar kaum eine Verantwortung übrig bleibt.”
(Karoline Hoefer, Dramaturgin
)

Mobbing beinhaltet das über einen längeren Zeitraum andauernde Schikanieren, Beleidigen oder Blamieren einer oder mehrerer Personen am Arbeitsplatz, in der Schule oder auch im Internet ( Cybermobbing). Dabei müssen die Handlungen nicht immer nur aktiv passieren sondern können auch passiv sein oder durch nonverbale Kommunikation wie negative Blicke stattfinden.

Das Mobbingrisiko ist für Frauen 7% höher als bei Männern. Mehr Männer sind laut Mobbingprojekt (wordpress.com) Täter als Frauen. Vor allem nimmt Cyber Mobbing durch die Digitalisierung zu.

Jede siebte junge Frau in Deutschland hat laut einer Studie der Hilfsorganisation Plan International mindestens einmal digitale Gewalt erlebt. "Mädchen und Frauen können sich im Internet längst nicht so sicher fühlen wie auf der Straße", sagte die "HateAid"-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg.

Ein Zitat aus dem Interview mit Frau von Hodenberg: „Frauenhass ist natürlich auch ein Teil der Ideologie. Bei den Tätern von Christchurch und Halle haben wir gesehen, dass sich der Hass gezielt gegen Frauen richtete - genauer gesagt gegen Frauen, die emanzipiert sind, eine eigene politische Meinung haben und selbst über ihren Körper bestimmen wollen.

Es gibt das Denken, dass emanzipierte Frauen keine Kinder mehr bekommen wollen und die Angst, dass die Menschheit deshalb als Rasse ausstirbt. Frauen werden versachlicht und auf ihre Funktion, Kinder zu bekommen und dem Mann zur Verfügung zu stehen, reduziert.“

Aus: "HateAid": Hass gegen Frauen im Internet ist heftig  | evangelisch.de



Welche Unterschiede macht Sprache?  


 


Gibt es Begriffe, die noch für ein Geschlecht reserviert sind?
 

Uns fielen ein:

+++ Rabenvater +++
+++ Familienmutter +++
+++ Lästerbruder +++
+++ Männerheldin +++
+++Tante Doktor +++
+++ Powermann +++
+++ Dramaking +++
+++ Hotel Papa +++
+++ Karrieremann +++
+++ boypower +++


Hass im Netz, der in reale Attentate münden kann. 

Wer oder was sind INCELS?

INCELS: Der Begriff “Incel” ist eine Ableitung aus dem englischen und bedeutet „involuntary celibates“. Auf deutsch die “unfreiwillig Zölibatären”. Nach eigenen Aussagen haben diese Männer unfreiwillig keinen Sex mit Frauen und vertreten den Standpunkt, dass Feminismus Schuld daran sein muss. Daher beschimpfen sie nicht nur junge Frauen in Internetforen (wie 4chan, lookism.net oder Wikimannia), sondern sie fordern geradezu bedingungslosem Sex mit Frauen und fantasieren von Vergewaltigung. Meist leben sie ihren Hass online aus, teigern sich in Verschwörungsmythen die nicht nur misogyh, sonden also frauenverachtend, sondern nicht selten auch antisemitisch und rassistisch sind.

Allerdings kam auch schon zu realen Morden und Amokläufen, die sich gezielt gegen junge Frauen richteten. So hatte sich der Attentäter von Toronto 2018 selbst als zum “Incel”  bekannt und von “Revenge” gesprochen, bevor er mit einem gemieteten Van zehn Menschen tötete, acht davon waren Frauen. Ähnlich lag der Fall vier Jahre zuvor der Täter von Santa Barbara. Im Sommer 2020 wählte der antisemitische Attentäter in Halle für den makaberen Soundtrack seines Live-Streams ein frauenfeindliches Lied aus der Incel-Szene aus.

Hier ein Beitrag zu dem Thema:  Incels - Toxische Männlichkeit als Internetkult (deutschlandfunk.de)

Veronika Kracher schrieb in ihrem Buch Incel: Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults: “Ich habe angefangen mich mit dieser Gruppe zu beschäftigen, nach dem Attentat in Toronto 2018, das war auch der Moment, in dem die Incel-Community international auch bekannter geworden ist.“


Eigenliebe im Netz



Foto inszeniert von Maja Mae Mittelstädt im Zuge des Probenprozesses

Machen wir lieber sexy Selfies als schöne Akt-Portraits von Anderen? 


"Wir leben heute in einer Gesellschaft, die zunehmend narzisstischer wird. Die Libido wird primär in die eigene Subjektivität investiert. Das narzisstische Subjekt kann seine Grenzen nicht klar festlegen. So verschwimmt die Grenze zwischen ihm und dem Anderen. Ihm erscheint die Welt nur als Abschattung seiner selbst. … Der Eros reißt das Subjekt aus sich heraus auf den Anderen hin. Die Depression stürzt es zu sich selbst."

(Byung-Chul Han: Agonie des Eros, Matthes & Seitz, Berlin: 2013, S. 6f.)


Caring Women (Vorfahrinnen-Recherche)


20 Jahre kein Urlaub. So war das für die Oma meiner Kinder. Eine schwäbische Arbeiterin. Sie hatte immer mind. zwei Jobs. Tagschicht und Nachtschicht. Einen am Fließband in der Fabrik, einen im Callcenter. Ihre eigene Mutter wurde zum Pflegefall, nachdem die eigenen Kinder aus dem Haus waren. Sie nahm sie zu sich nachhause in die Wohnung und kochte für sie, fütterte sie, wusch sie… So kam es, dass sie seit sie 39 war, nie mehr in den Urlaub fuhr. Bis sie 59 war. Jede Nacht klingelte um 4 der Wecker. Nie mehr als 5 Stunden Nachtschlaf.

Die erste Schicht, der erste Job. Dann Mittagessen, das sie nachts vorgekocht hatte aufwärmen und füttern, danach Nachmittags zum Job in der Fabrik.
Ein Leben, das aus viel bezahlter und viel unbezahlter Arbeit bestand.
In ihren 50ern, als sie ihre Mutter beerdigt und mehr Freiheit hatte, sich nur noch um die zwei geretteten Haustiere und die zwei Jobs kümmern musste, dann kam die Krebs-Diagnose: Sie starb mit 53Jahren bevor Rente und Vorsorge griff. Bevor Zeit für sich selbst gewesen wäre. Ich hatte die Immobilienfirma am Telefon, als sie noch aufgebahrt auf dem Totenbett lag, die auf die fehlende Monatsmiete und die dreimonatige Kündigungsfrist hinwies.


01.04.21

B: Body, Boxen (diesmal die Frauen) und Biografisches
 



B = Bodyshaming Bodyshaming beschreibt das Demütigen, Stigmatisieren und öffentliche Kritisieren von Personen, die nicht die gesellschaftlichen Vorstellungen einer “perfekten” Figur vorweisen können oder übergewichtig sind (→ fatshaming). “Shaming” bedeutet hier, jemanden sich für seinen Körper schämen zu lassen. Dies äußert sich im alltäglichen Leben durch Mobbing und Diskriminierung , z.B. geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Ein Viertel der Deutschen ist schon aufgrund ihres Körper beleidigt worden.

“Besonders häufig werden Frauen aufgrund ihres Körpers beleidigt (29%) [Allerdings betrifft es auch Männer: ca. 20% erfuhren bereits Beleidigungen.] Junge Deutsche haben solche Beleidigungen oftmals erlebt: Vier von zehn der unter 35-Jährigen geben an, Body-Shaming-Opfer geworden zu sein. Mit zunehmendem Alter sinkt die Betroffenheit. So geben 14% der über 55-Jährigen an, anhand von Äußerlichkeiten negativ beurteilt worden zu sein.

Auffällig sind die Ergebnisse im Hinblick auf Personen, die angegeben haben, eine andere Person aufgrund von körperlichen Merkmalen beleidigt zu haben: 64% der Täter geben an, selbst schon Opfer von Body Shaming geworden zu sein. Auch aufgrund ihrer Herkunft machen die Menschen unterschiedliche Erfahrungen mit Body Shaming. So geben über ein Drittel (36%) der Deutschen mit Migrationshintergrund an, schon mindestens einmal wegen ihres Aussehens diskriminiert worden zu sein, vs. 23% der Deutschen ohne Migrationshintergrund. - Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der internationalen Data and Analytics Group YouGov, für die 2.064 Personen vom 17.04. bis 16.05.2019 ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ befragt wurden.”

{Der Text wurde leicht gekürzt} Quelle: YouGov | Body Shaming: Ein Viertel der Deutschen ist schon aufgrund des eigenen Körpers beleidigt worden


Bodyshaming und Slutshaming - persönliche Erfahrungen aus dem Umfeld der Produktion

"In dem Laden in dem ich meine Strumpfhosen kaufe, muss ich seit einiger Zeit sehr lange suchen, nach einer normalen schwarzen Strumpfhose, die nicht den Körper schlanker machen soll, den Bauch wegquetscht, die Beine schmaler erscheinen lässt oder den Po formt. Trägt man diese “Shapeware”, hat man Abends regelrecht Bauchschmerzen. Sie sind das Korsett unserer Zeit."

"Ich zog mir einmal meinen hässlichsten Schlüpfer an, den ältesten dicksten Bauchversteck-Schlüpfer in beige, weil ich nicht wollte, dass er mir schon beim zweiten Date direkt unter die Kleidung gehen darf. Ich wollte ja nicht als “Flittchen”, wie man gemeinhin sagt, rüberkommen."

"Auf einem Festival hat mich ein Typ angewidert angequatscht, wie ich es mir wohl erlauben könnte, als Frau unrasierte Beine zu haben. Es sei einfach unhygienisch und nicht ästhetisch. Er selbst hatte einen Vollbart und Haare am ganzen Körper."

"Einmal habe ich im Club eine Frau etwas länger geküsst. Nachdem ich dann wieder aufschaute, stand ein Typ mit Stielaugen daneben und entgegnete uns “Wow das war ja so geil gerade”. Er hatte uns die ganze Zeit beobachtet."

"An manchen Tagen wollte ich gar nicht erst aus dem Bett aufstehen, geschweige denn das Haus verlassen. Ich dachte mir: Mit dem fetten Arsch kannst du doch auf keinen Fall auf die Arbeit gehen." 


Mein. Get. Ready. Soundtrack. 


 
(erste Leseprobe)

Ich stehe vor einem lebensgroßen Spiegel.

Ich  rasiere mir die Achseln

Ich epiliere mir die Beine

Ich zupfe mir die Augenbrauen

Ich lackiere mir die Nägel.

Ich male mir die Lippen an.

Ich trage Rouge auf meine Wangen auf

Ich tusche meine Wimpern

Ich glätte mein Haar

Ich creme mich ein

Ich besprühe meine Arme mit Glitzer

Ich steck mir Ohrringe rein

Ich parfümiere mein Dekolleté.

Ich rasiere. Epiliere. Zupfe. Lackiere. Male an. Trage auf. Tusche. Creme ein. Besprühe. Stecke rein. / Parfümiere. Epiliere. Zupfe. Lackiere. Male an. Trage auf. Tusche. Creme ein. Besprühe. Stecke rein.// Lackiere. Parfümiere. Epiliere. Zupfe. Male an. Trage auf. Tusche. Creme ein. Besprühe. Stecke rein. 

(Aus dem Stück "Mädchen wie die", Evan Placey)


"Frauen sind heute und in Nike-Marie Steinbachs Inszenierung keine Nummerngirls mehr."




 

Regina Halmich, geboren 1976 in Karlsruhe, ist eine ehemalige deutsche Profi-Boxerin. Von 1995 bis 2007 war sie ungeschlagene Weltmeisterin im Fliegengewicht.

Als talentierte junge Frau mit dem Ziel, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen, war der Beginn der späteren vielfachen Weltmeisterin nicht leicht. Die Funktionäre des Amateur-Boxens in Deutschland waren in den 1990er noch gegen Frauenkämpfe. So gab es Ende der 1990er noch nicht die Möglichkeit als Frau in Deutschland Amateurboxerin zu werden und professionell Wettkämpfe zu bestreiten. Regina Halmich musste sich bei einem Amerikanischen Verband anmelden. 

Nach einem verlorenen Kampf in Las Vegas titelte eine große deutsche Boulevard-Zeitung mit ihrem blutenden Gesicht und der Schlagzeile, das wolle niemand sehen: Boxende Frauen. Lange war ihre so genannte Kampfbörse, das Gehalt, das jede*r Boxer*in nach dem Kampf bekommt, bei ihr auffällig geringer als bei ihren männlichen Kollegen, die allerdings deutlich niedrigere Einschaltquoten vorzuweisen hatten. Erst nachdem sie 2001 gegen TV-Moderator Stefan Raab in einem Schau-Boxkampf antrat und dem 20 cm größeren und 35 kg schwereren Entertainer die Nase brach und ihn besiegte und damit als langjährige Boxweltmeisterin einem breiteren Publikum bekannt wurde begann das Fernsehen, ihre Titelkämpfe zu übertragen. Denn die kleine Frau zog viele vor die Bildschirme. Das war der Durchbruch, auch finanziell, denn nun wurde sie „nach Einschaltquote bezahlt und nicht mehr nach Geschlecht“, sagt sie. „Eine Genugtuung.“



B = Bänder-Tanz: “Habt ihr das im Sportunterricht gelernt? Was sagt das über Geschlechterbilder aus? Wie war die Hilfestellung beim Bockspringen? Musstet ihr auch “Rhythmische Sportgymnastik Choreografien aufführen? Oder sind Brennball und Völkerball prägende Erinnerungen? Gerade im Sport-Unterricht sammeln wir oft sehr unterschiedliche Erfahrungen.


Judith Butler (* 24. Februar 1956 in Cleveland) ist eine US-amerikanische Philosophin, Professorin für Rhetorik und Komparatistik an der University of California, Berkeley. Ihre einflussreichen sozialwissenschaftlich-philosophischen Arbeiten stehen in der Tradition der Kritischen Theorie, des Poststrukturalismus und der Queer-Theorie.

Seit Ende der 1980er-Jahre finden Butlers Arbeiten zur feministischen Theorie internationale Aufmerksamkeit. Mit ihrer Schrift Das Unbehagen der Geschlechter stieß sie 1990 die Diskussionen um die Queer-Theorie an und führte diese in ihrem ebenfalls zentralen Werk “Körper von Gewicht” – 1993 erschienen unter dem Titel “Bodies that matter: on the discursive limits of „sex“ – weiter aus. Ein wichtiger Beitrag Butlers ist das performative Modell von „Geschlecht“.

Demnach wird die Einteilung in die Geschlechtskategorien „männlich“ und „weiblich“ nicht als naturgegebene oder unausweichliche Absolutheit gesehen, sondern diese Binärität wird soziokulturell durch Wiederholung von Sprechakten konstruiert. Über Geschlechterforschung hinaus hat Butler sich mit Fragen von Macht- und Subjekt-Theorien beschäftigt und seit 2002 mit der Ethik der Gewaltlosigkeit.

B= Binäres Geschlechtersystem: Das binäre (westliche) Geschlechtersystem zielt darauf ab, dass es nur das männliche und das weibliche Geschlecht gibt. Es schließt intergeschlechtliche, nicht-binäre und andere Menschen, die nicht in dieses zweigeschlechtliche System passen, aus. 


Biografisches: Unsere Omas

Duschen und Baden nur im Hemd!
 

Meine Großmutter nannte ihren Mann “Patre”, er sie “Matre”. 

In dem katholischen Internat, in dem sie bis zum Abitur war, durfte man nur im Nachthemd baden. Sonst könne einen der Teufel zur Masturbation verführen. 

Wenn man seine Tage hatte, sollte man seine Haare nicht kopfüber waschen. Das Menstruationsblut könne, so ging die Legende, in den Kopf fließen und die Mädchen verrückt machen. “Ich habe den Nonnen lange geglaubt. Ich war so dumm und naiv als Mädchen”, sagte meine Oma.


In ihrer Stadtwohnung im Hochparterre gab es ein sogenanntes “Herrenzimmer” mit einer Chaiselongue, Büchern, Globus, und einem großen Hölzernen Radio, das der Großvater berühren durfte. Niemandem war erlaubt den Sender zu verstellen. 

Durch die sehr moralische und wenig offene Erziehung, hat sie ihr ERSTES MAL wohl ziemlich überrumpelt. Sie wurde schnell schwanger. Und bekam ein 5 Kilo schweres Kind, mit dem sie - erstaunlicherweise - nur 6 Monate schwanger war. Diese dumme Lüge vom 6-Monats-Baby wurde in der Familie nie revidiert. Vorehelicher Sex, das gab es nicht. 

Opa hatte meine Oma nicht nur betrogen, sondern auch weitere Kinder gezeugt hat. Das nannte man “unehelich” und es wurde verschwiegen. Es kam erst raus, als die Kinder schon erwachsen waren: Dass meine Mutter noch eine unbekannte Halbschwester in London hat. Sie ist ihr nie begegnet. Erst 2020 habe ich erfahren, dass meine Mutter noch eine weitere Halbschwester in Erding hätte haben können. 2019 ist sie in Erding gestorben. Erst durch die Recherche nach den Erben stellte sich also heraus, dass mein Opa meine Oma nicht nur betrogen, sondern 2 Kinder gezeugt und heimlich finanziell unterstützt hat. 

Dennoch habe ich die beiden Alten immer als liebevolles Paar wahrgenommen, das viel verband. Das in einer Zeit in der es nicht üblich war, Weltreisen unternommen hatte. 

Oma Amalie war gesundheitlich noch recht fit, als es im schlecht ging. Schnitt ihm die Zehennägel, zog ihn an und aus und führte ihn täglich die Terrasse auf und ab, stenografierte seine Lebenserinnerungen, die er die Füße im Fußsack, diktierte… 

Nie habe ich gehört, dass sie ihm einen Vorwurf gemacht hätte.  


“So hat die Natur das eingerichtet. Wenn ihr mir nicht glaubt, könnt ihr irgendso nen Tierfilmer fragen. ...Wie mein Bruder sagt: Ein Schlüssel, der eine Menge Schlösser aufkriegt, ist ein richtig guter Schlüssel. So ne Art Generalschlüssel. Aber ein Schloss, das eine Menge Schlüssel öffnen können, ist ein echt beschissenes Schloss. Versteht ihr? – Und das hat Scarlett nicht kapiert. Vielleicht hat ihre Mutter es ihr nicht beigebracht.”
 

Als das Foto kommt, sitzen wir Mädchen gerade in Geschichte und hören nicht mehr zu, wie die Lehrerin mit ihrem Wurstbrot-Atem und den Winke-Wackelpudding-Armen weiter über Wahlrecht oder Suffra-dingsdas oder sowas schwafelt.
Die Lehrerin redet eintönig vor sich hin, malt Schlüsselwörter an die Tafel, und jedes Mal, wenn sie ihren Arm hebt, können wir durch die Öffnung ihres Ärmels die schlaffe Haut an ihrem Oberarm hin und her schlackern sehen. Winke-Wackelpudding-Arme.

Irgendwie sollte der wirklich mal jemand sagen, dass es für Fünfzigjährige illegal ist, kurze Ärmel zu tragen. Vielleicht schreibe ich ihr eine Nachricht. Anonym natürlich. Um ihr einen Gefallen zu tun.”

(Zitate aus dem Stück “Mädchen wie die”, Evan Placey)


25.03.21



Boxtraining vor der Probe



"Wer beim Boxen einem Angriff ausweicht, muss in den Schlag reingehen. Interessant. Das habe ich aus dem Training vor der Probe heute gelernt." (Nike-Marie Steinbach, Regie)



Boxen : Kampf : Tanzen : Körper
Der Körper im Mittelpunkt.
Der Kampf im Mittelpunkt.
Im Mittelpunkt ein Thema, das des Kampfes bedarf.


Der Boxring als Bühne.
Der Boxring nicht als Bild der Bühne.
Der Boxring ist die Bühne.
Ein Schauplatz mit vier Seiten.
Eine Arena für die Performer*innen.
Eine Arena für die Perspektiven.
Für die Perspektiven der Performer*innen.
Für die Perspektiven der Zuschauer*innen.

(Marie Ruth van Aarsen, Bühne und Kostüm)




Über Boxen

von Joyce Carol Oates, 1987

Das Leben dagegen als Metapher ... für einen dieser Kämpfe, die nicht enden wollen, Runde folgt auf Runde, Stöße, verfehlte Schläge, Clinch, keine Entscheidung, wieder und wieder der Gong, wieder und wieder der Gegner, der dir so sehr gleicht, dass du die Augen nicht davor verschließen kannst, dass du selbst dein Gegner bist: Warum dieser Kampf auf erhöhter Plattform, von Seilen eingeschlossen wie in einen Pferch, unter heißem, mitleidlosen Scheinwerferlicht, im Angesicht einer ungeduldigen Menge? (...) Das Leben gleicht dem Boxen in vielen beunruhigenden Beziehungen. (...) (S. 10)


Was hast Du in den Proben, die bisher digital stattfanden, als überraschend, als bereichernd oder Höhepunkt erlebt? 

Maja Mae Mittelstädt: "Bereichernd ist, dass digital alles etwas flexibler ist. Überrascht hat mich, wie gut man sich auch online kennenlernen kann." 

Yasmina El Aallali: "Zoom hatte schon auch ein paar Vorteile, das „virtuelle“ Proben klappte wirklich besser als erwartet, aber nun wurde es wirklich Zeit für ein Treffen irl."

Susanne Ullrich: "Die Disziplin aller in den digitalen Proben war fantastisch - ist es doch wahnsinnig anstrengend, den ganzen Abend gefühlt nur einen Laptop zu bespielen. Intime, persönliche Momente konnten gut kreiert werden, auch ohne physische Nähe. So war die Vertrautheit mit allen schnell da."

Maryam Nayyer

Yasmina El Aallali: "Als überraschend empfand ich die Tatsache, dass es trotz dieses digitalen/nicht-„realen“ Raumes möglich war, eine unbeschreibliche Nähe und Verbindung zu diesen Frauen aufzubauen, die ich vorher noch nie offline gesehen habe. Uns war es möglich ganz intime Momente miteinander zu teilen, was unglaublich schön und zugleich sehr bereichernd war. An dieser Stelle möchte ich aber auch nicht mehr verraten... ;)"

Yanna Vick: "Ich war überrascht wie gut doch geklappt hat, wie nah wir uns gekommen sind. Die Konzentration mit der alle dabei waren. Ich wurde durch die Proben dazu animiert meinen Geburtstag via Zoom zu feiern, es war eine richtig gute Zoom Party mit den Tools, die ich von Nike gelernt hatte. Auch die Einheit mit Nira war für mich so überraschend, Tanzen via Zoom? Wenn mich vorher jemand gefragt hätte? No way!"

Katrin Katzenmeier: "Ich habe mir mal geschworen, niemals in einem Zoom Meeting Sport zu machen oder mich großartig zu bewegen. Und plötzlich stand ich tanzend in meinem Zimmer und habe mich mit den anderen in der Probe zu Musik bewegt. Zoom kannte ich bisher nur aus der Uni: Einer redet, die anderen hören zu - ohne Kamera. In der Probe war alles anders.

Wir hatten alle die Kameras an und Nike hat es durch den PC geschafft, so viel Motivation und Freude zu versprühen, dass kein bisschen Uni-Feeling aufkam. Ich hatte Spaß und habe mich jede Woche auf die Probe und die damit einhergehende Abwechslung gefreut. Manche Proben und Gespräche waren fast schon magisch und eine tolle Möglichkeit, die anderen aus dem Ensemble in einem gewohnten Umfeld schonmal näher kennen zu lernen."



                                               #strongertogether




Worauf freust Du Dich bei den kommenden Proben?

Maja Mae Mittelstädt: "In "Wirklichkeit" ist alles besser." 

Yasmina El Aallali: "Das erste Treffen, jenseits eines Computerbildschirms und den eigenen vier Wänden. Viel Bewegung, szenisches Arbeiten und natürlich reichlich Spaß und hoffentlich einige lustige Momente, die uns in Erinnerung bleiben werden!"

Susanne Ullrich: "Die Freude alle Persönlichkeiten in „real life“ zu sehen war groß. Mit Menschen direkt und nicht indirekt über Computer zu kommunizieren. Endlich gemeinsam in den Pausen lachen, essen und über die Bühne hüpfen."

Katrin Katzenmeier: "Bei den kommenden Proben freue ich mich vor allem darauf, nicht mehr nur thematisch mit dem Text zu arbeiten, sondern endlich auch an die Ausarbeitung und Umsetzung der Szenen zu gehen. Es wird nun alles irgendwie realer und greifbarer. Es ist aber auch eine Herausforderung. Ich muss aus mir rauskommen und kann mich nicht mehr zuhause in meiner Kuscheldecke verstecken. Aber ich freue mich darauf, mit den anderen zu arbeiten und sie auch unabhängig von einem Bildschirm kennen lernen zu können."

Yanna Vick: "Ich freue mich die Spielerinnen kennenzulernen, als Ensemble zusammen zu wachsen. Das ist zwar bereits per Zoom passiert, aber in den Präsenzproben passieren wieder ganz andere Dinge. Die Energie ist vorhanden, bei Zoom hat sie nicht gefehlt, aber es war eine andere Energie."


#women
(58,2 Mio)

#mädchen
(1,2 Mio.)

#womenempowerment
(15,6 Mio.)  

#girlsrule
(1,2 Mio.)


Bisher seid Ihr Euch nur im Digitalen Raum via Zoom begegnet. Was erwartet Ihr Euch von der analogen Begegnung in Darmstadt? 

  Maryam Nayyer
                                                                                                                

Yanna Vick:"Als wir uns gesehen haben, war das wie eine Begegnung nach dem Kennenlernen auf einer Online-Dating-Plattform, das erste Date. Total aufgeregt, die Menschen nicht erkannt, denn jetzt kam das Element der Statur hinzu, vorher waren es immer nur die Körper. Nun trugen alle Masken, wodurch ich die anderen teilwiese nur durch Ausschlussverfahren zuordnen konnte. Ich wollte ja auch nicht fragen: Hey, wer bist du? Denn das wäre ja echt doof gewesen, so empfand ich es zumindest."

Maja Mae Mittelstädt: "Ich glaube, einige Frauen sind größer bzw. kleiner, als ich sie mir vorgestellt habe."

"Jetzt nach dem persönlichen Kennenlernen habe ich das surreale Gefühl, dass mein Kopf diese Frauen zwar schon sehr gut kennt, aber auf der nonverbalen Ebene muss erst noch eine Verbindung entstehen (mit der kompletten Sinneswahrnehmung, also wie das Sprichwort „sich auch gut riechen können“)."

Yasmina El Aallali: "Die Energie, Präsenz und Ausstrahlung dieser wunderbaren Frauen hautnah und in 3D miterleben zu dürfen und beobachten zu können. Uns erwartet eine neue Form der Kommunikation und Interaktion und ich bin total gespannt, wie sich die Zusammenarbeit in den nächsten Wochen gestalten wird!"

Susanne Ullrich: "Ich erwarte immer wiederkehrende Überraschungen. Leute immer wieder neu kennen lernen zu dürfen, sie sich bewegen zu sehen und mich durch den Raum zu bewegen, und ihre Nähe auch auf mindestens 1,5 m Abstand zu spüren. Mich auf der Bühne auszuprobieren. Abends glücklich, aber erschöpft nach Hause zu fahren."


Feminismus-ABC - Buchstabe A

A wie Abtreibung: Bewusster Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft. Allgemein ist ein Schwangerschaftsabbruch laut §218 gesetzwidrig, wird aber unter bestimmten Bedingungen nicht strafrechtlich verfolgt. Die „Werbung“ oder schon das darauf aufmerksam machen im Internet, dass ein Arzt oder eine Ärztin Schwangerschaftsabbrüche durchführt, ist nach §219a verboten.